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Was passiert mit Kehdinger Deponie?

Die Deponie Wischhafen II liegt seit 2000 still, soll jetzt reaktiviert werden (Foto: ig)
Kreis-Umweltausschuss berät über Abfallwirtschaftskonzept 2018 bis 2022

bc. Stade. Der Landkreis Stade ist gesetzlich dazu verpflichtet, alle fünf Jahre ein Konzept (AWK) über die Verwertung und die Beseitigung des Mülls im Kreisgebiet zu erstellen. Das Konzept nennt sich dann Abfallwirtschaftskonzept (AWK). Der Kreis-Umweltausschuss hat jüngst einstimmig grünes Licht für das AWK für die Jahre 2018 bis 2022 gegeben. Alle offenen Fragen sind trotzdem noch nicht geklärt.
Kreisbaurat Hans-Hermann Bode wies in der Sitzung auf die ungewisse Zukunft der Hausmülldeponie Wischhafen II hin. Der Betrieb wurde im Jahr 2000 vorläufig eingestellt, die Deponie Hillern (Heidekreis) sollte vorrangig verfüllt werden. Die Deponie Wischhafen II ist mit ca. 500.000 Kubikmetern bislang nur halb verfüllt, soll nun reaktiviert werden.
Folgende Zukunftsoptionen sind laut Bode denkbar bzw. werden derzeit wirtschaftlich geprüft, da damit gerechnet wird, dass Hillern im Laufe dieses Jahres voll läuft: "Die Abfälle aus der Altdeponie könnten in Wischhafen II umgelagert werden und danach könnte die Deponie für externe Entsorger geöffnet werden oder das Restvolumen von Wischhafen II (500.000 Tonnen) könnte in Gänze dem Markt angeboten werden."
Zum Hintergrund: Seinerzeit ist Wischhafen II als Hausmülldeponie gebaut worden. Da Hausmüll und vergleichbare Abfälle seit 2005 jedoch nicht mehr direkt abgelagert werden dürfen, besteht laut Kreisverwaltung kaum noch Potenzial für solche Abfälle. Der Landkreis lässt seinen Müll z.B. zur Verbrennungsanlage nach Hamburg fahren.
Anders sieht es bei gering belasteten, nicht verwertbaren mineralischen Abfällen (möglicherweise auch geringe asbesthaltige Abfälle) aus, also vor allem bei Bauschutt. Bode: "Hier besteht großer Bedarf." Wischhafen müsste solche Abfälle übernehmen.
Zumal das niedersächsische Umweltministerium entsprechende Forderungen an die Landkreise herangetragen hat, flächendeckend für ein ausreichendes Deponievolumen für Bauabfälle zu sorgen. Andernfalls könnte es zu Engpässen kommen, bzw. die Bauunternehmen müssen sehr lange Transportwege in Kauf nehmen, um den Schutt zu entsorgen. Wie es nun mit Wischhafen II weitergeht, soll laut Bode in der zweiten Jahreshälfte 2018 entschieden werden.
Eine weitere offene Frage ist, wie künftig mit der Müll-Abholung in Stichstraßen umgegangen wird. Wie berichtet, dürfen Müllfahrzeuge laut Berufsgenossenschaft nicht mehr rückwärts fahren. Das ist in engen Straßen ein Problem, in denen sie nicht wenden können.
Im Dezember gab es zu dem Thema nun ein Treffen der Kreisverwaltung mit allen Städte- und Gemeindevertretern. Fazit: Man wolle gemeinsam an dem Problem arbeiten.
Festgestellt ist bisher, dass zwei Prozent der Anwohner in den aktuell untersuchten fünf Gemeinden betroffen sind. Horneburgs Flecken-Bürgermeister Hans-Jürgen Detje dazu: "In meinen Sprechstunden ist das Problem gefühlt viel größer. Wir werden garantiert Straßen haben, die nicht mehr angefahren werden können. Wir brauchen wahrscheinlich auch private Flächen für Mülltonnen-Sammelplätze."
Baurat Bode betonte, dass in den Ausschreibungsmodalitäten für den neuen Einsammelungsauftrag, der Anfang 2019 vergeben werden soll, die Stichstraßen-Schwierigkeit berücksichtigt wird. Dabei soll u.a. geprüft werden, ob z.B. der Einsatz von kleineren Fahrzeugen sinnvoll sein kann.