Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Trauer um Herbert Helmrich

Herbert Helmrich in der Kanzlei am Markt (Foto: www.pool-pictures.tv)
 
Stolzer Moment: Zu Verleihung der Ehrenbürgerwürde der polnischen Stadt Goldberg übergab Herbert Helmrich (Mi.) die Replik eines Posters (Foto: archiv)

Die Aussöhnung mit Polen lag ihm am Herzen: Anwalt und Politiker stirbt im Alter von 83 Jahren in Buchholz

os. Buchholz. Herbert Helmrich ist tot. Der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete, Ex-Justizminister von Mecklenburg-Vorpommern, Rechtsanwalt und Notar, starb am vergangenen Dienstag in Buchholz. Er wurde 83 Jahre alt.
Geboren wurde Helmrich am 1. Januar 1934 in Luckau (Brandenburg). 1952 und 1953 wurde er aus politischen Gründen verhaftet, 1954 floh der 20-Jährige in die Bundesrepublik. Nach seinem Jurastudium gründete Helmrich im Jahr 1967 in Buchholz sein Rechtsanwaltsbüro, das drei Jahre danach an seinen heutigen Standort (Breite Straße 9) umzog und später in „Kanzlei am Marktplatz“ umbenannt wurde. Schnell verbreitete sich der gute Ruf der Kanzlei weit über die Stadtgrenzen hinaus, wobei Helmrich stets großen Wert auf die persönliche Qualifikation und Integrität der Mitarbeiter legte. Mit den Rechtsanwälten Rolf Heinbockel, Gustav Heins und Hans-Werner Abraham hatte er starke Mitstreiter an seiner Seite.
Zeitig entschied sich Herbert Helmrich für eine Karriere in der Politik. Von Oktober 1968 bis Oktober 1976 saß er im Buchholzer Stadtrat. 1976 wurde er dann für die CDU in den Bundestag gewählt, dem er 16 Jahre lang angehörte. Von 1984 bis 1992 war er Vorsitzender des mächtigen Rechtsausschusses und profilierte sich dort als Rechts- und Wirtschaftspolitiker. U.a. machte sich Helmrich um die Reform der GmbH-Gesetze und des Bilanzrechts verdient. 1992 wechselte er auf Bitten des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl als Justizminister nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort wirkte er maßgeblich am Aufbau der Justizverwaltung und der neuen Landesverfassung mit. Im Februar 1993 leitete Helmrich nach dem Rücktritt von Innenminister Lothar Kupfer für eine Woche kommissarisch auch das Innenministerium, ehe er im Dezember 1994 nach der Bildung einer großen Koalition aus der Regierung ausschied. Dem Landtag in Schwerin blieb Helmrich noch bis 2002 erhalten, von 1994 bis 1998 leitete er den Rechtsausschuss des Landtags. Für seine Aufbauarbeit in Mecklenburg-Vorpommern verlieh ihm Bundespräsident Roman Herzog im Jahr 1996 das Große Bundesverdienstkreuz.
Parallel stellte sich Herbert Helmrich seit 1995 einer großen Herausforderung: Er übernahm, wiederum auf Bitten von Kanzler Kohl, den Co-Vorsitz in der „Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit“. Diese hilft bei bi-lateralen Projekten, förderte u.a. den Bau moderner Klärwerke in Polen, stattete mehrere Krankenhäuser aus und trug zur Renaturierung der Oder bei. Helmrichs Wort hatte Gewicht bei der Entscheidung, ob ein Projekt gefördert wird oder nicht. „Ich spreche zwar kein Polnisch, aber meine Kollegen im Stiftungsvorstand kommen mit meiner Körpersprache zurecht“, sagte Herbert Helmrich einmal schmunzelnd. Für seinen Einsatz für die Völkerverständigung erhielt Helmrich im Jahr 2011 die Ehrenbürgerwürde der polnischen Stadt Zlotorya (deutsch: Goldberg), in der sich die Geschichte der Familie Helmrich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, und den Offiziersorden des polnischen Staates sowie im März 2013 das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland.
Wegbegleiter beschreiben Herbert Helmrich als pflichtbewusst und ehrlich. „Er war unser Fels in der Brandung und hat sich immer mit vollem Einsatz der jeweiligen Aufgabe gestellt, wobei er sich immer treu geblieben ist“, erklärt Rechtsanwalt Hans-Werner Abraham. Die größten Anforderungen habe er immer an sich selbst gestellt.
Aufgrund einer Erkrankung zog sich Herbert Helmrich in den vergangenen drei Jahren immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Er hinterlässt seine Ehefrau Waltraud, zwei Söhne, eine Tochter aus erster Ehe sowie fünf Enkelkinder. Die Trauerfeier findet am Dienstag, 7. November, um 10.30 Uhr in der St.-Paulus-Kirche in Buchholz (Kirchenstr. 4) statt. Die Beisetzung erfolgt anschließend auf dem Waldfriedhof an der Parkstraße.