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Gewalt niemals tolerieren

Mehr Zivilcourage und weniger Toleranz gegenüber den Tätern möchten die Präventionsbeauftragten Svenja Wigger (v.li.), Elke Meinschien und Maike Hesebeck gerne erreichen

Europäische Kommission veröffentlicht Studie mit Schock-Zahlen / Polizei mit Präventionsarbeit vor Ort

ab. Buxtehude.Anlässlich der 16-Tage-Kampagne „Gegen Gewalt an Frauen“ war die Buxtehuder Polizei mit einem Infostand zur Gewaltprävention in der Innenstadt vertreten und diskutierte u.a. über die Zahlen einer Studie. Die Europäische Kommission hatte zum „Tag gegen Gewalt an Frauen“ am 25. November die Studie „Geschlechtspezifische Gewalt“ herausgebracht, mit einem alarmierenden Ergebnis: Laut einer europaweiten Studie denkt noch heute jeder vierte Deutsche, dass es Situationen gibt, in denen sexuelle Gewalt gerechtfertigt sein kann. Wenn das Opfer betrunken ist oder unter Drogeneinfluss steht. Wenn es freiwillig mit dem späteren Täter nach Hause geht. Wenn es freizügig oder sexy gekleidet ist. Wenn es sich nicht deutlich körperlich und verbal gegen den Übergriff wehrt. 27 Prozent der Deutschen findet es demnach „okay“, wenn Frauen hin und wieder vergewaltigt werden. Damit liegen sie im europäischen Mittelmaß.

Wie kommen diese Zahlen zustande? Was lässt sich dagegen tun, dass anscheinend ein Viertel aller Deutschen Gewalt gegen Frauen nicht als Verbrechen ansieht, unter Umständen gar toleriert?

Die Präventionsarbeit beginne bereits in der Grundschule, sagen Maike Hesebeck und Elke Meinschien von der Polizei Buxtehude und Svenja Wigger von der Polizei Stade. „Dort klären wir auf, welches Verhalten Gewalt ausmacht - angefangen bei der Nutzung von Handys, sozialen Netzwerken und Mobbing bis hin zu körperlicher Gewalt“, informiert Polizeioberkommissarin Maike Hesebeck. Es sei ein langwieriger Prozess des Lernens und Umdenkens erforderlich. Viele Menschen müssten darüber aufgeklärt werden, was Gewalt bedeutet, so die Präventionsbeauftragten.

Die Dunkelziffer ist hoch, gerade bei häuslicher Gewalt. „ Auch zwischen Staatsanwaltschaft und Polizei gibt es bei diesem Thema unterschiedliche Ansatzpunkte“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Anne Behrends. Gewalt ist abstrakt, wo sie wirklich beginnt, ist nicht in eine allgemeine Formel zu pressen. Extakte Zahlen zu gewalttätigen Übergriffen gegen Frauen aus dem Landkreis Stade zu bekommen, sei daher schwierig, so Behrends.

Was kann jeder Einzelne tun? Um gewalttätigem Handeln etwas entgegenzusetzen, könnten laut der drei Präventionsbeauftragten folgende Faktoren zusammengefasst werden: die Zivilcourage der Bevölkerung, bei Gewalttaten einzuschreiten, der Mut der Opfer, Missbrauch anzuzeigen, sowie ein klares Zeichen seitens der Gesellschaft, Gewalttaten nicht zu tolerieren. „Täter reagieren darauf, wenn ihr Verhalten von der Öffentlichkeit nicht getragen wird und sie sich nicht unter Gleichgesinnten wähnen können“, weiß Kriminalpräventionerin Svenja Wigger. Außerdem müsste den Tätern vor Augen geführt werden, welche zerstörerischen Folgen ihre Gewalttat für das Leben des Opfers mit sich bringt. Das allerdings sei schwer umsetzbar.

Mehr Präventionsarbeit, mehr Betreuung von Opfern, mehr Personal sei hier erforderlich, darin waren sich die Präventionsbeauftragten einig - doch leider fehlten hierbei die finanziellen Mittel.

• Frauen finden Hilfe unter www.hilfetelefon.de