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Veganer - es gibt viele Vorurteile

Genießen ganz vegan (v. li.): Isabel Schaper, Andreas Spieler und Vera Werries
bim. Tostedt. Angesichts zunehmender Massentierhaltung, Lebensmittelskandalen und lebensunwürdigen Tiertransporten denken immer mehr Menschen über alternative Ernährungsmöglichkeiten nach. Aber als Vegetarier oder gar Veganer zu leben, können sich die wenigsten vorstellen. Im Hinblick auf den gestern begangenen Weltvegantag sprach das WOCHENBLATT mit drei To-
stedtern, die vegan leben, - also komplett auf tierische Produkte im Essen verzichten.
Isabel Schaper (45) aus Dohren wurde nach der Lektüre eines Buches klar, dass es für sie keinen Unterschied macht, ob ein Rind, ein Schwein oder ein Labrador leidet. „Ich bin praktisch über Nacht Veganerin geworden“, erzählt sie. Ihr Partner Andreas Spieler (40) zog mit. Ihn belastete schon länger die Behandlung des Schlachtviehs bei Tiertransporten seelisch.
Vera Werries (41) ist bereits seit ihrem 17. Lebensjahr Vegetarierin - aus Überzeugung. Nachdem sie vor zwei Jahren in einem Vortrag damit konfrontiert wurde, wieviel Schaden Massennutztierhaltung verursachen kann, sei der Schritt zum veganen Leben die konsequente Folge gewesen, erklärt sie. „Man sieht im Supermarkt, wie abhängig man von der Industrie ist. In allen Fertiggerichten sind tierische Produkte“, sagt Vera Werries, die es leid war, ständig die Zutatenlisten zu studieren.
Natürlich stoßen die drei auf Vorurteile, wenn sie sich als Veganer outen: Sie hätten Mangelerscheinungen, würden blass wirken und müssten mit Zahnausfall rechnen.
Doch durch die vegane Ernährung müsse man auf nichts verzichten. Im Gegenteil: Man entdecke eine zuvor nicht gekannte Vielfalt, so die drei Veganer. In den meisten Gemüsesorten sei ohnehin mehr Protein als in Fleisch enthalten. Nahrhaft seien u.a. Weizeneiweiß, Dinkel, Soja, Tofu und Hülsenfrüchte. Als Milchersatz gebe es viele leckere Produkte und Drinks aus Hafer, Dinkel, Reis, Mandeln und Soja. Das Gleiche gilt auch für Joghurts und Sahneersatz. Zum Backen eigen sich Tapiokamehl oder eine reife Banane statt Ei. Ein Vitamin B12-Mangel, den viele Menschen, aber insbesondere Vegetarier hätten, könne über Meeresalgen ausgeglichen werden, sagt Vera Werries.
Durch ihre vegane Ernährung sind die Tostedter echte Ernährungsexperten geworden. Die Umstellung sei nicht so schlimm, wie viele befürchten. „Wenn man umzieht, muss man sich auch auf ein anders präsentiertes Sortiment einstellen“, sagt Isabel Schaper. Sie und ihre Mitstreiter kaufen nun vorrangig auf Wochenmärkten, in Naturkostläden, Reformhäusern und Bio-Supermärkten ein.
Die drei wollen niemanden missionieren, freuen sich aber, wenn sie Denkanstöße geben können. So wie kürzlich beim „Töster Flohmarkt“, bei dem Isabel Schaper vegane Gerichte anbot und viel positive Resonanz - auch von überzeugten Fleischessern - erhielt.
• Tipps zu tierfreundlichem Essen gibt es im Internet unter www.selbst-wenn.de

Einige Zahlen der Albert-Schweitzer-Stiftung:

• Für die Produktion von einem Kilogramm Schweinefleisch werden 6.020 Liter Wasser benötigt, für ein Kilogramm Weizen 1.260 Liter.
• Auf deutschen Äckern und Wiesen werden rund 200 Mio. Tonnen Gülle verteilt. Das trägt zum Waldsterben bei und führt in einigen Teilen Deutschlands zur Belastung des Grundwassers.
• Durch Tierhaltung werden 18 Prozent der weltweiten Treibhausgase verursacht, die für den Klimawandel verantwortlich sind. Der weltweite Verkehr trägt „nur“ mit 13 Prozent dazu bei.