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Ein ganzer Kerl im Rock

Minis trägt Rudi Neumann besonders gern
 
Schick in der Öffentlichkeit, das ist sein Motto (Foto: oh)

Buxtehuder Crossdresser Rudi Neumann polarisiert

Rudi Neumann (52) hat 48 Paar Schuhe, die meisten davon sind High-Heels, in Lack, Leder, Stoff. Der 1,77 Meter große Kerl mit den durchtrainierten Oberarmen zeigt sich der Öffentlichkeit vorzugsweise in Frauenkleidung. „Damit fühle ich mich am wohlsten“, erzählt der gelernte Berufskraftfahrer, der auch eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann absolviert hat. Ein Schnurrbart, kombiniert mit getönten Haaren, Schmuck und einem meist sehr weiblichen Outfit - für viele Passanten ein Grund, genau hinzugucken.

Doch beim bloßen Hinschauen bleibt es oft nicht. Der 52-jährige Crossdresser wird häufig ausgelacht, beschimpft, angepöbelt. „In Frauenklamotten setzt du dich aber nicht in meine Nähe“, hört er sogar von einigen seiner Bekannten. Über solche Sätze kann Rudi Neumann nur den Kopf schütteln. Er ist es gewohnt, unverblümt angestarrt zu werden. „Kerle haben damit eher ein Problem, bei den Frauen geht es meistens“, berichtet er über seine Wirkung in der Öffentlichkeit.

Mit zehn Jahren habe er sein Faible für weibliche Kleidung entdeckt und sich aus dem Kleiderschrank seiner Mutter bedient, berichtet Rudi Neumann. Als sein Vater davon Wind bekommt, gibt es ordentlich Prügel. Von da an verheimlicht Rudi Neumann seine Neigung, schlüpft nur noch heimlich in weibliche Outfits. Erst 1989, inzwischen wohnt Rudi Neumann in Hamburg, beginnt er langsam damit, sich öffentlich in Frauenkleidern zu zeigen. „Noch nicht so wie jetzt im kompletten Outfit“, schmunzelt er, „nur mal in High Heels oder in einer Bluse.“ Heute geht er von Kopf bis Fuß gestylt auf die Straße. Seine weiblichen Looks sind komplett durchdacht, von Dessous bis zum Oberteil und den passenden Schuhen.

Der aus Grevenbroich stammende Crossdresser wohnt seit 1992 in Buxtehude. Viele kennen den Mann mit Rock und Pumps, grüßen freundlich oder winken ihm zu. Doch mancher kann seine Wut über das andere, das ungewohnte Aussehen nicht im Zaum halten. Schläge wurden ihm auf offener Straße angedroht, von Menschen, die er noch nie zuvor gesehen hat. Als er in diesem Jahr mit der Bahn vom Christopher Street Day in Hamburg nach Hause fährt, setzt sich ein Mann mit Kindern neben ihn, redet auf Rudi ein. Er könne so nicht rumlaufen, das ginge nicht, schon gar nicht vor den Augen der Kinder des Mannes. Immer aggressiver wird der Unbekannte, bis andere Fahrgäste sich einmischen und sich auf Rudi Neumanns Seite schlagen. Da erst lässt der Fremde ihn in Ruhe und setzt sich weg.

Dass Rudi Neumann gern Frauenkleidung trägt, trotzdem aber nicht auf Männer steht, passt für viele nicht ins Bild. „Es ist doch mein Körper, mit dem kann ich tun und lassen, was ich will“, ereifert sich der 52-Jährige. „Ich tue niemandem was zu leide.“ Derzeit plant der Arbeitslose seinen Wiedereinstieg als Berufskraftfahrer. Vorher muss er allerdings seinen Lkw-Führerschein wieder auffrischen. Zwei Jobangebote liegen ihm schon vor.

Crossdressing - was ist das?


Unter dem Begriff Crossdressing versteht man das Bedürfnis, Kleider des anderen Geschlechts zu tragen. Mancher Mann verheimlicht seine Neigung oder es genügt ihm, die Nylonstrumpfhose unter der Hose zu tragen. Crossdresser sind nicht automatisch dem gleichen Geschlecht zugetan: Es gibt Crossdresser ohne Wunsch zu weiblicher Identität, Crossdresser mit Wunsch zu weiblicher Identität und jene, die tatsächlich lieber eine Frau wären. Auch einige Frauen greifen gern und häufig zu männlicher Kleidung, es fällt nur weniger auf.