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Wenn Ex-Partner vor Gericht streiten, freut sich der Gutachter

Dr. Norbert Aping (Foto: tk)
Nach ARD-Bericht: Gibt es vor Gericht eine Gutachteritis? / Jursiten widersprechen

tk. Landkreis. Sind die wahren Richter in Deutschland Gutachter und nicht die Richter? Eine ARD-Reportage, über die bundesweit berichtet wurde, legt diesen Verdacht nahe. Es gebe eine Verlagerung von Entscheidungen vom Gericht hin zu Sachverständigen, lautete die Kritik. Besonders häufig verlasse sich ein Gericht bei Familien- und Sorgerechtsstreitigkeiten auf externen Sachverstand. Das WOCHENBLATT hat nachgefragt: Ute Claus, Fachanwältin für Familienrecht, und Dr. Norbert Aping, Buxtehudes Amtsgerichtsdirektor und Familienrichter, ziehen ein anderes Fazit: Gutachten seien Hilfe zur Entscheidung, nehmen ein Urteil aber nicht vorweg.

"Ein Richter kann nicht alles wissen und ist auf fachlichen Rat angewiesen", sagt Aping. Wenn er ein Gutachten lese, stelle er sich als erstes die Frage: "Überzeugt mich das?" Von Fachchinesisch ist der Richter wenig begeistert. Das persönliche Anhören aller Verfahrenbeteiligten ersetze ein Gutachten nie.

Für Familienanwältin Ute Claus aus Buxtehude sind Gutachten "das i-Tüpfelchen" in komplexen Verfahren. Die Juristin bestätigt die Tendenz, dass besonders bei Sorgerechtsstreitigkeiten immer häufiger Gutachter eingeschaltet werden. Das hänge auch mit der Gesetzeslage zusammen. Früher wurde das Sorgerecht einem Elternteil zugesprochen, heute sei es der Regelfall, dass sich beide Eltern auch nach einer Scheidung das Sorgerecht weiterhin teilen. Konflikte sind programmiert.
Was Amtsgerichtsdirektor Norbert Aping und Anwältin Ute Claus beide beobachten:

"Die Auseinandersetzungen sind verbissener geworden", so Aping. Ute Claus: "Zu oft wird heute ein Konflikt auf dem Rücken der Kinder ausgetragen." Folge: Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Gutachter. Billig ist das übrigens nicht: 3.000 bis 5.000 Euro Gutachterhonorar werden in der Regel fällig, wenn sich Ex-Partner nicht einigen können.