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"Ich bin Feuerwehrmann aus Passion"

Freut sich auf mehr Freizeit: Buchholz' scheidender Stadtbrandmeister Karsten Cohrs (Foto: Feuerwehr)

Stadtbrandmeister Karsten Cohrs (60) hört nach mehr als 20 Jahren in Führungspositionen der Freiwilligen Feuerwehr Buchholz auf

os. Buchholz. Seit 45 Jahren ist er Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Buchholz, hat als Gruppen- und Zugführer, 15 Jahre als Ortsbrandmeister und in den vergangenen sechs Jahren als Stadtbrandmeister Verantwortung übernommen. Jetzt hört Karsten Cohrs (60) aus Altersgründen auf: Am Freitag übergibt er sein Amt offiziell an seinen Nachfolger André Emme, den der Stadtrat jüngst einstimmig für sechs Jahre zum Stadtbrandmeister gewählt hat. Im Interview mit WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Oliver Sander zieht Cohrs ein Fazit der vergangenen Jahre.
WOCHENBLATT: Sie leisten seit 45 Jahren in der Feuerwehr ehrenamtlichen Dienst. Sind Sie ein Feuerwehrmann aus Passion?
Karsten Cohrs: Das kann man so sagen. Ich habe meine Arbeit immer ernst genommen, wobei ich nach den Führungspositionen nie gestrebt habe. Das hat sich im Laufe der Zeit ergeben.
WOCHENBLATT: Sie übernehmen bei Einsätzen große Verantwortung. Wann ist ein Einsatz für Sie ein Erfolg?
Cohrs: Das ist schwer zu sagen, weil jeder Erfolg anders definiert. Für mich war es immer ein Erfolg, wenn man z.B. nach einem Lkw-Unfall auf der Autobahn einen Fahrer aus einem Wrack befreit oder man bei einem Brand das Überschlagen auf angrenzende Gebäude verhindern konnte. Wobei mir eines wichtig ist: Bei der Feuerwehr kann man nie als Einzelkämpfer, sondern nur als Team erfolgreich sein.
WOCHENBLATT: Sie haben in 45 Dienstjahren viele schlimme Szenen nach Unfällen oder Bränden erlebt. Wie verarbeiten Sie die Bilder?
Cohrs: Jeder geht anders mit dem Erlebten um. Ich versuche jeden Einsatz professionell anzugehen und lasse die schlimmen Bilder bewusst nicht an mich heran. Das funktioniert bei mir gut, ich bin zumindest noch nie nachts aufgewacht, weil ich von einem Einsatz geträumt habe. Hilfreich ist, dass wir nach jedem Einsatz kurz über das Geschehene und Gesehene reden. Jeder Kamerad weiß, dass er sich bei Problemen bei Vertrauenspersonen melden kann und dann Hilfe bekommt.
WOCHENBLATT: In Ihre Amtszeit fällt die Umstellung bei der Feuerwehr auf die Digitaltechnik. Hat das funktioniert?
Cohrs: Wie bei jeder Einführung von neuer Technik gibt es gute und schlechte Erfahrungen. Die digitale Alarmierung hat uns vor große Herausforderungen gestellt. Wir haben mehr Möglichkeiten, den Alarm zu selektieren. Dafür ist für viele Kameraden die Transparenz verloren gegangen, weil sie nicht mehr den gesamten Funkkontakt mithören können. Da sind wir eher einen Schritt zurückgegangen. Zudem können wir die Alarmempfänger nicht mehr selber programmieren, sondern müssen sie dafür zum Landkreis nach Winsen bringen.
WOCHENBLATT: Wie sieht es beim Digitalfunk aus?
Cohrs: Dank der Mithilfe unserer Funkwarte ist die Umstellung fast abgeschlossen. Die Funkqualität ist deutlich besser geworden, allerdings haben wir mehr Bürokratie, da die Beschaffung der Geräte über die Stadt Buchholz und den Landkreis Harburg beim Land Niedersachsen erfolgen muss. Das sind sehr lange Wege.
WOCHENBLATT: Bis zur Altersgrenze von 63 Jahren können Sie noch drei Jahre als Feuerwehrmann tätig sein. Werden Sie das tun?
Cohrs: Ich habe es zumindest vor, dass ich die Einsätze mitfahren werde. Einsatzbefehle und -anweisungen werde ich wie jedes Feuerwehrmitglied natürlich befolgen. Jeder Einsatzleiter setzt eine vorgefundene Lage anders um. Die Ergebnisse sind es, was zählt.
WOCHENBLATT: Worauf freuen Sie sich in der Zukunft am meisten?
Cohrs: Auf mehr Zeit für das Privatleben! Das Amt als Stadtbrandmeister lebt man von morgens bis abends, plant den gesamten Alltag darum herum. Ich habe den Job immer gern gemacht, bin aber nicht so vermessen zu sagen: ‚Ohne mich geht es nicht!‘ Ich freue mich jetzt einfach auf die Zeit danach!
WOCHENBLATT: Herr Cohrs, vielen Dank für das
Gespräch.