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Der weite Weg zum Geld: Auf dem Lande muss man bis zur nächsten Bankfiliale oft viele Kilometer fahren

Das wäre doch ein idealer "Verbundstandort" in Agathenburg: Zu Briefkasten, Bäcker und Zigarettenautomaten gesellt sich die (ins Bild hineinmontierte) SB-Bankfiliale
 
Wurde Opfer dreister Ganoven: der gesprengte SB-Pavillon in Bendestorf
(jd). "Nähe ist bei uns kein Zufall" - mit diesem Slogan werben zahlreiche Sparkassen. Eine Bankfiliale in ihrer Nähe hätten auch gern die Agathenburger. Dort ist es kein Zufall, dass sich die Kreissparkasse vor etlichen Jahren zurückgezogen hat. Der Aufwand für den Betrieb einer Zweigstelle rechnete sich nicht mehr. So hat Agathenburg mit anderen kleinen Gemeinden eines gemeinsam: Sie verfügen über keine Bankfiliale. Gerade ältere Menschen sind dort auf fremde Hilfe angewiesen, um ihre Geldgeschäfte zu tätigen. Die Agathenburger möchten das Problem jetzt anders lösen: Die örtliche Arbeitskreis zur Dorferneuerung will sich für die Errichtung einer SB-Filiale einsetzen.

"So langsam verschwindet die gesamte Infrastruktur", sagt Arbeitskreis-Sprecher Thilo Jungnickel. Er hält es für wichtig, dass gerade für Senioren noch ein Grundangebot vor Ort besteht. Dazu zählt auch die Möglichkeit, an Bargeld und Kontoauszüge zu kommen oder auch Überweisungen zu tätigen.
Die Idee einer Selbstbedienungs-Station brachte der Agathenburger Georg Wichels aus dem Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern mit: Dort stehen vielerorts Bank-Pavillons, die rund um die Uhr genutzt werden können.

Wichels und Jungnickel sind der Ansicht, dass sich die hiesigen Geldinstitute einen solchen Service zum Vorbild nehmen sollten: "Der Aufwand für eine derartige SB-Filiale wäre verhältnismäßig gering." Ein Standort direkt an der B73 sei ideal, um eine möglichst hohe Kundenfrequenz zu erzielen. "Agathenburg könnte Pilotcharakter für die gesamte Region haben", meint Jungnickel.

Ob die Agathenburger mit ihrer Initiative Erfolg haben werden, bleibt fraglich: Die führenden Geldinstitute im Kreis Stade reagieren auf das Thema SB-Filialen eher verhalten. So verweist Bastian Röndigs von der Kreissparkasse auf die recht hohen Kosten für einen SB-Pavillon. Ohnehin sehe man derzeit keinen Handlungsbedarf, so Röndigs. Die Kreissparkasse weise immerhin die zweithöchste Filialdichte in ganz Niedersachsen auf.

Außerdem verweist Röndigs auf einen Vorfall, der sich im vergangen Herbst in Bendestorf (Kreis Harburg) ereignete: Dort hatte eine Diebesbande den Geldautomaten in der SB-Filiale der Sparkasse Harburg-Buxtehude gesprengt. Dabei wurde auch der Pavillon komplett zerstört. Schadenshöhe: 60.000 Euro. Röndigs fürchtet, dass solche Pavillons eher Ganoven anlocken, weil sie dort einfacher an die Geldautomaten herankommen.

Eine Sorge, die Andreas Sommer, Sprecher Sparkasse Harburg-Buxtehude, nicht unbedingt teilt: "Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien die Ganoven vorgehen, doch sicher spielen günstige Fluchtwege eine große Rolle." In Absprache mit der Versicherung wurde ein neuer Pavillon aufgestellt. "Wir wollen in der Fläche Präsenz zeigen und das geht oft nur mit SB-Terminals."

Die Sparkasse Stade-Altes Land verfügt im Gegensatz zu vielen anderen Banken ebenfalls über SB-Filialen. Drei Stück sind es immerhin. Diese sind aber alle in festen Gebäuden untergebracht. Neben der Sicherheit war die Überlegung wichtig, passende Räumlichkeiten zu haben, die später bei Bedarf mit Personal besetzt werden.

Skepsis auch bei den Volksbanken Geest und Stade-Cuxhaven. Laut Volksbank Geest-Vorstand Hans-Hinrich Koppelmann ist die Nutzung der SB-Terminals in den meisten Filialen "verschwindend gering" und betriebswirtschaftlich gesehen nicht lohnend: "Das ist teurer als die manuelle Bearbeitung von Überweisungen am Schalter."