Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Heimatforschertagung: Von Stader Grafen, Barockkanzeln und dem aufgegebenen Gestüt Radbruch

Dr. Inge Buggenthin hatte den Heimatforschertag organisiert
 
Dr. Jochen Brandt (li.) mit einer in Appel gefundenen Urne aus der Zeit um 500 nach Christi und Holger Buggenthin mit einem Beil von 1630 in der Ausstellung in der Volksbank
bim. Hollenstedt. Wenn sie junge Menschen für Heimatgeschichte begeistern kann, schlägt das Herz von Inge Buggenthin, pensionierte Lehrerin und promovierte Volkskundlerin, höher. Sie organisierte jetzt eine Heimatforschertagung in Hollenstedt, an der 75 Interessierte, davon zwei Drittel Historiker, Volkskundler und Archäologen, teilnahmen. Im Rahmen dessen wurde auch eine Ausstellung in der Volksbank eröffnet.
Durch die Ausstellung führte Inge Buggenthin u.a. eine fünfte Klasse der Estetalschule. "Wir zeigen dort Dinge, die die Kinder vermutlich nie wieder im Original zu sehen bekommen", erklärte sie. Die Kinder und die beiden Lehrerinen seien begeistert gewesen. "Ein Schüler hat eine ausgestellte Fibel - eine Sicherheitsnadel - erkannt, die auch auf dem Wappen von Regesbostel abgebildet ist", so Inge Buggenthin.
Zu bestaunen ist in der Volksbank auch das Beil der Höltingsgenossenschaft aus dem Jahr 1630, das heute noch bei den Holzauktionen des Interessentenforstes Hollenstedt, Wohlesbostel und Emmen im Einsatz ist und auch das Wappen der Gemeinde Hollenstedt ziert. Die auf der Rückseite eingeprägten Buchstaben HEW stehen für die Anfangsbuchstaben der drei Orte und nicht - wie manche glauben - für die Worte "Hol en wech" beim Zuschlag.
Während der Tagung, die jährlich an wechselnden Orten organisiert wird und dem Gedankenaustausch über abgeschlossene oder noch laufende Forschungsprojekte diente, waren interessante Fachvorträge zu hören.
Unter anderem vom Kreisarchäologen Dr. Jochen Brandt vom Helms-Museum, der über die Ausgrabung an der Alten Burg bei Hollenstedt im vergangenen Jahr und die Interpretation der Funde berichtete. Keramikfunde und die erneute Datierung anhand der Dendrochronologie (Wissenschaft vom Baum-Alter) beweisen, dass die Burg um 950, evtl. auch als Fluchtburg vor Wikingern, von Stader Grafen erbaut wurde und diese nicht im Zusammenhang mit Karl dem Großen (747 - 814) oder den Slawen steht.
Über die Barockkanzeln im Buxtehuder Raum informierte der frühere Tostedter und Jorker Pastor Hans-Heinrich Tegtmeyer. Demnach gibt es sechs heute noch vorhandene Barockkanzeln, u.a. in den Kirchen in Moisburg und Apensen, die aus einer Buxtehuder Werkstatt stammen und die zwischen 1630 und 1640 während und nach dem 30-jährigen Krieg gefertigt wurden.
Ebenso spannend: die Ausführungen von Günther Schulze über das Landgestüt Radbruch, ein Vorläufergestüt der Hannoveraner-Zucht, in dem Anfang des 18. Jahrhunderts Barockpferde für den Militäreinsatz gezüchtet wurden. Weil die Verantwortlichen dort von den Stadtverwaltungen in Winsen und Lüneburg schikaniert wurden, indem sie z.B. Landstraßen nicht mehr mit dem Wagen befahren durften, zogen die mehr als 40 Gestütsleute mit über 200 Pferden von Radbruch nach Einbeck.
Den Wüstungen rund um Hollenstedt - aufgegebenen Orten aus dem Mittelalter - widmete sich Dr. Erhard Deisting.
Beeindruckende Altertümer gibt es auch in der Hollenstedter Kirche zu entdecken, in der die Teilnehmer eine Führung durch Kirchenvorstandsmitglied Karin Thomas erhielten. Etwa einen Kelch des Herzogs zu Braunschweig-Lüneburg aus dem Jahr 1531 aus der Reformationszeit, der noch heute beim Abendmahl in Gebrauch ist, die Klingelbeutel aus der Zeit des 30-jährigen Krieges oder die Sanduhr aus dem 17. Jahrhundert neben der Kanzel.
Von den Teilnehmern habe sie nur positive Rückmeldungen erhalten. Der Erfolg der Tagung bestätigt Dr. Inge Buggenthin in ihrem Wunsch, ein Heimatmuseum oder ein Archiv in Hollenstedt einzurichten. "Es ist schade, dass es so etwas immer noch nicht gibt, wo sich so viele Menschen für Heimatforschung interessieren. Es wäre schön, wenn es eine Anlaufstelle gebe, in der heimatkundliche Dinge abgegeben und Fragen beantwortet werden könnten", sagt sie.
• Die Ausstellung in der Volksbank kann noch bis Freitagvormittag besichtigt werden.