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Y-Trasse über die Heidebahntrasse? - "Leihen Sie sich einen Wachtelkönig!"

Tostedts Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam informierte über den Sachstand beim Dialogforum
 
Dr. Peter Dörsam und Handelohs Bürgermeister Heinrich Richter (re.)
bim. Handeloh. Rund 300 Zuhörer kamen jetzt zu der Infoveranstaltung über eine mögliche Y-Trasse auf der Heidebahnstrecke ins Hotel Fuchs in Handeloh. Bürgermeister Heinrich Richter hatte zu der Einwohnerversammlung nicht nur Handeloher, sondern alle betroffenen Entscheidungsträger entlang der Heidebahnstrecke eingeladen. Und die sowie die betroffenen Bürger trugen sich nur zu gerne in die Unterschriftenliste der Bürgerinitiative (BI) "HydeWahn" gegen das Vorhaben ein.
Tostedts Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam informierte über den Sachstand beim Dialogforum Schiene Nord, in dem seit Februar verschiedene Trassenvarianten diskutiert werden und bei dem Ende April auch die Kombination der OHE-/Heidebahnstrecke ins Spiel gebracht wurde. Wie berichtet, würde dann bei den prognostizierten 200 Zügen pro Tag alle sieben Minuten ein Güterzug durch Handeloh fahren.
Hintergrund der Diskussion: Laut den Prognosen bis 2025 würden im Hamburger Hafen und in den Bremischen Häfen dann doppelt so viele Container umgeschlagen wie jetzt - inklusive der bereits eingerechneten aber bis heute nicht erfolgten Elbvertiefung. Um die Waren ins Umland zu bringen, lässt das Bundesverkehrsministerium den Aus- bzw. Neubau verschiedener Schienennetzvarianten durch die BVU Wirtschaft und Verkehr GmbH prüfen.
Zur Bewertung der Heidebahn-Variante heißt es in dem Gutachten: "Die Ergebnisse zu der Kombination aus Heidebahn und OHE-Strecke und der Alpha-Lösung fallen aktuell noch ungünstig aus. Beide Maßnahmen erzielen jedoch gute verkehrliche Wirkungen, wenngleich sie sich auf den Güterverkehr konzentrieren." Und: "...Bei der Kombination aus Heidebahn und OHE-Strecke dürfte im Wesentlichen eine autobahnnähere Streckenoptimierung im nördlichen Bereich im Vordergrund stehen."
Beim jüngsten Dialogforum im Mai seien die Teilnehmer teilweise mit Detailinformationen zugeschüttet worden, um am Ende drei Folien präsentiert zu bekommen, die später nicht im Internet auftauchten, berichtete Peter Dörsam. Mit der "Idee" einer Alpha-Variante sowie einer Kombination aus Alpha-Variante und Heidebahn habe der Vortrag geendet. Was es mit dieser "Idee" auf sich hat, habe er aber nicht herausbekommen, sagte Dörsam.
Im Dialogforum sind u.a. die Bürgermeister und Landräte der von den Varianten betroffenen Kommunen sowie die Bürgerinitiativen vertreten. Da immer wieder neue Varianten "aus dem Hut gezaubert" werden, ist der Teilnehmerkreis entsprechend angewachsen. Die Empfehlung des Dialogforums, das nach den Erfahrungen mit den Bürgerprotesten bei "Stuttgart 21" als eine Art Pilotprojekt durchgeführt wird, soll bei der Entscheidungsfindung einfließen. Da niemand den Güterverkehr vor der eigenen Haustür haben möchte, dürfte die Abstimmung spannend werden.
Peter Dörsam zweifelt auch die dort diskutierte Kosten-/Nutzenanalyse der BVU Wirtschaft und Verkehr GmbH an. Ein Beispiel: Bei der Bedarfsplanüberprüfung im Jahr 2010 wurden Kosten und Nutzen der Verlagerung des Lkw-Verkehrs auf die Schiene mit 6,7 Milliarden Euro angegeben. Aktuell sind es nur noch 441 Millionen Euro. Auf Nachfrage sei ihm mitgeteilt worden, dass die Verlagerung der Lkw heute im Vergleich zu damals etwas weniger als die Hälfte wert sei. "Es ist alles sehr erstaunlich, was man da feststellt", so Dörsam.
Unklar sei auch, woher die Milliarden Euro für die Umsetzung einer Y-Trasse kommen sollen.
Und: "Wir sind aufgefordert worden, Fragen zu stellen. Es stehen jetzt 70 Seiten mit Fragen im Internet, aber keine Antworten", sagte Dörsam.
Auch bei den Heidebahnanliegern stößt die Diskussion auf völliges Unverständnis.
Bezüglich der prognostizierten Zunahme des importbedingten Güterverkehrs sagte ein Anwohner: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in fünf bis zehn Jahren so viel mehr 'China-Quatsch' brauchen als jetzt. Das ist eher ein Wachstumsprogramm für Hamburg und Bremen." Ein anderer meinte, dass die derzeitige Planung bis 2025 ohnehin "Asche" sei, wenn es zur Umsetzung einer Y-Trasse komme.
In jedem Fall werden sich die Heidebahnanlieger gegen einen Streckenausbau wehren.
BI-Mitglied Florian Wunder war von einem Hamburger sogar schon gefragt worden, ob er sich einen Wachtelkönig ausleihen wolle. Denn das Vorkommen des seltenen Vogels hat es in der Vergangenheit immer wieder geschafft, Bauprojekte zu verhindern.
Die BI "HydeWahn" hatte allein bis zur Versammlung bereits rund 700 Unterschriften gegen eine Y-Trasse auf der Heidebahnstrecke gesammelt, weitere 300 kamen an dem Abend dazu. Binnen einer Woche haben es die Verantwortlichen zudem geschafft, dass zwei Mitglieder die Interessen der Heidebahn-Anlieger beim Dialogforum Schiene Nord vertreten dürfen. Die nächste Sitzung ist am 19. Juni in Celle.
Am Mittwoch, 1. Juli, um 19.30 Uhr wird im Gymnasium am Kattenberge in Buchholz über die Y-Trassenvarianten informiert. Bei der gemeinsamen Veranstaltung der Stadt Buchholz sowie der Samtgemeinden Jesteburg und Tostedt stellt Dr. Alexander Stark, Leiter der Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung beim Landkreis Harburg, die Trassenvarianten vor. Dr. Thomas Rössler, Geschäftsführender Gesellschafter der Hanseatic Transport Consultancy, skizziert die Entwicklung des Güterverkehrsaufkommens in Norddeutschland.