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Herr Schamlott, Sie sind gefordert!

Kaum zu glauben: Diese Ruine war vor drei Wochen noch das Zuhause von Joachim Fahr

Der Brackeler Peter Huber wirft Bürgermeister Henning Schamlott einen persönlichen Rachfeldzug vor.

mum. Brackel. Ortstermin am Wochenende: Die Scheiben sind notdürftig mit Brettern vernagelt, die Außenfassade ist heruntergerissen, die Haustür wurde aufgebrochen - kaum zu glauben, dass in dieser Hütte in der Straße „Im Haßel“ einmal ein Mensch gewohnt hat. Tatsächlich war das kleine Haus sogar noch bis Mitte Januar das Zuhause von Joachim Fahr (51). Sein Schicksal bewegte viele WOCHENBLATT-Leser. Mitte Januar ließ ihn die Gemeinde zwangsräumen.
Den Brackeler Peter Huber bringt das Verhalten der Gemeinde auf die Zinne: „Die Gemeinde hat mit großem Eifer eine Unbewohnbarkeit des Hauses herbeigeführt“, sagt er. „Das jetzt geschändete Gebäude ist jedoch in keiner Weise gegen unbefugtes Betreten gesichert.“ Er befürchtet, dass Kinder sich dort beim Spielen verletzen können. Oder Jugendliche das Haus anstecken. Fast täglich kommt Huber mit seinem Hund an dem Grundstück vorbei „Ich erwarte, dass die Gemeinde unverzüglich einen Bauzaun um das Grundstück errichtet“, sagt Huber. Außerdem müssen Warn- und Verbotsschilder aufgestellt werden.“ Was die Gemeinde von jeder Privatperson erwartet, müsse doch auch für sie selbst gelten? „Die Unprofessionalität der eingeleiteten Maßnahmen ist erschreckend“, sagt Huber, „Das Verantwortungsgefühl des Bürgermeisters ist vermutlich durch persönliche Feindschaft vollkommen blockiert.“ Die Baustelle sei im momentanen Zustand leider nur vorgelebter Vandalismus
in einem persönlichen Rachefeldzug.
Rückblick: Joachim Fahr bewohnte eine kleine Doppelhaushälfte in der Straße „Im Haßel“ - mitten im Grünen. Dort ist er nach dem Tod seines Vaters, den er gepflegt hatte, Anfang 2012 eingezogen. „Mir bedeutet das Haus sehr viel“, sagt Fahr. Bereits seine Großeltern lebten nach dem Krieg dort, dann zogen Fahrs Eltern ein. „Alle meine Erinnerungen sind mit diesen vier Wänden verknüpft.“
Unmittelbar nach dem Tod des Vaters kündigte die Gemeinde den Pachtvertrag. „Ich habe angeboten, jährlich 3.500 statt 20 Euro Pacht zu zahlen und eine neue Kläranlage einzubauen“, so Fahr. Aber Brackels Bürgermeister Henning Schamlott blieb hart. „Wovon soll Joachim Fahr denn eine neue Kläranlage bezahlen?“ argumentiert er. Fahr zog vor Gericht. Ohne Erfolg. Da der Streitwert mit nur 20 Euro (Pachtgebühr für ein Jahr) festgelegt wurde, konnte Fahr nicht in Berufung gehen. Weitere juristische Mittel blieben ohne Erfolg.
Juristisch ist der Fall klar. Der Bürgermeister ist im Recht. Aber warum muss Fahr das Haus verlassen? Es handele sich um eine Behelfsunterkunft, die nach dem Krieg genutzt werden durfte. „Heute besteht keine Wohnungsnot mehr“, so der Bürgermeister.
Auf die Frage, wie es mit dem Areal jetzt weiter geht, zeigte sich Schamlott bislang einsilbig: „Ich muss meine Pläne nicht offen legen.“