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Kleiner maritimer Schatz - WOCHENBLATT-Serie "Türme im Norden": Der alte Leuchtturm im Baljer Vordeichgelände

Der alte Baljer Leuchtturm. Daneben ragt der "große Bruder" empor (Foto: jd)
jd. Balje. Es ist ein ungleiches Leuchtturm-Paar, das im Nordkehdinger Außendeichgelände steht: Eine schon von Weitem sichtbare Landmarke stellt das 54 Meter hohe Baljer Oberfeuer dar. Die typische Optik mit den rot-weißen Ringen sticht sofort ins Auge. Geradezu zwergenhaft dagegen wirkt der alte Leuchtturm direkt am Schilfsaum des Elbufers. Mit einer Höhe von gerade mal 17 Metern gehört er zu den kleinsten Leuchtfeuern am großen Strom. Ohne das Engagement Ehrenamtlicher wäre das Türmchen wohl dem Verfall preisgegeben worden. Dank ihres tatkräftigen Einsatzes zählt das 1903 errichtete und 1980 erloschene Leuchtfeuer nun zu den maritimen Schätzen an der Unterelbe.

Nur in zwei Monaten im Jahr ist eine Besichtigung möglich: Lediglich von Anfang Juli bis zum ersten September-Wochenende darf der Leuchtturm von Ausflüglern und Urlaubern besucht werden. Der Grund: Das denkmalgeschützte Bauwerk liegt inmitten eines Vogelschutzgebietes. Dank einer Ausnahmegenehmigung des Landkreises Stade ist es möglich, mit Rad oder Pkw zum Hauptdeich zu fahren. Von dort sind es nur noch 300 Meter Fußweg, bis der kleine Leuchtturm erreicht ist. Wer will, kann sich dort einer Führung anschließen und allerlei Wissenswertes über die Geschichte der Seezeichen entlang der Elbe erfahren.

Auch Reinhard Schult vom Vorstand des Fördervereins hat öfter eine Besuchergruppe "im Schlepptau". Fachkundig erläutert er den Gästen die Funktionsweise des Leuchtturms: Lag das Schiff im weißen Sektor des 12,5 Seemeilen (ca. 23 km) weit sichtbaren Leitfeuers, war es auf Kurs. Gebannt lauschen Vera Hüge und Stefan Krug mit ihren Kindern Fiona und Louis Schults Vortrag. Die Familie aus Nordhessen verbringt ihren Jahresurlaub an der Elbe und hat sich mit dem Drahtesel auf Leuchtturm-Tour begeben. "Hier ist es viel ruhiger und entspannter als in den Nordseebädern", sagt Vera Hüge.

Wer oben auf dem äußeren Umgang des Leuchtturms steht, kann diese Einschätzung voll und ganz bestätigen: Außer dem Rauschen des Windes sowie ab und zu dem Tuten eines Schiffshorns ist kaum ein Geräusch wahrzunehmen. Im gemächlichem Tempo ziehen die dicken Pötte vorbei und am Horizont verschmelzen Himmel, Wasser und der schmale Streifen Land am gegenüberliegenden schleswig-holsteinischen Ufer. Wer diese norddeutsch-herbe Atmosphäre genießen will, muss sich sputen: Bis Sonntag, 4. September, ist der Leuchtturm noch geöffnet. Dann herrscht für zehn Monate absolute Ruhe.

• Der Leuchtturm ist noch bis zum 4. September täglich außer montags und freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Anreiseskizze ist unter www.foerderverein-baljer-leuchtturm.de zu finden.