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Buxtehude 2014: Auf zu neuen Ufern

Seit November Bürgermeisterin in Buxtehude: Katja Oldenburg-Schmidt

tk. Buxtehude. Das politische Jahr ging in Buxtehude dermaßen harmonisch zu Ende, dass nicht einmal das übliche Genörgele der Grünen am Haushalt für 2015 negativ auffiel. Was Buxtehudes neue Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt als Credo ausgegeben hat - kommunizieren, überzeugen und dann alle mit in ein Boot - wirkt. Und das nach nur wenigen Wochen Amtszeit. Die jüngste Ratssitzung war purer weihnachtlicher Friede. Der böse Kommentar "unseriös" der Grünen über den Etat verhallte ohne Reaktion im Sitzungssaal.

Interessant ist vor diesem Harmonie-Hintergrund die Frage, wie eine der größten politischen Auseinandersetzungen des Jahres 2014 wohl ausgegangen wäre? Der Streit um den Hochwasserschutz. Viele Tausend Unterschriften hatten die Deichbau-Gegner gesammelt und wollten damit einen Bürgerentscheid erzwingen. Ein Versuch der politischen Mitbestimmung, der fehlschlug. Der Rat gab grünes Licht für den Start des Planverfahrens, ein Bürgerentscheid war damit vom Tisch. Dass der Wunsch nach Teilhabe baden geht, ist kein Buxtehuder Problem. Niedersachsen ist, was Basisdemokratie betrifft, ein Entwicklungsland.

Wobei auch das im Jahr 2014 seine Vorteile hatte: Sonst wäre es vermutlich zu einer Art Volksentscheid über den Moschee-Bau gekommen. Die Pläne der muslimischen Ahmadiyya Muslim Jamaat-Gemeinde (AMJ), am Alten Postweg eine Moschee zu errichten, stießen auf erheblichen Widerstand. Anlieger halten das Grundstück nach wie vor für ungeeignet. Sie verlangen von der Stadt, der AMJ ein anderes Areal zur Verfügung zu stellen. Was grundsätzlich nicht funktioniert, denn der Bauantrag, der noch nicht durch ist, wird genauso behandelt wie für ein normales Einfamilienhaus. Mitsprache der Nachbarn ausgeschlossen.

Was nicht unterschlagen werden darf: Anonyme Hetzer im Internet brachten die Vergewaltigung einer Schülerin (14) in Buxtehude mit den Moschee-Plänen in Zusammenhang. Das war die hirnloseste Hetze - nicht nur 2014 - sondern seit langer Zeit.

Auf zu neuen Este-Ufern ist das Motto des touristischen Masterplans, der den Besucheransturm ankurbeln soll. Mit einem ganzen Maßnahmenbündel von Wanderwegen über einen aufgehübschten Hafen bis hin zu einem stadtnahen Campingplatz soll sich die Stadt herausputzen. Buxtehude will mehr als die Has'- und Igelstadt sein.
Eine Buxtehuder Besonderheit taucht im Masterplan nicht auf: Der "Bullevard", der mit Messingplatten an jeden Gewinner des Jugendliteraturpreises erinnert. Was schade ist.

Apropos "Bulle": John Greene, US-Erfolgautor und "Bullen"-Gewinner 2013 für das Buch "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" hat seine Trophäe samt 5.000 Euro Preisgeld noch nicht abgeholt. Geduldig warten die Organisatoren, dass er sich die Ehre gibt.

Was nicht unerwähnt bleiben darf: Einmal mehr hat nur der Vorschlag, den Petri-Platz umzugestalten, neben Zustimmung, für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Dass das Mäuerchen rund um die Kirche wegfallen könnte und dazu nicht jeder Gottesdienstbesucher aus den vergangenen zwei Dekaden befragt wurde, brachte die Diskussion schnell zum Erliegen. Peter Schmidt, Vorsitzender des Altstadtvereins, hatte sich für die Platz-Umgestaltung besonders ins Zeug gelegt - und dafür öffentlich Prügel bezogen. Zur Wiederwahl tritt er 2015 nicht mehr an.
Und was wird das Topthema im kommenden Jahr? Vermutlich der Buxtehuder Autobahnzubringer. Bis Sommer soll eine Entscheidung fallen.

Tom Kreib