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Dr. Peter Dörsam: "Ich habe mich gut eingelebt"

Seit fast 100 Tagen Rathauschef: Dr. Peter Dörsam
bim. Tostedt. Dr. Peter Dörsam (unabhängig, 48) ist seit fast 100 Tagen als Tostedter Samtgemeinde-Bürgermeister im Amt. Anlass für das WOCHENBLATT ihn zu befragen, wie er sich in diese Aufgabe eingelebt hat.
WOCHENBLATT: Wie fällt Ihr bisheriges Fazit aus?
Peter Dörsam: Ich bin im Rathaus auf ein gut eingespieltes Team getroffen. Natürlich musste ich mich in einige Prozesse einarbeiten, aber das kann bei so einem Wechsel kaum anders sein. Insgesamt habe ich mich schon gut eingelebt und freue mich über die positive Zusammenarbeit.
WOCHENBLATT: Sie sind angetreten mit dem Versprechen, die Bürger stärker zu beteiligen. Bei der Informationsveranstaltung über das dritte Asylbewerberheim in Tostedt hat man Ihnen aber mangelnde Bürgerbeteiligung vorgeworfen. Wieso findet bei der Asylbewerberunterbringung keine Diskussion im Vorfeld statt?
Peter Dörsam: Für die Unterbringung der Asylbewerber ist der Landkreis Harburg zuständig. Basis für die Verteilung auf die einzelnen Gemeinden ist die Einwohnerzahl. Bisher wurden im Landkreis schon 400 Standorte geprüft, die sich als nicht umsetzbar herausstellten. Gleichzeitig werden aber dringend weitere Unterkünfte benötigt, damit nicht Turnhallen oder andere Gebäude als Notunterkünfte eingerichtet werden müssen. In dieser Situation ist es die Entscheidung des Landkreises, erst dann an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn ein Standort gesichert ist. Grundsätzlich würde ich mir wünschen, auch bei diesem Thema früher an die Öffentlichkeit zu gehen, sehe aber die Schwierigkeiten des Landkreises dies umzusetzen.
WOCHENBLATT: In welchen Bereichen ist überhaupt mehr Bürgerbeteiligung möglich? Wo sind die Grenzen?
Peter Dörsam: Alle Fachausschüsse und Räte in den Gemeinden und der Samtgemeinde tagen öffentlich. Die Termine für deren Sitzungen sind jetzt direkt auf der Startseite von www.tostedt.de einsehbar. Sobald die Sitzungsunterlagen verfügbar sind, können diese hier abgerufen werden. In der Vergangenheit gab es z. B. im Baubereich Projekte, die nur im nichtöffentlichen Samtgemeindeausschuss behandelt worden sind. Dieses soll es in Zukunft nicht mehr geben. Bei wichtigen Themen werde ich auch in Zukunft Einwohnerversammlungen einberufen, so wie im Dezember zu der Umleitung für die B 3 Brücke in Sprötze. Eine Grenze für die Bürgerbeteiligung ergibt sich sicherlich daraus, dass am Ende die Räte entscheiden. Aber hinsichtlich des Diskussionsprozesses bis zu den Entscheidungen sehe ich auch bei allen Ratsmitgliedern eine große Bereitschaft die Bürgerinnen und Bürger zu beteiligen und kann daher nur zu dem Besuch der Sitzungen ermuntern.
WOCHENBLATT: Sie sehen den Neubau der Grundschule Todtglüsingen bekanntermaßen kritisch, müssen als Samtgemeinde-Bürgermeister aber die Ratsbeschlüsse umsetzen und den Bürgern vermitteln. Sehen Sie das als Gewissenskonflikt?
Peter Dörsam:
Ein Gewissenskonflikt ist dies für mich nicht. Es ist Teil meiner Aufgabe, Ratsbeschlüsse umzusetzen, auch wenn sie mir nicht gefallen. Dies wusste ich schon vor der Wahl. Der geplante Anstieg der Verschuldung von jetzt 10 Millionen Euro auf 23 Millionen Euro im Jahr 2017 beschäftigt mich aber sehr. Letztlich könnte dies in Zukunft dazu führen, dass freiwillige Leistungen gestrichen oder die Steuern erhöht werden müssen. Beides möchte ich vermeiden, deshalb plädiere ich auch weiterhin für einen Anbau in Todtglüsingen, der weitaus wirtschaftlicher wäre.
WOCHENBLATT: Welches sind die wichtigsten Projekte in diesem Jahr?
Peter Dörsam: Im Bereich der Feuerwehren stehen der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Otter und der Anbau mit der Sanierung des Feuerwehrgerätehauses in Wistedt an. Die Schule in der Poststraße wird ab Sommer dieses Jahres als offene Ganztagsschule geführt, das Betreuungsangebot für Grundschüler wird somit stark erweitert. Ein wichtiges Thema wird auf jeden Fall die Sanierung des Freibades sein, hier stehen weitere Entscheidungen im Rahmen der Planung an. Unbedingt notwendig ist es, dass wir eine Behelfsbrücke in Sprötze bekommen, damit nicht der gesamte Verkehr der B 3 durch Tostedt geleitet wird.
Auf der Ebene der Gemeinde Tostedt steht der weitere Straßenausbau im Quartier Quellner Weg an, außerdem wird weiter an dem Radverkehrskonzept und am Konzept für ein barrierefreies Tostedt gearbeitet.