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Eine Ära der Einkaufsgeschichte endet: Bei Rewe lief jetzt die letzte Plastiktüte vom Band

Rewe-Marktleiter Dieter Löhden mit der letzten Plastiktüte und einem der neuen Baumwollbeutel
 
Edeka-Subey-Marktleiter Oliver Michelsen mit Permanent-Tragetasche und „Repet-Bag“ neben den beliebten Einkaufskartons
(bim). In den Rewe-Märkten ist jetzt ein Stück Einkaufsgeschichte zu Ende gegangen: Dort liefen die letzten Plastiktragetaschen vom Kassenband. So auch im Tostedter Rewe-Markt an der „Alten Kleinbahn“, wo Marktleiter Dieter Löhden die Tüte gegen eine umweltfreundliche Baumwoll-Tragetasche austauschte. Rewe verzichte damit als erster großer Lebensmittelhändler in Deutschland mit Unterstützung des Naturschutzbundes flächendeckend auf den Verkauf von Plastiktüten, so Löhden. Stattdessen sind in den Rewe-Märkten nun Papiertüten, Kartons, Baumwoll-Tragetaschen und mehrfach verwendbare Permanent-Tragetaschen aus Recyclingmaterial erhältlich.
„Mit dem Kauf dieser Alternativen kann jeder Verbraucher Verantwortung für Umwelt- und Meeresschutz übernehmen. Uns ist dabei bewusst, dass die Abschaffung der Plastiktüte nur ein erster Schritt zur Reduzierung von Plastikmüll sein kann. Daher arbeitet Rewe an weiteren Initiativen zur Reduzierung von Plastikverpackungen im Lebensmitteleinzelhandel“, erklärt Dieter Löhden.
Die ersten Tüten aus Polyäthylen gab es Anfang der 1960er Jahre an den Kassen der Geschäfte. Was das Tragen von Einkäufen erleichtern sollte, hat sich längst zur Umweltbelastung, insbesondere der Meere und ihrer Bewohner, entwickelt.
In Deutschland werden pro Kopf und Jahr 71 Plastiktüten verbraucht. Das ist der viertniedrigste Wert in Europa. Der EU-Durchschnitt liegt bei 198 Stück.
Zum Monatsbeginn ist eine freiwillige Vereinbarung zwischen der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (64, SPD) und dem Verband des Einzelhandels in Kraft getreten, deren Ziel es ist, den Plastiktütenverbrauch um die Hälfte zu senken. Erreicht der Handel dieses Ziel nicht, könnte 2018 ein Gesetz kommen, das die Händler zu einem Entgelt verpflichtet.
Hintergrund der Vereinbarung ist eine EU-Richtlinie. Sie sieht vor, den Verbrauch von Kunststofftüten bis 2019 auf 90 und bis Ende 2025 auf 40 Tüten pro Einwohner und Jahr zu reduzieren. Ausgenommen sind dünnwandige Tüten, die dem hygienischen Transport von frischem Fleisch, Fisch, Käse, Aufschnitt oder Obst dienen.
In den meisten Geschäften sind Plastiktüten ohnehin seit langem kostenpflichtig.
• Im Media Markt Buchholz sind Plastiktüten, die vorher griffbereit und kostenlos an den Kassen lagen, seit rund einem halben Jahr kostenpflichtig, seit April in allen Media Märkten bundesweit. Die Kunden werden vom Personal freundlich auf die Alternative der umweltfreundlichen Permanent-Tragetaschen hingewiesen. Diese kosten einmalig Geld und werden bei Beschädigung kostenlos ersetzt. „Plastiktüten werden von unseren Kunden kaum noch verwendet“, so Geschäftsführer Jürgen Müller Emden.
• So lange sie im Unternehmen sei, gebe es bei „famila“ auch Papiertüten als Alternative zu Plastik, berichtet Irene Pichol, Leiterin des „famila“-Warenhauses im Buchholzer Fachmarktzentrum, die seit 27 Jahren im Unternehmen tätig ist. Ebenso sind dort Stoffbeutel und die mehrfach verwendbaren Permanent-Tragetaschen erhältlich.
• Für Marktkauf-Geschäftsleiter Hauke Scheepker aus Buxtehude ist der Trend weg von der Plastiktüte nichts Neues. Marktkauf bietet schon seit den 90er Jahren die umweltfreundlichen Papiertüte an und Plastikbeutel gibt es schon lange nur gegen Bezahlung. In der Unternehmensspitze werde über weitere Neuerungen nachgedacht so Scheepker. So wurde in Otternsdorf etwa ein Stoffbeutel mit Marktkauf Logo ausprobiert.
• „Wir bieten eine Alternative an, weil wir eine eigene Tragetasche, die Subey-Tasche, haben. Das ist unser Verkaufsschlager“, sagt Oliver Michelsen, Marktleiter bei Edeka-Subey in Buchholz, zu den wiederverwendbaren Taschen mit dem Subey-Logo im Buchholz-Schild und den Adressen der drei Subey-Märkte auf der Rückseite. Außerdem gibt es dort Baumwoll- und Papiertüten. Ganz neu sind die Mehrwegtaschen aus recycelten Plastikflaschen - sogenannte „Repet-Bags“. „So bekommt das Altplastik ein zweites Leben. Die Taschen sind biologisch abbaubar“, erläutert Michelsen. „Wir möchten ökologisch und nachhaltig handeln. Die klassische Plastiktüte hat ein schlechtes Image, weil sie - falsch entsorgt - Tierleben oder über die Nahrungskette auch Menschen gefährdet. Sie hat aber ihre Berechtigung, weil die Kunden sie nachfragen“, so der Edeka-Marktleiter. Da sich das Kundenbewusstsein aber auch ändert, beobachtet er einen weiteren Trend, hin zu den 30 Kilogramm fassenden Pappkartons. Davon würden allein im Markt an der Hamburger Straße 50 Stück pro Woche verkauft.
Was wenig bekannt ist: Die dünnen Plastikbeutel der Gemüseabteilung seien grundwasser- und waageneutral und würden verrotten. Ihre Herstellung sei umweltfreundlicher als die einer Papiertüte, da für deren Produktion ein Vielfaches mehr Wasser aufgewendet werden müsse.
Und dann gibt es bei Edeka-Subey noch einen anderen nachhaltigen Trend, auch wenn der nicht unbedingt gewollt ist: Von den Einkaufskörben, die eigentlich nur für den Warentransport vom Markt zum Auto gedacht sind, sind etliche bei den Kunden im Umlauf, die diese auch gerne zum Einkauf in anderen Geschäften nutzen.