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Es droht Fachkräftemangel in deutschen Kindergärten

Die Bedeutung der Bildungsarbeit in Kindergärten nimmt zu - es fehlen aber Fachkräfte. (Foto: Gennadiy Poznyakov/Fotolia)

tk. Buxtehude. In Deutschland fehlen rund 120.000 Erzieherinnen und Erzieher. Das steht in einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung. Um diese Lücke zu füllen, müssten jedes Jahr deutschlandweit fünf Milliarden Euro mehr für Kita-Personal ausgegeben werden, rechnen die Studien-Autoren vor. Das WOCHENBLATT hat bei Buxtehudes Jugendamtsleiterin Andrea Lange-Reichhardt nachgefragt: Sie zweifelt nicht an den Zahlen, betont aber: "Das Grundproblem liegt an anderer Stelle."

Das Hauptproblem sei der Fachkräftemangel bei Erzieherinnen und Erziehern. Die Ursachen: Eine lange, verschulte Ausbildung ohne Bezahlung und ein Gehalt, das im Vergleich zu anderen Berufen unterdurchschnittlich ist. "Es besteht dringend Handlungsbedarf", so die Jugendamtsleiterin. Vor kurzem hat die Stadt Buxtehude eine Erzieherin in Vollzeit gesucht: Es kamen nur zwei Bewerbungen.

Die Ausbildung: In Niedersachsen gehen angehende Erzieherinnen und Erzieher vier Jahre zu einer Fachschule. In dieser Zeit verdienen sie im Gegensatz zu Azubis keinen Cent. BaföG gibt es nur dann, wenn die Eltern ein geringes Einkommen haben. "Von Zuhause auszuziehen funktioniert für diese jungen Erwachsenen nicht", sagt Lange Reichhardt.
Hinzu kommt: Nach drei Jahren können die angehenden Erzieher über die Fachhochschulreife verfügen. Das hat zur Folge, dass viele die Schule als Sprungbrett nutzen und nahtlos Sozialpädagogik studieren- eine Kita sehen sie nicht von innen. "Für Sozialpädagogen sind die Gehälter deutlich höher", erklärt die Fachfrau.

Das Einkommen: In Niedersachsen verdient eine Erzieherin im Monat durchschnittlich 2.200 Euro brutto. Der Durchschnittswert täusche aber darüber hinweg, dass andere, private Träger auch deutlich unter dieser Summe zahlen. "Eine eigene Wohnung und das eigene Auto sind für Berufsanfänger nicht drin", sagt Andrea Lange-Reichhardt. Wer in Internetforen recherchiert, liest häufig Klagen von Erzieherinnen über ihr Einkommen. Aufstiegschancen gebe es zudem kaum.

Neu sind diese Problem nicht. Sogar ein landeseigenes Institut in Niedersachsen hat sie detailliert benannt und die Forderung aufgestellt, die Ausbildung grundsätzlich zu reformieren. Das hält auch Buxtehudes Jugendamtsleiterin für den richtigen Weg: Baden-Württemberg mache es vor. Dort gibt es eine praxisintegrierte Ausbildung, die angehenden Pädagogen haben, wie Azubis auch, bereits einen Angestelltenvertrag und eine entsprechende Vergütung.

Was Andrea Lange-Reichhardt darüber hinaus zu bedenken gibt: Zwischen Bildungsanspruch in Kitas und Ausbildungsrealität klaffe die Schere auseinander. Erzieherinnen und Erzieher müssten besser auf Aspekte ihrer Arbeit vorbereitet werden, wie etwa Gesprächsführung, Sprachförderung oder Elternarbeit. "Ein echtes Dilemma", nennt Andrea Lange-Reichhardt die gegenwärtige Situation.