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Bienen machen sich jetzt winterfest

 
Kurze "Unterhaltung" am Einflugloch
(bim). „Stirbt die Biene, stirbt vier Jahre später der Mensch“ - dieses von Albert Einstein geprägte Sprichwort unterstreicht die Bedeutung der summenden Nektar- und Pollensammler, die für die Bestäubung vieler Obst- und Gemüsesorten unerlässlich sind. Doch Parasiten wie die Varroamilbe, der zunehmende Einsatz von Pestiziden oder zuletzt die grassierende Amerikanische Faulbrut, eine bakterielle Brutkrankheit, gefährden die Existenz der Honigbienen. Eine, die sich mit viel Hingabe und Fachwissen dem Erhalt dieser Insekten widmet, ist Imkerin Inga Salerno (39) aus Holm-Seppensen. Sie ist für Norddeutschland Co-Referentin der renommierten Bienenwissenschaftlerin Dr. Pia Aumeier von der Ruhr-Universität und bietet ab nächstem Jahr einen „Begleitkurs durch das Bienenjahr“ für Imker/innen und Interessierte am „großen Brutraum“ an. Außerdem hat sie den ersten SB-Honigshop in der Region in Holm-Seppensen eröffnet. (Infos unter www.himmelsuess.de)
Die 39-Jährige gelernte Bankkauffrau ist verheiratet und hat einen zwölfjährigen Sohn, der selbst schon imkert. 2012 spielte sie mit dem Gedanken, sich der Imkerei zu widmen. „Dann ging alles sehr schnell“, berichtet Inga Salerno, die nach einem Kursus beim Imkereiverein Buchholz gleich eine intensive Ausbildung bei Dr. Pia Aumeier und Bienenkundler Dr. Gerhard Liebig aufnahm. Dafür fuhr sie drei Jahre lang, so oft es möglich war, nach Bochum. Die beiden Bienenwissenschaftler testeten u.a. das Varroamilben-Behandlungsmittel „MAQS“, das jetzt von einer Schweizer Firma zugelassen ist.
Derzeit betreut Inga Salerno rund 38 Bienenvölker an verschiedenen Standorten in der Nordheide mit rein regional produziertem Honig. Ich betreibe keine „Wander-Imkerei“, so die 39-Jährige. Der einzig sortenreine Honig aus ihrer Region sei der aus Raps- oder ab August bis Anfang September aus Heideblüten. In der Regel umfasse das Hauptfluggebiet von Honigbienen einen Umkreis von drei Kilometern. „Aber es gab auch schon Bienen, die für Raps zehn Kilometer weit geflogen sind“, sagt Inga Salerno. Wegen des kalten Frühjahres und Temperaturen unter zehn Grad sowie der langen Trockenzeit sei die Lindenblüte als Sommerhaupttracht - also der Vorrat der Bienen und damit die Grundlage für den Honig - in diesem Sommer sehr gering ausgefallen. Das ist für Inga Salerno aber kein Problem. Ihr ist vor allem wichtig, dass es ihren Bienen gut geht.
Imkern sei weit mehr als nur die „Honig-Ernte“ und weit mehr als ein Hobby. „Bienen zu halten, ist keine Nebensache, sie brauchen das ganze Jahr über eine Dauerbetreuung. Acht Monate bin ich für meine Bienen in action, Urlaub gibt‘s im Dezember“, berichtet Inga Salerno. Von einer Berufsimkerei spreche man aber erst ab 100 Völkern.
Für Bienen beginnt das neue Jahr ab der Sommersonnenwende am 21. Juni. „Ab August verkitten die Bienen alle Zwischenräume in der Beute mit Propolis (Kittharz) und machen den Bau winterfest“, erläutert die Fachfrau. Im September und Oktober werden die Winterbienen herangezogen, das Volk erhält eine letzte Varroamilben-Behandlung. „Bienen machen keinen Winterschlaf. Sie bilden eine Wintertraube, rotieren umeinander und erzeugen durch Vibration ihrer Flugmuskeln Wärme, durch die sich das Bienenvolk mit der Königin in der Mitte warm hält.“
Im Sommer umfasst ein Volk um die 40.000 Bienen, im Winter ca. 8.000. Für eine erfolgreiche Überwinterung sind mindestens 6.000 Tiere notwendig. Damit es den Immen gut geht, füttert Inga Salerno sie nun mit 75-prozentigem Zuckersirup.
Im kommenden Frühjahr sind die Bienen dann wieder als Bestäubungsexpertinnen unterwegs. Laut dem deutschen Imkerbund hängen rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau in Deutschland von der Bestäubung der Honigbienen ab. Sie sorgen aber nicht nur dafür, dass die menschliche Nahrung zur Verfügung steht, sondern auch für Pflanzenvielfalt, die wiederum anderen Insekten zugute kommt. Die emsigen Bestäuber von Nutz- und Wildpflanzen sind wichtiges Bindeglied in vielen Lebensgemeinschaften und sichern vielen Tierarten die Nahrungsgrundlage.