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Das lehren uns die Toten

Prof. Dr. Wolfgang Bauhofer (li.) begrüßte in der Zukunftswerkstatt den Rechtsmediziner Prof. Dr. Klaus Püschel (Foto: Dr. Frank Neuse)

"Tatort: Labor": Prof. Dr. Klaus Püschel berichtete in der Zukunftswerkstatt über den Alltag eines Rechtsmediziners

os. Buchholz. Der Alltag eines Rechtsmediziners hat mit der Darstellung von Karl-Friedrich Boerne im beliebten Münster-Tatort wenig zu tun. Das verdeutlichte Prof. Dr. Klaus Püschel (63), Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, bei seinem Vortrag "Was die Toten uns lehren" in Buchholz. Rund 60 Zuhörer kamen zum ersten Referat der neuen Reihe "Tatort: Labor" der Zukunftswerkstatt in den außerschulischen Lernstandort in Buchholz.
Anders als der von Jan Josef Liefers gespielte Prof. Boerne fahre er nicht mit Polizisten im Auto durch die Gegend und löse selber Fälle, betonte Püschel. Grundsätzlich bearbeite er mehrere Fälle gleichzeitig und nicht nur einen einzigen, wie es teilweise in Film und Fernsehen den Anschein habe. Nach Püschels Ansicht ist es sinnvoll, jeden Toten zu obduzieren. Er berichtete von einem Fall in Norddeutschland, bei dem fünf ältere Damen durch einen Pfleger ermordet wurden. Nur durch Zufall sei man dem Täter auf die Spur gekommen. "Gerade Damen, die im Alter um 85 Jahre sind, sterben laut Totenschein häufig durch Herzversagen", so Püschel. Hier könne eine Obduktion Klarheit schaffen.
Auch bei toten Säuglingen plädiert der Rechtsmediziner für eine umfassende Obduktion. Ein Schütteltrauma könne z.B. nur so nachgewiesen werden. "Wie sollen wir ansonsten den möglichen Geschwistern helfen, wenn wir nicht wissen, dass ein Kind aufgrund von Misshandlung gestorben ist?", fragte Püschel.
Ein Mitarbeiter habe festgestellt, dass der plötzliche Kindstod häufiger in Bauchlage vorkommt als in Rückenlage. Seitdem rate er, Säuglinge auf dem Rücken schlafen zu lassen. "So lernen wir am Institut durch die Toten und retten Leben", sagte Püschel.
• Die Reihe "Tatort: Labor" umfasst drei weitere Termine (jeweils dienstags ab 19 Uhr; der Eintritt ist frei):
12. April: "Den Fälschern einen Schritt voraus" über Münzfälschungen
31. Mai: "Nicht crackbare Kryptographie" über Verschlüsselungstechnologien
14. Juni: "Täterjagd mit Faserspuren" über die Arbeit im Labor des Landeskriminalamts Hamburg.
• Weitere Infos unter www.zukunftswerkstatt-buchholz.de