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Ein Gedenkstein an der Mordeiche in Otter erinnert an einen heimtückischen Raubmord

Bei der Gedenkstein-Einweihung (v. li.): Landschaftsplanerin Jutta Kuckartz, Bürgermeister Herbert Busch und die Initiatoren Heinrich Kröger und Helmut Tödter
bim. Otter. Wenn man sich im beschaulichen Otter mit seiner idyllischen Landschaft aufhält, ahnt man nicht, dass sich hier einst ein schauriges Verbrechen abspielte: Ein braver Bürger wurde hinterrücks erschossen - dort, wo heute die Kreisstraße 41 verläuft, nahe der Wümmebrücke. In Gedenken an das Opfer hatte ein Gastwirt eine Eiche gepflanzt, die als "Mordeiche" in die Geschichte eingegangen ist. Im Beisein von Mitgliedern der Heimatvereine Tostedt und Fintel und weiterer Geschichtsinteressierter weihte Otters Bürgermeister Herbert Busch einen Gedenkstein ein, mit dem an den "Raubmord an der Wümme" erinnert wird. Initiiert wurde er von den Heimatforschern und Kennern des Dichters Friedrich Freudenthal (1849 - 1929), Helmut Tödter aus Welle und Heinrich Kröger, Pastor und Autor aus Soltau,
Der beliebte Viehhändler Conrad Friedrich Renken aus Osterwede (Heidekreis) wurde am 4. Dezember 1878 auf dem Rückweg aus Harburg aus dem Hinterhalt erschossen und seines Geldes beraubt. Als Täter wurde der Schlachter Heinrich Cohrs aus Otter überführt. Durch den Tod des Ernährers kamen die Hinterbliebenen von Renken in bittere Not. Der Mörder verbüßte eine 30-jährige Haftstrafe und lebte später in Otter, ohne Reue zu zeigen, ist auf dem Gedenkstein zu lesen.
Zum Gedenken an die Tat pflanzte Gastwirt Christoph Brockmann 1879 am Tatort eine Eiche. In seine Kneipe war Renken nach seinen Touren nach Hamburg häufiger eingekehrt.
Die Erinnerung an diesen Vorfall ist dem Dichter Friedrich Freudenthal zu verdanken, der 1928 in seinen letzten großen Geschichten davon schrieb, der Titel: "Wie es kam, dass ich einem Raubmörder kameradschaftlich die Hand drückte". Daraus geht hervor, wie der Mörder überführt wurde: Vorderladegewehre wurden damals mit Munition geladen und mit zu Bällchen gerollten Papierstücken gestopft. Ein findiger Gendarm untersuchte die am Tatort gefundenen Papierfetzen, davon einige von einem verwendeten Kuvert mit Namen darauf, und setze sie wie ein Puzzle zusammen. So kam er Heinrich Cohrs auf die Schliche.
Zur zeitlichen Einordnung der Tat nannte Bürgermeister Herbert Busch einige Daten: 1874 war die Bahnstrecke Bremen-Hamburg in Betrieb genommen, 1878 bis 1890 die Tostedter Johanneskirche erbaut worden. Zirka 1880 war die Wümme begradigt worden. Und so spannte Busch den Bogen in die Gegenwart: Denn im Rahmen des bis vergangenen Oktober dauernden Flurbereinigungsverfahrens wurde u.a. die Wümme remäandriert, also in einen schlängelnden Verlauf zurückversetzt.
Zur Gedenkstein-Einweihung gekommen waren auch Nachfahren von Friedrich Renken: Gerda Meyer, geb. Renken, aus Weyhe bei Bremen und Marianne Harders aus Seevetal, deren Mutter eine gebürtige Renken war, legten Blumen nieder.