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Ursula Sendes begleitet Menschen auf dem letzten Weg

bim. Tostedt. Die Diakonie in Tostedt ist zu ihrer zweiten Heimat geworden. Dort laufen die Fäden für die Hospizarbeit zusammen. Ursula Sendes (68) ist eine der ersten, die vor 14 Jahren in Tostedt zur Sterbebegleiterin ausgebildet wurden. Jetzt war die engagierte Frau mit rund 6.000 Gästen zum Bürgerfest von Bundespräsident Joachim Gauck zum Schloss Bellevue eingeladen. „Darüber habe ich mich sehr gefreut. Das ist eine Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit“, sagt Ursula Sendes, die mit Ehemann Hans nach Berlin fuhr. „Wo man sich hinsetzte, man kam sofort mit jedem ins Gespräch. Da lernt man die ganze Bandbreite des Ehrenamtes kennen“, so Ursula Sendes.
Hospizhelfer oder Sterbebegleiter entlasten Angehörige schwer kranker Menschen. „Es sind Alltäglichkeiten, die sich die Angehörigen, die sich 24 Stunden am Tag verantwortlich fühlen, wünschen. Sei es, mal guten Gewissens einkaufen oder zum Sport zu gehen oder sich in Ruhe die Haare zu frisieren“, weiß Ursula Sendes.
Tod und Trauer sind immer noch weitgehend Tabuthemen. „Bis ich 50 war, wollte ich von dem Thema auch nichts wissen. Dann bin ich an Krebs erkrankt“, sagt Ursula Sendes. Sie hörte zu der Zeit den Vortrag eines Hospizmitarbeiters. Was er sagte, ging ihr nicht mehr aus dem Kopf: „Ich freue mich auf das letzte Abenteuer meines Lebens, mein Sterben. Da weiß ich nämlich nicht, wie das geht.“
Daraufhin kam sie mit Pastorin Ruth Stallmann-Wendt ins Gespräch, die zu den Mitgründerinnen der Hospizgruppe in Tostedt gehörte.
Ursula Sendes Krebs wurde erfolgreich behandelt. Der Hospizarbeit blieb sie treu, erlebte in den vergangenen Jahren viele bewegende Momente. „Anfangs wünschte ich mir ein Köfferchen voller Worte, in das man für jede Situation nur hinein greifen muss.“ Ursula Sendes weiß, dass Angehörige von totkranken Menschen häufig überfordert sind und sie als Rettungsanker sehen. „Einmal kam ich in ein Haus, in dem ein heilloses Durcheinander herrschte, da hätte ich am liebsten erstmal aufgeräumt“, erzählt sie. „Ein anderes Mal sollte ich einen Mann begleiten, dessen Frau mich erst nicht im Haus haben wollte. Beim ersten Mal stand sie in der Küche, bügelte und beobachtete mich durch die Tür. Nach vier Tagen sagte sie, ich bräuchte nicht mehr klingeln, könnte einfach reinkommen. Da gehörte ich schon fast zur Familie“, so Ursula Sendes.
Die Sterbebegleiter unterliegen der Schweigepflicht. Über die belastenden Situationen können sie sich in der Hospizgruppe austauschen. „Wir dürfen mitfühlen, aber nicht mitleiden, was manchmal nicht ganz einfach ist. Ab und zu braucht man auch Rückhalt, ob das, was man getan hat, richtig war“, so die 68-Jährige. So wurde sie einmal von einer jüngeren totkranken Frau gefragt: „Wo komme ich hin, wenn ich sterbe?“ „Ich sagte ihr: ‚Ich glaube, dort wird es schön und hell sein. Sie können mir ja eine Karte schreiben, damit ich es dann weiß‘. Hinterher war ich verunsichert, ob die Antwort zu flapsig war, aber die Frau hat gelacht“, erinnert sich Ursula Sendes. „Sterbebegleitung ist eine Gradwanderung. Was darf man ansprechen? Was nicht? Wir warten in der Regel, was der Begleitete mit uns besprechen möchte. Wir hören zu. Manchmal reicht es auch, einfach da zu sein.“
Ursula Sendes leitet seit 2010 zudem das einmal monatlich stattfindende Trauercafé Himmelszeit und bietet Trauerbegleitung an.
„Ich habe aber auch ein Leben außerhalb von Tod und Trauer“, betont die sympathische, bescheidene Frau. So geht sie gern schwimmen, fährt Fahrrad und liest. Außerdem ist sie stellvertretendes Vorstandsmitglied des Herbergsvereins. „Und ich habe einen intakten Freundeskreis“, so Ursula Sendes.