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„Ich bin weiter mit Leidenschaft dabei“

Wieder genesen und im Dienst: Joachim Bordt, Landrat des Landkreises Harburg (Foto: Foto: oh)

Landrat Joachim Bordt, Schirmherr der Aktion „Herzinfarkt & Schlaganfall – Jede Minute zählt “, im Wochenblatt-Interview

(nf). Landrat Joachim Bordt (66) ist zurück. In seinem ersten Interview nach seiner Erkrankung Ende Juli dieses Jahres spricht der Schirmherr der Aktion „Herzinfarkt & Schlaganfall – Jede Minute zählt“ freimütig über seine Erfahrungen, seine Pläne für die Zukunft und darüber, wie die Krankheit ihn verändert hat. Das Gespräch führte Nanette Franke, Pressereferentin der Krankenhäuser Buchholz und Winsen, für das WOCHENBLATT.
Wochenblatt: Herr Bordt, herzlich willkommen zurück. Sie sind wieder im Amt, sehen gut erholt und sogar gebräunt aus. Doch sind Sie noch derselbe wie vor Ihrer Erkrankung?
Joachim Bordt: Ich bin derselbe. Aber ich habe wichtige Erfahrungen gemacht. Gerade als Mann hält man sich leicht für unverwundbar und unverwüstlich. Doch mir ist gezeigt worden, dass es Grenzen gibt und wo diese Grenzen sind. Ich habe großes Glück, dass ich noch da bin. Daraus habe ich eine andere Einstellung gewonnen. Kleinigkeiten, über die ich mich früher geärgert habe, sehe ich jetzt entspannter und lockerer.
Wochenblatt:. Ist das ein guter Vorsatz – oder schaffen Sie das tatsächlich?
Joachim Bordt: Ich will es jedenfalls in Zukunft so tun. Das bedeutet nicht, dass ich weniger um die Ohren haben möchte als bisher. Aber ich will andere Prioritäten setzen. Leidenschaftlich will und werde ich weiter sein. Denn wer keine Emotionen hat, ist doch tot.
Wochenblatt: Was in Ihrem neuen Leben haben Sie bereits geändert?
Joachim Bordt: Ich habe mit dem Rauchen aufgehört. Und ich habe meine Ernährung umgestellt. Das ist mir schwer gefallen. Aber wer einmal die rote Karte gezeigt bekommen hat so wie ich, der schafft das. Inzwischen fühle ich mich als Nichtraucher richtig wohl, es geht mir gut dabei.
Wochenblatt: Was ist mit Ihnen passiert Ende Juli?
Joachim Bordt: Ich habe vier Bypässe bekommen. In einer Notoperation in buchstäblich letzter Minute. Dafür bin ich sehr dankbar. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich einmal Herzprobleme bekommen würde. Ich hatte zwar schon vor Jahren Anzeichen gespürt, aber mich nicht weiter darum gekümmert.
Wochenblatt: Und jetzt sind Sie sogar Schirmherr unseres Projekts gegen Herzinfarkt und Schlaganfall...
Joachim Bordt: Ja, weil ich inzwischen weiß, wie wichtig das ist, Und weil ich an mir selbst erfahren habe, wie hervorragend die Kooperation unserer Krankenhäuser mit dem Herz- und Gefäßzentrum des Albertinen Krankenhauses in Hamburg läuft. Deshalb möchte ich an die Bürger in unserem Landkreis appellieren: Wenn Sie Anzeichen von Herzstörungen oder Vorboten eines Schlaganfalls an sich bemerken, sollten Sie sich so schnell wie möglich in ärztliche Obhut zu begeben und im Notfall sofort den Rettungsdienst unter 112 alarmieren.
Wochenblatt: Was gibt Ihnen Kraft für die Zukunft?
Joachim Bordt: Während meiner Erkrankung habe ich von allen Seiten viele Zeichen echter Anteilnahme und Ermutigung bekommen. Das hat mich aufgebaut. Und auf eines bin ich richtig stolz: Darauf, dass ich so gute Vertreter habe, sowohl im politischen als auch im Verwaltungsbereich. In solchen Situationen bewährt sich
Teamgeist. Es ist schön, wenn man sich so aufeinander verlassen kann.
Wochenblatt: Worauf freuen sich besonders?
Joachim Bordt: Eine meiner schönsten Aufgaben als Landrat ist, mit Menschen zusammenzukommen, die sich über die Maßen für Soziales, für Umwelt und Klimaschutz oder Kultur engagieren, und diese Menschen zu motivieren und auszuzeichnen. Darauf freue ich mich.
Daneben sehe ich es als eine meiner Hauptaufgaben, die Finanzen des Landkreises noch besser in den Griff zu bekommen. Die Rahmenbedingungen für die neuen Haushaltsberatungen sind nicht schlecht. Aber wir sind noch ein ganzes Stück davon entfernt, angesammelte Schulden zu reduzieren, um künftige Generationen nicht damit zu belasten.
Wochenblatt: Das klingt schon wieder wie der alte Joachim Bordt...
Joachim Bordt: Ja und nein. Ich habe wieder Lust zum Arbeiten. Und ich spüre in mir die Kraft dazu. Ich möchte mein Amt mit neuem Schwung angehen, so als ob ich gerade erst gewählt worden sei.
Wochenblatt: Und wer bremst Sie, wenn Sie dabei übertreiben?
Joachim Bordt: Meine Frau. Und meine Sekretärin. Auf beide höre ich.
Wochenblatt: Wollen Sie denn immer weiter ackern?
Joachim Bordt: Nichts mehr zu tun, kann ich mir nicht vorstellen. Auch im Ruhestand werde ich mich mit Sicherheit weiter engagieren, beispielsweise im kulturellen Bereich. Aber bis dahin ist ja noch viel Zeit.
Wochenblatt: Herr Bordt, danke für das Gespräch.