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Sind Musikevents in Luhmühlen ein "unzumutbarer Lärm"?

Auf der Gründungsversammlung der Bürgerinitiative (v. li.): die Sprecher Peter Köditz, Dr. Christian Siedentopf und Jörg Oesterreich
 
Locken kleine und große Musikfans an: die Freiluftveranstaltungen in Luhmühlen (Foto: Team 412)

Neue Bürgerinitiative will bei der Planung künftiger Veranstaltungen mitreden

ce. Luhmühlen.ce. Luhmühlen. Sind Festivals und andere Musikevents in Luhmühlen ein "Leuchtturmprojekt" für mehr Tourismus oder unerträglicher Lärm? Von Letzterem ist eine neue Bürgerinitiative (BI) überzeugt, die sich jetzt in dem Dorf gegründet hat. "Veranstaltungen vor unserer Haustür darf es geben, aber keine Belästigung durch Lärm und Beschädigung der Natur!" Das betonen die etwa 30 Mitglieder der BI. Sprecher ist der ehemalige Tierarzt Dr. Christian Siedentopf (65), der von den Stellvertretern Peter Köditz und Jörg Oesterreich unterstützt wird. "Einige der jüngsten Musikveranstaltungen auf dem Turniergelände waren mit erheblichem Lärm verbunden. Wir Bürger wollen daher bei der Planung und Genehmigung künftiger Events mit einbezogen und nicht von den zuständigen Behörden überrollt werden", so Siedentopf.
Die Reitsportveranstaltungen auf dem Turnier-Areal in der Westergellerser Heide - so die Initiative - würden akzeptiert: "Sie haben eine lange Tradition und damit können wir leben." Dies gelte jedoch beispielsweise nicht für das Elektromusik-Festival "because we are friends", das über Pfingsten vier Tage lang unter freiem Himmel in Luhmühlen stattfand und für die Anwohner "ein unzumutbarer Lärm" gewesen sei. Das Ausbildungszentrum Luhmühlen (AZL) als Geländeeigentümer und die Seevetaler Eventagentur Team 412, die den Open-Air-Bereich vermarktet, haben eine Wiederholung des Festivals unterdessen abgesagt (das WOCHENBLATT berichtete). Die BI sah dies als ersten Erfolg ihres Protestes. Für kommende Veranstaltungen stellte sie folgende Forderungen:
• Lärmpegel-Messpunkte, deren Standorte die BI mitbestimmen will, sollen festgelegt werden.
• Musik- und Verstärkeranlagen sollen durch die Genehmigungsbehörden eingepegelt werden.
• Der jeweilige Veranstalter soll angeben, wie weit die Events in die Abendstunden hineinreichen und wie laut sie werden könnten.
"Musikveranstaltungen sollen drei Tage nicht überschreiten und nicht an Feiertagen sowie in der Brut- und Setzzeit stattfinden", fordert die Bürgerinitiative. Darüber hinaus sollen "verbindliche Aussagen über die Nutzungsmöglichkeiten des Turniergeländes getroffen werden und darüber, wie viele Zuschauer das Gelände maximal 'verträgt'". Die BI verlangt außerdem, dass die Zuständigkeiten bei den Behörden für die Planung von Musikevents in Luhmühlen "überschaubar gemacht" und der BI Ansprechpartner bei den jeweiligen Ämtern genannt werden.
"In den nächsten Wochen werden wir weitere Gespräche mit den beteiligten Behörden und Institutionen führen, um unsere Ziele zu verfolgen", kündigte Christian Siedentopf auf der Gründungsversammlung der BI an.

Das sagen Team 412 und AZL:

"Für uns als vermittelnder Vermarkter des Geländes ist es selbstverständlich, uns zu 100 Prozent entsprechend den Gesetzen und Verordnungen zu verhalten. Dies haben wir bisher auch zu jeder Zeit umgesetzt, und so wird es bleiben", erklärt Matthias Graf, Chef des Teams 412, auf WOCHENBLATT-Anfrage in einer Stellungnahme zur Kritik der BI an den Veranstaltungen in Luhmühlen. "Ebenso bleibt es unser erklärtes Ziel, dieses außergewöhnliche und schöne Gelände neben den etablierten Reitsportveranstaltungen auch mit Events für andere Zielgruppen zu bereichern", so Graf weiter. Dr. Roland Wörner, Geschäftsführer des Ausbildungszentrum Luhmühlen (AZL), schließt sich den Ausführungen Grafs an. "Wir streben nach wie vor ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis mit den Bürgern in Luhmühlen und Westergellersen an", ergänzt der AZL-Chef.
- Infos zur Luhmühlener Bürgerinitiative bei Dr. Christian Siedentopf unter Tel. 0172 - 6832288.

Kommentar:

Luhmühlen darf als Veranstaltungsort nicht zum Friedhof Ohlsdorf 2.0 werden

Das Festival "A Summer's Tale", das im August erstmals in Luhmühlen vier Tage lang über die Bühne ging, wurde jetzt mit dem unabhängigen "Helga! Festival Award" in der Kategorie "Überzeugendste Festivalpremiere" ausgezeichnet. Und das ist gut so! Luhmühlen darf dauerhaft nicht nur auf den Reitsport setzen, wenn es für alle Generationen und Interessen attraktiv und offen bleiben will. Zehntausende begeisterte Besucher aus dem In- und Ausland erlebten ein tolles Festival und wurden - ebenso wie die Anwohner - nicht mit unerträglichem Lärm bombardiert.
Das über Pfingsten gefeierte Elektromusik-Event "Because we are friends" schoss mit dem Tag und Nacht mehr oder weniger heftig bebenden Klangteppich auch in meinen Ohren (ich wohne Luftlinie gut zwei Kilometer entfernt) über das Ziel hinaus. Eine Fortsetzung dieses Festivals am gleichen Ort wurde von den Veranstaltern abgesagt, und damit sollte sich auch die Anti-Lärm-Bürgerinitiative in Luhmühlen zufrieden geben. Verglichen mit den genannten Veranstaltungen herrscht im Dorf an gut 350 Tagen im Jahr Totenstille, und das muss reichen. Luhmühlen darf nicht zum Friedhof Ohlsdorf 2.0 und als kultureller Veranstaltungsort totgeredet werden. Hinterm Reitsport-Horizont muss es auch in Zukunft weiter gehen.
Christoph Ehlermann