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"Hier schläft keiner mehr ruhig"

Mit Spürhunden sucht die Polizei nach Spuren
thl. Bütlingen. "Wir alle hoffen, dass der oder die Täter schnell gefasst werden. Bis das nicht geschehen ist, schläft hier keiner mehr ruhig." Solche und ähnliche Aussagen sind es immer wieder, die man derzeit von den Bürgern in Bütlingen zu hören bekommt, seit ein Feuerteufel im Ort sein Unwesen treibt. Fünf Brände (Strohballen, ein Holzstapel, ein Haufen Müllsäcke und zwei Reetdachhäuser) innerhalb einer Woche haben die Bewohner der 700-Seelen-Gemeinde in Angst und Schrecken versetzt. Hinzu kommt der Strohballenbrand in der Nacht zu Mittwoch in Oldershausen. Jeder fragt sich: "Was passiert als nächstes?" Denn für die Bütlinger ist klar, dass die Taten zusammenhängen.
"Hier ist nichts mehr, wie es vorher war", sagt ein Bürger. Die Polizei fährt ständig mit Streifen- und Zivilfahrzeugen durch das Dorf, stoppen Passanten und nehmen deren Personalien auf, um ein Bewegungsprofil zu erstellen. Spürhunde suchen in den Brandruinen und auf deren Grundstücken nach Spuren. Doch bisher gebe es keine heiße Spur, heißt es seitens der Beamten. Den Bürgern ist klar, dass die Polizei nicht über sein kann. Deswegen haben sich mehrere von ihnen in einer Bürgerwehr organisiert und laufen abends selbst Streife. "Irgendwie müssen wir uns ja schützen und die Burschen zur Strecke bringen. Im Ort gibt es noch acht Reetdachhäuser. Die wollen wir auch behalten", sagt einer, ballt die Faust und fügt hinzu: "Gnade ihnen Gott, dass die Polizei sie vor uns erwischt."
Viele der Bürger setzen den Focus auf die drei Jugendlichen, die eine Zeugin beim Brand des Holzstapels schemenhaft gesehen haben will, die dann durch ein Maisfeld geflüchtet sein sollen. Doch da setzt sich eine neue Angst durch: Sind das Jugendliche aus dem Dorf? Sind das vielleicht sogar meine Kinder oder die des Nachbarn? Sogar die Mitglieder der Jugendfeuerwehr werden mittlerweile argwöhnisch angeguckt. "Es kommt eben öfter, dass Feuerwehrleute die Brände selbst legen", sagt ein Mann.
Kein Wunder also, dass die unheimliche Brandserie auch Thema beim jüngsten Dienst der Nachwuchsretter am Mittwoch war.
Unterdessen haben die Bewohner des Reetdachhauses, das am Samstagabend abgebrannt ist, mit den Aufräumarbeiten angefangen. Das historische Gebäude mit dem rund 1.000 Jahre alten Keller wird im Dorf auch die Burg genannt, weil es früher das Amtshaus war. Sozusagen der Kern, um den das Dorf Bütlingen herum gebaut wurde. "Wir haben das Haus erst vor vier Jahren renovieren lassen und dabei unter anderem eine neue Reeteindeckung aufbringen lassen", sagt die Eigentümerin. Sie möchte gar nicht daran denken, wo der oder die Täter herkommen. "Die Hauptsache, sie werden schnell gefasst", sagt ihr Mann. Und seine Frau appelliert: "Wenn es tatsächlich Jugendliche waren, bitten wir die Eltern, die Taten ihrer Kinder nicht durch Schweigen zu decken."