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Gemeinsames Singen war wie ein "Aha-Erlebnis"

Kordula Meier legt den Taktstock aus der Hand (Foto: oh)
 
Der AHA-Chor sucht einen neuen Chorleiter (Foto: oh)
jd. Ahlerstedt. Heiligabend heißt es für sie Abschied nehmen: Bei der Christvesper in der Ahlerstedter Kirche wird Kordula Meier (46) zum letzten Mal ihren AHA-Chor dirigieren. Danach fließen sicher Tränen. "Dieser Chor ist ein Teil von mir", sagt die engagierte Kirchenmusikerin, "ein Kind, das ich jetzt schweren Herzens ziehen lassen muss." Gesundheitliche Gründe gaben den Ausschlag. Als Chorleiterin wolle sie volle Leistung bringen, so Kordula Meier. Nur mit halber Kraft dabei zu sein, sei nicht ihr Ding.
Ihre Entscheidung fiel der gebürtigen Magdeburgerin, die zu DDR-Zeiten in einem christlich geprägten Elternhaus aufwuchs, nicht leicht. Mehr als zwei Jahrzehnte lang probte und musizierte Kordula Meier mit dem AHA-Chor, kitzelte aus den Stimmen das Optimum heraus und fieberte mit den Sängern den Auftritten entgegen.
Als sie 1991 nach Ahlerstedt kam, um dort als Gemeindeschwester und Kantorin zu arbeiten, übernahm sie auch den damaligen Jugendchor. Dieser wurde rasch umbenannt, weil immer mehr Erwachsene dazustießen. "Zu dem neuen Namen kamen wir, weil das gemeinsame Singen für alle wie ein 'Aha-Erlebnis' war", erzählt die leidenschaftliche Musikerin. Mit ihrer mitreißenden Art hat die muntere Sangestruppe, deren Repertoire von klassischen Kantaten bis zu modernen christlichen Popsongs reicht, die Zuhörer auf unzähligen Konzerten begeistert. Und so mancher habe über die Musik einen neuen Zugang zum Glauben gefunden, meint die scheidende Chorleiterin.
Sie selbst haut am liebsten in die Tasten: "Klavier, Keyboard und Orgel - das sind meine Instrumente", sagt Kordula Meier. Oft begleitete sie den AHA-Chor mit flotten Fingern. Bereits in der DDR absolvierte sie neben ihrer Krankenschwester-Ausbildung eine Schulung zur Organistin und Chorleiterin. Vielleicht hätte Kordula Meier auch Musik studiert. Doch diese Chance bot sich in der DDR nicht: Wegen ihres kirchlichen Engagements wurde ihr verwehrt, das Abitur zu machen.
Dann kam die Wendezeit. Betriebe wurden abgewickelt, Menschen verloren massenweise ihre Arbeit. Auch Kordula Meier stand vor einer unsicheren beruflichen Perspektive. "Ich entschied mich, einen Neuanfang zu wagen", berichtet sie: "Ich wollte als Gemeindeschwester arbeiten und suchte gleichzeitig eine Nebenanstellung als Kirchenmusikerin." Sie schaltete eine Anzeige in einer kirchlichen Zeitschrift.
"Irgendwie bekam der damalige Ahlerstedter Pastor trotz Chiffre meine Adresse heraus", berichtet Kordula Meier. Der schrieb ihr dann einen sehr persönlichen Brief. Das Schreiben habe sie so berührt, dass sie sich spontan für das Geest-Dorf entschied. Über die Gemeindearbeit lernte Kordula Meier dann ihren Mann Stefan kennen, der auch beim AHA-Chor mitmacht. Sie selbst will vorerst nicht im Chor mitsingen. "Sonst würde ich es demjenigen, der die Chorleitung übernimmt, unnötig schwer machen", meint sie.
Ein Nachfolger ist allerdings noch nicht gefunden. Wer Interesse hat, mit dem rund 40 Mitglieder umfassenden AHA-Chor zu arbeiten, kann sich an die Kirchengemeinde Ahlerstedt wenden (Tel. 04166-841663).