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Flüchtlinge unter Dauerstress

Tausende Flüchtlinge wurden täglich durch das Aufnahmelager in Presovo geschleust (Foto: Becker/Humedica)
 
Die gelernte Krankenschwester Katja Becker untersuchte die ankommenden Flüchtlinge (Foto: Becker)

Katja Becker (33) arbeitete zwei Wochen ehrenamtlich in einem Registrierungslager in Serbien

os. Buchholz. Tagtäglich hört man in den Medien von den Flüchtlingen, die sich auf der Balkanroute ihren Weg von Griechenland in Richtung Norden bahnen. Katja Becker (33) hat einen ganz engen Kontakt mit Tausenden Menschen gehabt, die in Deutschland ein besseres Leben erhoffen und die Kriegswirren endlich hinter sich lassen wollen: Die gebürtige Buchholzerin arbeitete jetzt zwei Wochen lang für die Hilfsorganisation "Humedica" in einem Registrierungslager in Presovo, einer 30.000-Einwohnerstadt in Serbien, rund zehn Kilometer von der mazedonischen Grenze entfernt.
Die gelernte Krankenschwester kümmerte sich mit einer weiteren Helferin, zwei Ärzten und einem Koordinator um die ankommenden Flüchtlinge, gab ihnen zu essen und versorgte sie mit Medikamenten. Gemeinsam mit einer israelischen Hilfsorganisation organisierte "Humedica" eine 24-Stunden-Hilfe im Dreischicht-System, und das sieben Tage die Woche. "Viele Menschen waren von den Reisestrapazen gezeichnet", berichtet Katja Becker. Viel Zeit für die Versorgung und die Registrierung durch serbische Behörden hätten sich aber die wenigsten genommen. "Viele Flüchtlinge stehen unter einem enormen Stress, weil sie ganz schnell in Richtung Norden weiter wollen", sagt Becker. "Das ist eine ganz andere Flucht, als man sie sich vorstellt." Durch ihre Smartphones sind die Flüchtlinge über die politische Großwetterlage bestens informiert, befürchten, dass die Grenzen zum jeweils nächsten Staat zugemacht werden und sie stranden wie derzeit Tausende vor der griechisch-mazedonischen Grenze.
Auch Kranke, Schwache und Schwangere hätten vielfach nur um ein Medikament gebeten. "In fünf Minuten fährt mein Bus" hörte Katja Becker häufig. "Wenn Menschen in Deutschland von Integration reden, ist es wichtig, dass sie von der Vorgeschichte und den Strapazen der Flüchtlinge wissen", sagt Katja Becker. Man sollte ihnen nach ihrer Ankunft in den Unterkünften Zeit geben, erst einmal zur Ruhe zu kommen. Schon längst seien übrigens nicht nur alleinstehende Männer unterwegs: "Ich habe viele Frauen und Kinder gesehen", sagt die ehrenamtliche Helferin.
In den wenigen Momenten der Ruhe suchte Katja Becker das Gespräch mit den Flüchtlingen. "Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt", sagt sie. Manche Gespräche, die sie mit Händen und Füßen führte, hätten sie stark mitgenommen. Einmal habe sie eine Frau aus Syrien gefragt, wo ihr Mann sei. Als Antwort bekam sie nur den Namen des syrischen Machthabers Assad, zwei gekreuzte Hände und ein Handzeichen über die Kehle. Der Ehemann war offensichtlich in einem syrischen Gefängnis hingerichtet worden.
Über die zwei Wochen in Serbien hat Katja Becker einen Film produziert. Dieser ist unter www.graswurzel.tv zu sehen. Gut möglich, dass Becker irgendwann wieder für "Humedica" im ehrenamtlichen Einsatz ist. Zunächst reist Katja Becker aber nach Kenia: In dem afrikanischen Staat hat die ehemalige Krankenschwester vor einigen Jahren eine Geburtsstation mit aufgebaut und schaut jetzt nach dem Rechten.