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Aus Liebe unfreiwillig zum Schlepper geworden

Herbert Alexander Ramin
 
Der Liebe eines Deutschen mit einer Philippina wurden viele Steine in den Weg gelegt (Foto: Grafik: MSR/Foto: tk)

Herbert Alexander Ramin nutzt Schlupflöcher im EU-Recht für die Einreise seiner Frau

tk. Apensen/Buxtehude. Herbert Alexander Ramin (60) stand am Mittwoch vor dem Amtsgericht Buxtehude. Er hatte einen Strafbefehl über 750 Euro nicht akzeptiert. Ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft auf den Philippinen hatte ihn wegen Beleidigung angezeigt. Ramin hatte die Arbeit der Diplomaten in Internet-Chats mit der Willkür im Dritten Reich verglichen und an anderer Stelle "Fuck You" geschrieben. Der Mann aus Apensen war auf Zinne. Der Grund: Er hatte zuvor monatelang für seine Liebe gekämpft und wurde immer wieder ausgebremst. Ramin wollte seine Frau und die 15 Monate alte Tochter von den Philippinen nach Deutschland holen.



Nachdem die Botschaft in Manila die Beurkundung der Anerkennung seiner Vaterschaft verweigert hatte, ein Gerichtsprozess in Berlin zu seinen Ungunsten ausging, sann Ramin über andere Wege nach: Er organisierte eine Heirat in Dänemark. Seine philppinische Lebensgefährtin bekam aber kein Visum. Daraufhin traf sich die kleine Familie in Hongkong. Die deutsche Botschaft dort beglaubigte seine Vaterschaft und stellte dem kleinen Mädchen einen deutschen Pass aus. Als Ramin ein Zimmer weiter ein Visum für seine Frau - inzwischen hatten die beiden in Hongkong geheiratet - beantragt, wird gleich der Pass der Tochter konfisziert. Statt gemeinsam nach Deutschland zu reisen, wird die Familie wieder getrennt.
Allmählich liegen bei Herbert Alexander Ramin die Nerven blank. Was soll er bloß noch unternehmen? "Ich hätte auch für 500.000 Euro einen maltesischen Pass und die Staatsbürgerschaft direkt auf Malta kaufen können", sagt Ramin vor Gericht. Dieses Geld hat er nicht.

Schließlich ist er auf einen Trick gekommen: Wer in Lettland eine Immobilie für mindestens 70.000 Euro erwerbe, bekomme ein lettisches Visum für den Schengen-Raum - zu dem natürlich auch Deutschland gehört. "Und die Wohnung musste meine Frau natürlich mit aussuchen", sagt er. Von Riga flog die kleine Familie aber sofort nach Deutschland weiter. Dank Visum für den Schengen-Raum kein Problem. Die Anerkennung der Vaterschaft wurde hier beurkundet und mit Frau und Tochter lebt er jetzt zusammen in Apensen. "Der Auftenthaltsstatus meiner Frau ist jetzt sicher", sagt er.

Was für ihn einen bitteren Beigeschmack hat: "Unfreiwillig wurde ich zum Schlepper", sagt er. Ramin bediente sich - wenn auch aus Liebe - Methoden und Tricks, die er eigentlich ablehnt, den geraden und ehrlichen Weg besser findet.
Dass er auf dem Höhepunkt des Streits mit der Botschaft in Manila in Internet-Foren schimpfte und er einen Botschafsmitarbeiter beleidigt haben soll, brachte ihn jetzt vors Gericht. Den Strafbefehl über 750 Euro hob Richter Erik Parmann allerdings auf. Gegen Zahlung einer Geldbuße von 450 Euro wurde das Verfahren eingestellt. "Ich verstehe Sie durchaus", sagte er Herbert Alexander Ramin, "aber Beschimpfungen gehen nicht und Spielregeln müssen eingehalten werden."

Ramin kennt inzwischen noch viele ähnliche Fälle, sagt er dem WOCHENBLATT nach dem Prozess. Manche Konsulate und Botschaften würden sich vor allem als Einreise-Verhinderungs-Agentur sehen. Angesichts der offenen Grenzen für Flüchtlinge im Jahr 2016 findet er diese regide Ablehnungspolitik für ein paar Tausend Menschen unverständlich.