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Fast elf Monate ohne Festnetzanschluss und Internet

(Foto: Repro: MSR)
 
Annegret und Klaus Lucht mit den unzähligen Briefwechseln mit Telekom und Anwälten
bim. Tostedt. Klaus (52) und Annegret Lucht (51) aus Tostedt wissen nicht, ob sie vor Wut platzen oder aus "Galgenhumor" lachen sollen. Sie waren bis vor Kurzem rund 30 Jahre treue Kunden der Telekom. Dennoch stehen sie bereits seit fast elf Monaten ohne Festnetz und Internet da, weil Klaus Lucht telefonisch einen Neu-Vertrag eingegangen war, mit dem ihm deutlich schnelleres Internet und IP-Fernsehen - die Übertragung von Fernsehprogrammen und Filmen mit Hilfe des Internet Protocol (IP) - zu gleichen Konditionen versprochen worden war.
"Das Angebot hörte sich wegen des schnelleren Internets interessant an. Das IP-TV ist mir mehr oder weniger aufgequatscht worden. Es hieß, alle HD-Sender seien inklusive, dann hätte ich die jährliche 50-Euro-Karte nicht mehr gebraucht. Am Preis sollte sich zu unserem vorherigen Vertrag nichts ändern", erzählt Klaus Lucht.
Wenig später erhielt er ein Paket mit dem nötigen Zubehör für die neuen Leistungen. Doch es habe sich herausgestellt: "Um IP-TV zu empfangen, hätten wir alle Leitungen erneuern müssen. Außerdem hätte ich nur die ohnehin frei empfangbaren Sender in HD-Qualität, ansonsten hätte ich sieben Euro monatlich mehr zahlen müssen", so Klaus Lucht. Deshalb habe er den neuen Vertrag einen Tag vor der Umstellung storniert und das Zubehör zurückgeschickt - das war Ende Juli 2014.
Doch statt den alten Vertrag fortzusetzen, habe die Telekom Telefon- und Internetanschluss gekappt, sagt Annegret Lucht.
Auf Nachfrage habe ihnen die Telekom mitgeteilt, die Leitung binnen zwei, drei Tagen wieder freizuschalten, was nicht passierte. Später hieß es, der Vorgang dauere drei Wochen. "Da sind wir wutentbrannt zu EWE gegangen und haben dort einen Vertrag für Telefon und Internet abgeschlossen", so die Luchts. Die EWE könne allerdings nicht vor Ende Juli 2016 tätig werden, weil sich die Telekom noch auf den - inzwischen stornierten - Neuvertrag beruft.
Die Tostedter sind nun also in der Servicewüste gestrandet - bekommen ihren Zugang zu den alten Vertragsbedingungen nicht wieder und können auch den neuen bei EWE nicht nutzen. Und dass obwohl die Telekom die vorzeitige Vertragskündigung inzwischen akzeptiert hat. Bis Anfang April kamen zudem Mahnungen - trotz nicht erbrachter Leistungen. Und auch auf Anwaltsschreiben regiere die Telekom nicht.
Annegret Lucht hat zumindest eine Konsequenz aus dem Vorgang geschlossen: "Mein Mann hat jetzt ein grundsätzliches Vertragsabschluss-Verbot."


Kommentar

Immer wieder melden sich beim WOCHENBLATT Leser, die aufgrund eines Anbieterwechsels ins telekommunikative Abseits fallen. Die Unerreichbarkeit übers Festnetz oder nicht leistungsfähige Internetverbindungen, die versprochen wurden, sind oft der Grund für den Ärger, der Wochen oder - wie im Fall der Luchts - Monate dauern kann. Hintergrund ist, dass die Telekom nach wie vor die "Hoheit" über die sogenannte "letzte Meile" - den letzten Abschnitt der Leitung bis zum Hausanschluss hat - und es Probleme bei der Übernahme gibt. Und dass die Anbieter häufig etwas versprechen, das sie aufgrund der technischen Gegebenheiten gar nicht halten können. Die Verbraucher bleiben auf der Strecke. Hier wäre die Bundesnetzagentur gefordert, diesen unlauteren Wettbewerb zu unterbinden und dem früheren Monopolisten endlich die Macht zu entziehen. Bianca Marquardt