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"Zu 99 Prozent höre ich ganz auf"

Freizeit bis mindestens zum Jahresende: Trainer Thomas Titze macht nach 23 Jahren Schluss beim TSV Buchholz 08 (Foto: archiv / cc)

WOCHENBLATT-Interview mit Thomas Titze (55) nach 23 Jahren als Fußballtrainer beim TSV Buchholz 08

os. Buchholz. Zum Abschied floss die ein oder andere Träne: Nach 23 Jahren als Jugend- und Herren-Fußballcoach beim TSV Buchholz 08 hat Thomas Titze (55) seine Trainerkarriere beendet. Im Interview mit WOCHENBLATT-Redakteur Oliver Sander blickt der Berufs-Feuerwehrmann auf seine höchst erfolgreiche Zeit bei den Nullachtern zurück und wagt einen Ausblick.
WOCHENBLATT: Was sisnd die schönsten Erinnerungen an die 23 Jahre als Fußballtrainer bei Buchholz 08?
Thomas Titze: Über die Eindrücke und Erfahrungen könnte ich ein Buch schreiben. Ich habe fast nur schöne Sachen erlebt und dabei viele nette Menschen kennengelernt, egal ob Fußballer, Eltern, Zuschauer oder Wurstverkäufer. Natürlich waren auch nicht so nette Dinge dabei. Es gibt Schöneres, als bei Minusgraden mit langer Unterhose am Seitenrand zu stehen. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass man viel zurückbekommt, wenn man sich vernünftig verhält.
WOCHENBLATT: Was sich auch darin äußert, dass Ihr Team bei 14 Austragungen zwölf Mal den Fairnesspreis erhalten hat. Wie haben Sie den Spagat zwischen Fairness und sportlichem Ehrgeiz hinbekommen?
Titze: Es kommt darauf an, was man den Spielern vorlebt und wie man sie behandelt. Ich habe immer sehr darauf geachtet, dass die Chemie innerhalb der Mannschaft stimmt. Wir haben viele sehr gute Fußballer nicht verpflichtet, weil die Zusammenarbeit nicht funktioniert hätte. Ich habe weit über 200 Spieler trainiert. Dass mit vielen bis heute eine Freundschaft besteht und ich z.B. zu Hochzeiten eingeladen werde, zeigt mir, dass ich nicht soviel falsch gemacht habe.
WOCHENBLATT: Was war aus sportlicher Sicht der größte Erfolg?
Titze: Dass wir 2006 in die höchste Hamburger Amateurliga aufgestiegen sind und dort bis dato mit kleinem Etat - bis aufs erste Jahr - immer einen einstelligen Tabellenplatz erreicht haben, ist fantastisch. Zumal wir das mit unserer kleinen Fußballabteilung geschafft haben, ohne dem Großverein Geld wegzunehmen.
WOCHENBLATT: Das ist besonders hoch einzuschätzen, weil die Rahmenbedingungen im Vergleich zu anderen Teams sehr bescheiden sind...
Titze: Ich will jetzt nicht mehr jammern, aber wenn man unseren Platz sieht und weiß, in welchen Kabinen sich unsere Spieler umgezogen haben - das geht eigentlich gar nicht. Während Hamburg bei den Rahmenbedingungen immer mehr aufholt, wird in Buchholz seit langem über den Bau eines Kunstrasenplatzes diskutiert. Vom Bedarf her müsste die Stadt mindestens drei Plätze bauen!
WOCHENBLATT: Sie sind mit Ihrem Team zwei Mal Vizemeister geworden, wussten aber von vornherein, dass sie wegen der fehlenden finanziellen Mittel niemals in die Regionalliga aufsteigen können. Wie haben Sie Ihre Spieler motivieren können?
Titze: Das war gerade bei jungen Spielern häufig sehr schwierig zu vermitteln. So wie uns geht es aber allen anderen Teams auch. In diesem Jahr nimmt aus wirtschaftlichen Gründen keine Mannschaft aus der Hamburger Oberliga an den Relegationsspielen zur Regionalliga teil. Die Oberliga droht immer mehr zu einer reinen Spaßliga zu werden. Diese Tendenz ist nicht gut.
WOCHENBLATT: Wie könnte man das Problem beheben?
Titze: Es würde den kleinen Vereinen, die die jungen Spieler ausbilden, helfen, wenn sie aus dem riesigen Topf des Deutschen Fußball-Bundes ein paar Euro abbekommen würden. Bei den Amateurklubs kommt viel zu wenig Geld an.
WOCHENBLATT: Sie standen über Jahrzehnte am Wochenende auf Fußballplätzen. Wie nutzen Sie künftig Ihre Freizeit?
Titze: Gerade im Sommer habe ich überhaupt keine Probleme damit, meine Freizeit zu gestalten. Ich werde mir garantiert weiter die Spiele von Buchholz 08 anschauen, zumal mein Sohn Henrik ja weiter dort im Tor spielen wird.
WOCHENBLATT: Wird es den Trainer Thomas Titze noch einmal geben?
Titze: Bis zum Ende des Jahres mache ich definitiv nichts. Danach schaue ich, wie mir die fußballlose Zeit bekommt. Nach jetzigem Stand höre ich zu 99 Prozent ganz als Trainer auf. Aber man soll nie "nie" sagen.
WOCHENBLATT: Herr Titze, vielen Dank für das Gespräch.