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"Weltreise" zum Hallenbad - Schwimmunterricht auf dem Land ist nicht selbstverständlich

Hallenbäder, wie hier das Bad in Buchholz, sind längst nicht für alle Schulen gut erreichbar Foto: archiv
  Schwimmunterricht in Grundschulen ist auf dem Land nicht mehr selbstverständlich

mi. Landkreis. Schwimmen zu können, kann im Ernstfall Leben retten. Doch das Schwimmen in der Schule zu lernen, wird für immer mehr Kinder zu einem Privileg. Verließen in den 1980er Jahren noch rund 90 Prozent der Kinder die Grundschule mit Schwimmfähigkeiten, kann heute gut die Hälfte aller Grundschüler am Ende der vierten Klasse nicht richtig schwimmen. Der Grund: Schwimmunterricht wird in vielen Schulen nicht mehr regelmäßig angeboten. Auch im Landkreis Harburg gehört der Besuch der Schwimmhalle längst nicht mehr bei allen Schulen zum Standard.
Grund: Hallenbäder sind für Städte und Gemeinden horrend teure Zuschussgeschäfte. Auf immer mehr Schulen, Sportvereine und andereNutzer kommt seit Jahrzehnten die gleiche Zahl Hallenbäder. Die Zeiten in den vorhandenen Bädern sind daher heiß umkämpft. Hier konkurrieren die Schulen mit Sportvereinen, Seniorengruppen und Freizeitsportlern. Laut einem Bericht der Zeitung die WELT haben mittlerweile nur noch 25 Prozent aller Deutschen Grundschulen die Möglichkeit, ein Hallenbad in vertretbarer Zeit zu erreichen. Gerade auf dem Land müssen Schüler für den Schwimmunterricht oft weite Weg zurücklegen.
Auch im Landkreis Harburg bieten längst nicht mehr alle Grundschulen Schwimmunterricht an. Besser sieht es allerdings im Landkreis Stade aus. Trotz der oft wenig exponierten Lage der Schulen gibt es den Schwimmunterricht hier fast flächendeckend.
Die Problematik, vor der viele Schule stehen, verdeutlicht das Beispiel der Glockenbergschule in Hollenstedt. Schulleiterin Sandra Pankow-Waller rechnet vor: Die Fahrt zum nächsten Hallenbad dauere rund 25 Minuten, rechne man noch die Zeit fürs Umziehen hinzu, bliebe eine reine Schwimmzeit von unter 20 Minuten. "Das ist nicht sehr effektiv", erklärt die Schulleiterin. Hinzu kommt: Der Bus für die rund 60 Kinder würde um die 10.000 Euro kosten. Geld, das der Schulträger, sprich die Gemeinde, bereitstellen müsste. Ein weiteres Hindernis liegt in der Bürokratie. Seit 2014 ein neuer Erlass des Landes in Kraft trat, sind die Qualifikationen für die Lehrer im Schwimmunterricht deutlich gestiegen. "Ich halte das in Bezug auf die Sicherheit der Kinder auch für richtig, aber natürlich ist es schwerer für die Schulen, Personal mit solchen Qualifikationen zu finden oder vorhalten zu können", erklärt die Schulleiterin.
Eine Lösung, zumindest für das Zeitproblem, wäre es, den Schwimmunterricht auf drei Schulstunden auszudehnen. Dafür müsste dann aber nach geltenden Vorschriften der Sportunterricht ein Jahr später um eine Stunde gekürzt werden. "Das würde bei vielen nicht sehr gut ankommen", ist sich Sandra Pankow-Waller sicher. Wenig sinnvoll sei der oft geforderte Schwimmunterricht im Freibad. "Das Problem sind hier vor allem die Nichtschwimmer. Sie bewegen sich nicht ausreichend und kühlen dann schnell aus. Deswegen ist für die Schule Wetter, bei dem sich gut schwimmen lässt, noch lange kein Wetter für den Schwimmunterricht, sagt Sandra Pankow-Waller.
Besser sieht es in den Städten aus. Sowohl Winsen als auch Buchholz verfügen über Hallenbäder. Vorbildlich im Bezug auf den Schwimmunterricht ist die Gemeinde Seevetal. Hier gibt es nicht nur zwei Hallenbäder in Hittfeld und in Over, sondern zusätzlich ein kleineres (12,5 Meter-Bahnen) Lehrschwimmbecken. "Mit den drei Bädern sind alle Grundschulen in der Lage, Schwimmunterricht anzubieten", erklärt dazu Pressesprecher Andreas Schmidt. Ähnlich gut organisiert ist das Schulschwimmen in Hanstedt. Hier fährt man entweder nach Buchholz, nutzt das heimische Waldbad oder weicht auf das Hallenbad in Bispingen aus. Rund 8.000 Euro pro Jahr lässt sich die Gemeinde das kosten.
Gut angelegtes Geld, findet Margret Holste, Vorsitzende der DLRG Tostedt. "Schwimmunterricht an Grundschulen kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Die Schule ist eine der wenigen Institutionen, die alle Kinder gleichermaßen erreicht." Aus den unterschiedlichsten Gründen gingen Familien immer weniger zum Schwimmen. Die wenigsten könnten oder wollten sich teure Schwimmkurse leisten. Fazit: Dass Kinder bei der Einschulung nicht schwimmen könnten, käme immer häufiger vor. Auch Jugendliche die nicht schwimmen könnten, gebe es immer mehr. "Es gibt heute auch 14-Jährige, die keine ausreichenden Schwimmkenntnisse haben", so Holste. Die DLRG-Vorsitzende warnt: "Schwimmen können ist eine Überlebensfähigkeit, es muss selbstverständlich zur (Schul-)Bildung dazu gehören, dass Kinder diese beherrschen."