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Totales Verkehrschaos in Tostedt? - "Eine Behelfsbrücke über die B3 ist unerlässlich"

Bürgermeister Gerhard Netzel (re.) kritisierte die Straßenbaubehörde, weil sie die abzusehenden Verkehrsprobleme in Tostedt bisher unberücksichtigt ließ
 
So sieht eines der geplanten Umleitungsschilder aus
bim. Tostedt. Kaputte Straßen, auf dem Schulweg gefährdete Kinder, ein absolutes Verkehrschaos und Geschäftsleute, die Verluste befürchten und nicht mehr investieren wollen - dieses Schreckensszenario erwarten die Tostedter, wenn die Bahnbrücke auf der B3 bei Sprötze für den Neubau gesperrt wird. Das wird voraussichtlich erst 2016 geschehen. Doch bereits ab dem 11. Dezember wird der Schwerlastverkehr (Lkw über 24 Tonnen) über Tostedt umgeleitet, weil die Brücke zu marode ist.
Die Brummifahrer sollen darauf mit Schildern auf der B3 bei Rade und Welle sowie - wie von der Samtgemeinde gewünscht - auf den Autobahnen A1 und A7 hingewiesen werden, damit der Verkehr möglichst großräumig umgeleitet und gar nicht erst auf die B3 geführt wird.
Der Verkehr soll dann ab Welle über die Weller- und Bahnhofstraße (L141) sowie die B75 umgeleitet werden. Mancher Verkehrsteilnehmer wird auch in Höhe der Ortschaft Otter von der L141 auf die Niedersachsen- und Harburger Straße Richtung B75 ausweichen. Das Problem: Die Bahnhofstraße wurde erst 2006 für viel Geld erneuert, die Niedersachsenstraße ist nur provisorisch befestigt. Lkw über 7,5 Tonnen müssen dort seit Jahren 30 km/h fahren, damit die Straße nicht komplett auseinanderbricht.
Hoch anrechnen muss man den vier Vertretern der Niedersächsischen Straßenbaubehörde Lüneburg, allen voran Geschäftsbereichsleiter Dirk Möller, dass sie sich in einer Einwohnerversammlung den Fragen und auch der Wut der Tostedter stellten. Was sie bei der Vorstellung der Maßnahmen zum geplanten Bahnbrücken-Neubau berichteten, mutete aber zum Teil an wie „Augen zu und durch“.
Fassungslos machte die rund 70 Versammlungsteilnehmer, dass die Behörde gar nicht erst eine Behelfsbrücke in ihre Planungen mit einbezogen und die Umweltbelastungen für die von der Umleitung betroffenen Anwohner nicht berücksichtigt hat. Das nachzuarbeiten hat der Landkreis Harburg jetzt während des in diesem April begonnenen Planfeststellungsverfahrens der Straßenbaubehörde auferlegt.
Außerdem stammen die letzten Verkehrszählungen aus dem Jahr 2010, die jüngsten Erhebungen vom Sommer sind noch nicht ausgewertet. Und das, obwohl bereits seit 2011 feststeht, dass die Bahnbrücke erneuert werden muss. Der Verkehr wird bereits seit April 2013 einseitig über die marode Bahnbrücke geführt.
Bürgermeister Gerhard Netzel kritisierte, dass die Behörde nicht früher tätig geworden ist: „Dass es hier in Tostedt schwierig werden wird, wo wir jetzt schon erhebliche Verkehrsprobleme haben, hätten Sie wissen müssen. Und dass die Brücke so marode ist, dass man keine schweren Lkw darüber schicken kann. Im ersten Planungsschritt haben Sie keine Umweltverträglichkeitsprüfung für die Umleitungsstrecke gemacht. Wir haben in dem Bereich eine Grundschule, einen Kindergarten, betreutes Wohnen und Geschäfte, die Verluste hinnehmen müssen“, so Gerhard Netzel.
Für viele Tostedter steht jetzt schon fest, dass sie ein erneutes Verkehrschaos, wie sie es bereits während des sechsspurigen Ausbaus der A1 ertragen mussten, nicht hinnehmen wollen. Bürgermeister Netzel kündigte an: „Wenn Sie die Brücke ohne Behelfsbrücke bauen, werden Sie einen erheblichen Raumwiderstand erleben.“
Denn manche Bürger denken bereits jetzt über Sitz- und Autoblockaden nach.
Samtgemeinde-Bürgermeister Peter Dörsam rief abschließend die Versammlungsteilnehmer dazu auf, ihre politischen Kontakte zu Kreis- und Landespolitikern zu nutzen, damit die geforderte Behelfsbrücke errichtet wird.