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Auszeit in Aotearoa

Natur pur: Michael Wiese in der faszinierenden Küstenlandschaft von Cape Reinga im äußersten Norden von Neuseeland (Foto: Wiese)
 
Vertrauensbildende Maßnahmen: Michael Wiese im Sportunterricht am Whangaparaoa College (Foto: Wiese)

Gymnasiallehrer Michael Wiese (57) verbrachte sein Sabbatjahr an einem College in Neuseeland

os. Buchholz. "Vor 20 Jahren wäre ich sofort dorthin ausgewandert. Neuseeland ist für mich definitiv das schönste Land der Welt!" Auch drei Monate nach seiner Rückkehr nach Deutschland ist Michael Wiese (57) noch tief beeindruckt von seinen Erlebnissen auf der anderen Seite der Erde. Der Englisch- und Sportlehrer am Buchholzer Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) nahm sich eine Auszeit vom Arbeitsalltag und verbrachte sechs Monate seines sehr aktiven Sabbatjahrs am Whangaparaoa College im 7.500-Einwohner-Städtchen Orewa auf der Nordinsel von Aotearoa - dem Maori-Begriff für Neuseeland. Zuvor unterrichtete Wiese einen Monat an der "School for Life", einer Waisenschule im Dschungel von Thailand. Um seinen Traum zu verwirklichen, verzichtet der Lehrer insgesamt drei Jahre lang auf einen Teil seines Gehalts.
Mit seinem Auslandsaufenthalt erfüllte sich Michael Wiese einen Traum, den er eigentlich direkt nach seinem Studium verwirklichen wollte. Damals ergab sich für ihn aber eine einmalige Chance, im Journalismus Fuß zu fassen. Diese ergriff er und war lange Reporter bei Radio und Fernsehen, u.a. bei der Sat1-Fußballsendung "ran".
"Für mein Saabatjahr habe ich mir vorgenommen, irgendetwas Soziales zu machen", erklärt Wiese. Das setzte er an der "School for Life" in Thailand um, die von der Buchholzer Firma Brands Fashion unterstützt wird. Mitten im Dschungel werden Waisen unterrichtet, deren Jugend häufig von Gewalt geprägt ist. "Ich habe selten Kinder gesehen, die so dankbar sind. Da ist ein Lehrer auch mal für Streicheleinheiten zuständig", berichtet Wiese.
In Neuseeland unterrichtete Wiese vor allem asiatische Gastschüler in Englisch, gab zudem Sportunterricht. Er musste sich erst an die Gepflogenheiten gewöhnen, z.B. kaum mit Büchern zu arbeiten, sondern mit Arbeitsblättern - und mit elektronischen Medien wie Tablet und Handy. "Ich hatte oft den Eindruck, dass die Schüler mit dem permanenten Elektronikeinsatz nicht umgehen können", berichtet Wiese. Offenbar habe Neuseeland - weit ablegen im Pazifik - Angst, ohne das World Wide Web den Anschluss an die restliche Welt zu verpassen. Gut gefallen habe ihm das breite Unterrichtsangebot am College, vor allem im handwerklichen Bereich.
Seine Freizeit nutzte Michael Wiese, um das weite Land zu bereisen. "Ich habe noch nie eine so enge Verbindung von Mensch und Natur gesehen wie in Neuseeland", schwärmt Wiese. Die Natur sei einzigartig, und die Neuseeländer tun alles, um diese Natur zu schützen. Wiese spürte die Gegensätze hautnah: Machte er eben noch einen kurzen Spaziergang zum Strand, wurde er von seinen Gastgebern kurze Zeit später ein paar Stunden mit dem Auto zum Skifahren ins Hochgebirge kutschiert.
Am College bezog Wiese kein Gehalt, hatte aber freie Kost und Logis. Organisiert wurde der Aufenthalt über die Austauschagentur New Zealand Educational Experience. Aus Wieses Sabbatjahr könnte jetzt sogar ein Austausch erwachsen: Im September besuchen Collegeleiter James Thomas und sein Stellvertreter Jason Pocock das AEG in Buchholz.
Zurück in Deutschland, möchte Michael Wiese einen Teil der Gelassenheit, die er bei den Neuseeländern gelernt hat, in den Alltag herüberretten. "Ich werde künftig in der Schule sicherlich nicht mehr mit Aktentaschen durch die Gegend rennen, sondern mir Zeit nehmen", hat sich Wiese vorgenommen. Sein Fazit des Sabbatjahrs: "Das war das Beste, was ich für mich machen konnte!"