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"In Jesteburg muss dringend etwas geschehen!"

Das neue Gesundheitszentrum (auf dem Entwurf rechts im Bild) von Architekt Axel Brauer soll Jesteburgs Dorfmitte aufwerten (Foto: Brauer Architekten)
 
Anja Sauermann kehrt Jesteburg den Rücken: „Die Miete war einfach zu hoch.“

Auch Geschäftsfrau Anja Sauermann verlässt Jesteburg / Ärzte für Gesundheitszentrum gesucht.

mum. Jesteburg. „Wenn in Jesteburg nicht bald etwas geschieht, dann werden noch viele weitere Geschäfte schließen“, sagt Anja Sauermann. Seit zehn Jahren führt sie das Damen-Fitness-Studio „Beautyworld AS“ an der Hauptstraße. Zuvor war sie dort sechs Jahre als Trainerin tätig. Obwohl die Mitgliederzahl zuletzt kontinuierlich stieg, ist im März Schluss. „Ich habe meinen Pachtvertrag gekündigt“, so Sauermann. Die Forderungen seien viel zu hoch gewesen. Für 250 Quadratmeter plus Keller (40 Quadratmeter) zahlt Sauermann seit Jahren 4.200 Euro. „Nur wenn der Vermieter die Miete deutlich reduziert hätte, wäre ich geblieben.“ Sauermann wagt nun in Holm-Seppensen einen Neuanfang. Anfang April wird sie dort ein neues Studio eröffnen. „Ich bin sehr glücklich, dass alle meine Mitglieder bereits zugesagt haben, mir auch dort weiterhin die Treue zu halten.“
In Richtung Jesteburg sendet Sauermann noch eine deutliche Botschaft: „Hier müssen sich dringend Politik und Vermieter an einen Tisch setzen, denn nicht nur ich habe unter der hohen Miete gelitten.“ Sie kritisiert, dass viele Eigentümer nicht bereit sind, in ihre Immobilien zu investieren, dennoch hohe Mieten verlangen.

Tatsächlich ist Anja Sauermann nicht die einzige Geschäftsfrau, die Jesteburg den Rücken kehrt. Bereits vor einiger Zeit schloss das Papierhaus von Kathrin Schmuck-Eckhoff. Es folgte der kleine Blumenladen „Primeln & Co.“ In diesen Tagen wird Kirstin Sauermann ihr Geschäft „Vintage & mehr“ aufgeben. Auch für Banke Sicherheitstechnik ist bald Schluss. Und für das schicke „Försters Hus“ auf dem ehemaligen Clement-Areal interessiert sich offensichtlich auch niemand. Fast zwei Millionen Euro hat Investor Hossein Salehmanesh in den Neuaufbau des historischen Gebäudes investiert. Doch obwohl das Fachwerkhaus bereits seit dem Frühjahr 2016 komplett fertig ist, steht es noch immer leer. Hossein Salehmanesh findet einfach keinen geeigneten Gastronomen. Im Ort heißt es, auch hier sei die Miete zu hoch.

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Steffen Burmeister hat das Problem erkannt und unter anderem in seinem Blog thematisiert. „Wir sind in der Pflicht, zu handeln - auch gegen den mutwilligen Leerstand in unserem Ort.“ Als Beispiel nennt er das Woesthaus und den ehemaligen Elektroladen (beide in der Lüllauer Straße).

Aber es gibt auch positive Beispiele: Wie berichtet, hat Vanessa Veh ihr kleines Geschäft „Glücksmomente“ eröffnet. Dort bietet sie unter anderem Kleidung und Möbel an. Zudem können Kunsthandwerker Regale mieten, um ihre Waren anzubieten. Nicht weit entfernt ist Valerie Höhne, Susanne Walsleben und Michaela Seehof mit der Eröffnung des „CaféBook“ ein echter Glücksgriff gelungen.
Seit der Eröffnung Anfang Januar finden dort jede Woche zwei Veranstaltungen statt - ein Konzert und eine Lesung. Das Trio verkauft selbst verlegte Bücher, die man im Ambiente des Cafés - zu täglich frisch gebackenem Kuchen - auch lesen kann.
Gesundheitszentrum:

Gesundheitszentrum sucht Arzt

Vor einem ganz anderen Problem steht Architekt Axel Brauer. Für sein neues Gesundheitszentrum auf dem ehemaligen Clement-Areal hatte er fest die Gemeinschaftspraxis von Dr. Petra Leschig und Dr. Katrin Pinninghoff-Buss als Mieter eingeplant. „Diese Woche sagte Frau Pinninghoff-Buss mir ab“, so Brauer. Hintergrund ist, dass sich die beiden Ärztinnen zum 30. Juni trennen werden. „Ich eröffne im Juli eine neue Praxis in Holm-Seppensen“, sagt Petra Leschig auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Sie verlässt Jesteburg mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Ich gehe nicht gern, aber in Holm-Seppensen ist das Gesamtpaket einfach besser“, so Petra Leschig. „Zudem hatte ich keine Lust mehr, auf die Fertigstellung des Gesundheitszentrums zu warten.
Axel Brauer, der davon überzeugt ist, Jesteburgs Ortsmitte mit seinem Objekt aufzuwerten, hofft nun, neue Ärzte für die 220 Quadratmeter große Praxis zu finden. Er hat bereits die Zusage eines Apothekers. Zudem sind die elf Wohnungen (71 bis 149 Quadratmeter) bereits verkauft; können allerdings noch gemietet werden. Brauer, er investiert laut eigenen Angaben fünf Millionen Euro, will schon bald mit dem Bau beginnen. „Es fehlen nur noch Kleinigkeiten“, so der Architekt.