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"Verkehrsproblematik ein für alle Mal lösen"

"Wir müssen strategisch besser planen": Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (Foto: Helms)

Interview mit Buchholz' Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse zu den wichtigsten Projekten in Buchholz

os. Buchholz. Am gestrigen Dienstag fand in Buchholz die letzte Sitzung des Stadtrates vor der Sommerpause statt. Was steht in den kommenden Monaten auf der Agenda? Darüber spricht Buchholz' Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (53) im Interview mit WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Oliver Sander.

WOCHENBLATT: Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Projekt in Buchholz? 

Jan-Hendrik Röhse: Das ist das Thema Wohnen und Verkehr. Parteiübergreifend ist es Konsens, dass Buchholz mehr Wohnflächen braucht, vor allem auch bezahlbaren Wohnraum. Das kann aber nur umgesetzt werden, wenn wir gleichzeitig die Verkehrsfrage in der Buchholzer Innenstadt lösen. Deshalb haben wir eine umfangreiche Drucksache erstellt, die beide Aspekte miteinander verbindet.

WOCHENBLATT: Was konkret haben Sie vor?

Röhse: Zunächst einmal sehen wir eine Größenordnung von 1.000 bis 1.500 Wohneinheiten, die in Buchholz in den kommenden zehn bis 15 Jahren entstehen können. Die von der N-Bank als Prognose genannten 3.000 Wohneinheiten bis zum Jahr 2030 halte ich für zu viel. Wir als Verwaltung schlagen eine Entwicklung im Osten vor. Einhergehend wollen wir die Verkehrsproblematik ein für alle Mal lösen. Ich hoffe, dass die Wohnbebauung dafür eine Brücke sein kann. Denn es ist klar, dass eine weitere Wohnbebauung ohne die Stärkung der Infrastruktur nicht möglich ist.

WOCHENBLATT: Wie soll das Verfahren genau ablaufen?

Röhse: Wir wollen ein moderiertes Verfahren durchführen, das Politik und Bürger einbindet. Dafür haben wir Markus Birzer gewonnen, der als Moderator bereits das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) begleitet hat. Er soll über den Sommer Gespräche mit den Fraktionen führen, deren Grundpositionen ausloten und ermitteln, wo es Verhandlungsspielräume gibt. Jedem muss klar sein, dass es beim Straßenbau einen Kompromiss geben muss. Zudem soll es ein vorbereitendes Treffen der Verwaltung und jeweils ein bis zwei Mitgliedern der Ratsfraktionen geben. Dann wollen wir eine Bürger- und anschließend eine Ratswerkstatt durchführen, in denen die Ergebnisse der Gespräche diskutiert werden. Mein Ziel ist es, dass wir Ende des Jahres mit dem Verfahren durch sind.

WOCHENBLATT: Welches Projekt ist noch wichtig für Buchholz?

Röhse: Ich halte den Technologie- und Innovationspark im Anschluss an das Gewerbegebiet Vaenser Heide II für sehr wichtig. Mir ist bewusst, dass die Planung sehr schwierig wird, weil es z.B. Vorbehalte wegen des Landschaftsverbrauchs gibt. Wichtig ist, dass wir am Ende der Diskussion eine breite Basis für dieses wichtige Projekt haben.

WOCHENBLATT: Aus der Politik gibt es immer wieder Stimmen, die Stadt müsse sich um die Einnahmesituation kümmern. Konkret gefragt: Planen Sie Steuererhöhungen?

Röhse: Nein, denn die Steuereinnahmen sind sehr gut. Wir müssen uns um die Ausgabensituation kümmern und da Verhandlungen mit dem Kreis und dem Land führen. Mit dem Kreis müssen wir u.a. über den Vertrag zur Jugendhilfe sprechen. Das ist originäre Aufgabe des Kreises, die Stadt übernimmt aber derzeit die Kosten. Das muss sich ändern. Beim Land müssen wir spätestens dann vorstellig werden, wenn - wie es CDU und SPD ankündigen - die ersten beiden Kindergartenjahre beitragsfrei gestellt werden. Diese Zusatzkosten könnten wir aus unserem Haushalt nicht wegsparen. Schon jetzt investieren wir jedes Jahr rund zehn Millionen Euro in die Betreuung von Kindern in städtischen und privaten Kindergärten. Notfalls kette ich mich an den Landtag, um Aufmerksamkeit zu erregen. 

WOCHENBLATT: Seit Anfang Juni hat die Stadt nach dem Abgang von Doris Grondke keinen Baudezernenten mehr. Wann kommt ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin?

Röhse: Wir hatten gute Bewerbungen. Ich hoffe, dass wir in der Ratssitzung Ende August einen geeigneten Kandidaten präsentieren können.

WOCHENBLATT: Ich hatte zuletzt den Eindruck, dass der Stadtrat aufgrund der vielen möglichen Projekte aus den erstellten Konzepten wie ISEK, Mobilitätskonzept oder Stadtumbau West nicht wusste, was er zuerst umsetzen soll. Muss die Verwaltung hier nicht viel mehr als bisher die Richtung vorgeben? 

Röhse: Ja, da haben Sie Recht. Wir müssen strategisch besser planen und die Leitplanken für die künftige Entwicklung setzen. Wir haben einige Projekte angeschoben, die wir künftig fortschreiben und weiterentwickeln müssen. Das ISEK z.B. muss gepflegt werden, das läuft nicht automatisch weiter. Hier sehe ich eine wichtige Aufgabe für den künftigen Baudezernenten oder die Baudezernentin.

WOCHENBLATT: Herr Röhse, vielen Dank für das Gespräch.