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Rudi Carrell war noch frecher als Böhmermann

Rudi Carrell (Foto: archiv-klar)
Carrells Schwiegersohn Dieter Klar erinnert sich an Staatskrise durch Satire

tk. Buxtehude. Vor wenigen Tagen hat die Pressekammer des Landgerichts Hamburg Teile von Jan Böhmermanns Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan als beleidigend und damit als verboten eingeordnet. Böhmermanns Satire führte zu einer deutsch-türkischen Staatskrise. Vor fast genau 30 Jahren, nämlich am 15. Februar 1987, gelang dem Entertainer Rudi Carrell (†) ein Satire-Kunststück, das in seinen Folgen noch weit über die Causa Erdogan-Böhmermann hinausgeht. "Es brach die Hölle los", erinnert sich Dieter Klar, sein Schwiegersohn, der in Buxtehude lebt.
In seiner Sendung "Tagesshow" hatte Carrell einen 14 Sekunden langen Beitrag zum achten Jahrestag der Islamischen Revolution im Iran gezeigt. "Ajatollah Khomeini wird von der Bevölkerung gefeiert und mit Geschenken überhäuft", sprach Carrell als Nachrichtensprecher und zeigte dazu gestellte Bilder, wie Frauen Slips und BHs in eine Kiste zu seinen Füßen warfen. "Ein winziger Beitrag entwickelte sich zur Hammergeschichte", sagt Dieter Klar.
Teheran zog seinen Botschafter aus Bonn ab, verwies deutsche Diplomaten des Landes, stellte Flüge der Iran Airline ein und schloss das Goethe-Institut. Rudi Carrell und sein Minifilm waren Thema auf allen Kanälen, in der Presse bis hin zur New York Times. "Am Anfang hatten wir noch gelacht", sagt Dieter Klar.
Bald aber verging der Familie das Lachen, denn es wurden Morddrohungen gegen den Entertainer ausgesprochen. "Wir mussten Buxtehude verlassen", so Dieter Klar. Rudi Carrell und seine gesamte Familie wurden auf seinem Anwesen in der Nähe von Bremen zusammengerufen. "Die Polizei baute einen Container auf und patrouillierte mit Hunden übers Gelände", sagt Carrells Schwiegersohn. Das Thema radikaler Islam und damit verbundene tatsächliche Gefahren sei damals noch überhaupt nicht in den Köpfen der Menschen vorhanden gewesen. Mehr als eine Woche dauerte die "Quarantäne", wie Dieter Klar die Zeit nennt.
Beim iranischen Volk hat sich Rudi Carrell entschuldigt, bei Ajatollah Khomeini nicht.