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"Ein bisschen Wehmut ist dabei": Altländer Traditionsgaststätte schließt nach 117 Jahren

Haben sich von ihren Gästen verabschiedet: Carsten und Annegret Feicks, besser bekannt als "Kiste" und "Mausi"
lt. Jork-Moorende. Wieder gibt es eine Gaststätte mit Kegelbahn weniger im Alten Land. Carsten (67) und Annegret (65) Feicks haben sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet und die Türen ihres Wirtshauses "Zum Weinkeller" in Jork-Moorende für immer geschlossen. Das Paar, das die vielen Stammgäste nur als "Kiste" und "Mausi" kennen, hatte den Familienbetrieb Mitte der 1990er Jahre von Carstens Mutter Hertha Feicks übernommen.
Die wiederum führte die Gaststätte seit den 1960er Jahren als Nachfolgerin ihrer Mutter Else Palm. Eröffnet wurde der "Weinkeller" 1896 von Else Palms Eltern Peter und Gesa Buchholz. Bis Mitte der 1960er Jahre wurden viele Hochzeiten, Geburtstage und andere Feste auf dem großen Saal über der Kneipe gefeiert. Er wurde Mitte der 1990er Jahre zu Wohnungen umgebaut.
Bis zum Schluss trafen sich elf Kegelvereine regelmäßig auf der urgemütlichen Bahn im hinteren Teil des Hauses, deren Wände mit Bildern und Pokalen der Jahrzehnte langen Kegeltradition verziert waren. Auch der älteste Kegelklub des Alten Landes warf bei "Kiste" und "Mausi" gerne "alle Neune". Die Männer der "Einigkeit" gründeten ihren Klub 1880. Ab 1926 war der "Weinkeller" ihr Stammlokal. Die Freude war groß, als die Gaststätte 1961 die erste automatische Kegelbahn des Alten Landes bekam.
Der Klub will sich künftig zum Stammtisch in einer Kneipe in Estebrügge treffen. Auch viele andere Klubs wollen sich nicht aus den Augen verlieren. Wie die "Bockwurstfreunde Altes Land". Die Kegeltruppe, deren Mitglieder im Schnitt Anfang 30 sind und die regelmäßig Bockwurst von "Mausi" serviert bekamen, hatte das Hobby erst vor rund zwei Jahren für sich entdeckt und muss nun schweren Herzens auf eine andere Kegelbahn ausweichen.
Auch "Kiste" und "Mausi" fiel der Abschied nicht leicht. "Ein bisschen Wehmut ist dabei", sagt "Mausi", die sich immer gern und mit guter Hausmannskost um ihre Gäste gekümmert hat. Gleichwohl sind die Ex-Wirtsleute auch froh, dass sie nun mehr Zeit für sich haben und sich nicht mehr die Abende und Nächte in der Kneipe um die Ohren schlagen müssen. "Langweilig wird uns mit Sicherheit nicht", sagt "Kiste", der künftig ein bisschen mehr von der Welt sehen will.