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"Charmant, aber penetrant"

Die Menschen im Alten Land, wie hier in Mittelnkirchen, geben nicht auf, ihren Unmut kundzutun
bc. Altes Land. Auch wenn die Streitlust bei den Menschen im Alten Land ein wenig nachlässt, die Bürgerinitiative (BI) gegen die Verkehrsflut gibt nicht auf. Ihr Ziel, den Schwerlastverkehr so weit es geht aus dem Alten Land zu verbannen, haben die Mitglieder nicht aus den Augen verloren.

In Kürze soll es erneut zu einer Spontan-Aktion auf der L140 und der K39 entlang des Deiches kommen. „Unser Ziel ist es aber nicht, die Pendler zu treffen“, sagt Joachim Streckwaldt von der BI in Mittelnkirchen.

Vorbild der Altländer in Sachen Ausdauer ist die Bürgerinitiative in Finkenwerder, die fast 40 Jahre für ihre Ortsumgehung gekämpft hat. „Wir müssen immer wieder den Finger in die Wunde legen. Charmant, aber penetrant, muss unsere Devise lauten. 40 Jahre wollen wir aber nicht warten“, sagt Joachim Streckwaldt aus Mittelnkirchen.

Es sind die schweren Container-Auflieger, die den Menschen im Alten Land ein Dorn im Auge sind. Seit der Öffnung der Finkenwerder Umgehung haben immer mehr Spediteure gemerkt, dass der Weg vom Hamburger Hafen auf der K39 und der L140 durch Jork, Mittelnkirchen, Steinkirchen, Grünendeich und Hollern-Twielenfleth Richtung Bremen und Bremerhaven viel kürzer ist, als über die A7 und A1.

Seitdem kommen viele Anwohner vor lauter Lkw-Krach nicht mehr in den Schlaf, einige klagen über Risse in ihren Häusern und Hotelgäste wundern sich über den starken Verkehr auf den Straßen. „Selbst sonntags und nachts reißt der Verkehr nicht ab“, sagt Rainer Ebeling, BI-Mitglied aus Mittelnkirchen. Der Tourismus leide.

Auch Timo Gerke, Gemeindebürgermeister in Hollern-Twielenfleth, beschäftigt sich intensiv mit der Verkehrsproblematik. Eine Ende des vergangenen Jahres getroffene Aussage von Heiko Köhnlein, Leiter des Umweltamtes beim Landkreis Stade, reiche seiner Auffassung nach für ein Durchfahrtverbot im Alten Land für Lkw über 7,5 Tonnen. Köhnlein sprach davon, dass seiner Behörde zahlreiche Schäden auf der K39 gemeldet worden seien, wie Fahrspuren im Seitenraum, umgefahrene Leitpfosten und Schlaglöcher in der Fahrbahn. Vermutlich seien diese Schäden auf eine erhöhte Beanspruchung durch den Schwerverkehr zurückzuführen.

Ein generelles Durchfahrtverbot lasse sich aufgrund des allgemeinen Straßenzustandes jedoch nicht rechtfertigen, sagt Kreis-Pressesprecher Christian Schmidt auf WOCHENBLATT-Anfrage. Es gebe zwar immer die Möglichkeit, bestimmte Abschnitte, auf denen die Straße besonders gefährdet ist, durch entsprechende Verbote zu schützen. Allerdings müsse die Maßnahme verhältnismäßig sein – wie etwa die derzeitige Geschwindigkeitsreduzierung auf 50 Km/h auf einem Abschnitt der K39. „Die Straßenbaubehörden müssen sich immer bis zu einem gewissen Maß gefallen lassen, dass die Straßen durch die Benutzung beschädigt werden“, so Schmidt. Darüber hinaus sei die L140 in Hollern-Twielenfleth erst vor kurzem saniert worden.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative kennen solche Aussagen. Für sie wird vor allem interessant sein, was bei der dritten Phase des Verkehrsmonitorings (Verkehrszählung) nach der Öffnung der Jorker Ortsumgehung herauskommen wird.

Eine mögliche Komplettöffnung der A26 von Horneburg nach Jork würde vermutlich eine gewisse Entlastung für viele Menschen in der Samtgemeinde Lühe bringen, aber voraussichtlich keine Entlastung, was den Schwerverkehr angeht. Streckwaldt: „Bis dahin befinden wir uns in einer Art Hab-acht-Stellung.“