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Streitlustige Fredenbecker

Der Schiedsmann sitzt für Verwaltungstätigkeiten oft in seinem privaten Büro
 
In vielen Streitfällen geht es um Bäume oder Pflanzen, die an Grundstücksgrenzen wachsen

Schiedsmann Klaus Joachim Böhn hat immer mehr zu tun

sb. Fredenbeck. Oft ist es der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und einen Nachbarschaftsstreit eskalieren lässt. Dann wird in der Samtgemeinde Fredenbeck gern der Schiedsmann Klaus Joachim Böhn (63) zur Hilfe geholt. In letzter Zeit immer öfter: Allein in diesem Jahr kam der ehrenamtliche Schlichter schon 24 Mal zum Einsatz. Der ehemalige Vorstand der Volksbank Fredenbeck und heutige Rentner übt sein Ehrenamt gern aus. "Es erweitert den Horizont und ich habe gern mit den verschiedensten Menschen zu tun", sagt er.

Aber: Der Zeitaufwand wird immer größer. Das mag zum einen daran liegen, dass Böhn viel Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Aber: "Nach meiner Beobachtung nehmen die Differenzen zwischen Bürgern, insbesondere zwischen Nachbarn, zu", beobachtet der Schiedsmann. Die Ursache sieht er u.a. darin, dass die Grundstücke auch in der grünen Samtgemeinde Fredenbeck immer kleiner werden, der Nachbar immer näher rückt. Und: "Man tauscht sich weniger aus, pflegt das Miteinander nicht mehr so intensiv wie früher."

Bei rund drei Viertel aller Streitfälle, die Böhn auf den Tisch bekommt, geht es um Grünflächen. Stein des Anstoßes sind durch den Zaun wachsende Zweige, herabgefallenes Laub, das vom Baum des Nachbarn stammt oder ähnliches. Bei 80 bis 90 Prozent dieser Fälle einigen sich die Parteien, wenn sie gemeinsam mit dem Schiedsmann an einem Tisch sitzen. Problematischer sind Beleidigungen oder Körperverletzungen - da liegt die Meßlatte der Beteiligten für einen Konsens deutlich höher.

Das erste Bestreben des Schiedsmanns Klaus Joachim Böhn ist stets, die Parteien an einen Tisch zu holen. "Und der steht in meinem Haus in Fredenbeck, also auf neutralem Boden", sagt er. Termine macht Böhn fast immer in den Abendstunden. "Niemand soll für die Schlichtung Urlaub nehmen müssen", ist seine Überzeugung. In den Gesprächen lässt er zunächst den Antragsteller auf Schlichtung zu Wort kommen, danach die Gegenseite. Zu einer Lösung müssen die Parteien selbst finden. "Ich bin kein Richter und darf nichts vorschreiben", sagt Böhn. "Deshalb benötige ich als Schiedsmann auch kein Gesetzbuch." Allerdings lenkt und leitet er das Gespräch und mischt sich ein, wenn vorgeschlagene Lösungen nicht praktikabel sind.

Die Gespräche vor dem Schiedsmann werden von diesem genau protokolliert. Hält sich eine Partei später nicht an die geschlossenen Abmachungen, kann das Protokoll als Titel vor Gericht verwendet werden. Deshalb muss der Schiedsmann sehr sorgfältig arbeiten und alle Formalitäten einhalten. Überhaupt fließt ein Großteil der ehrenamtlichen Arbeit eines Schiedsmannes in Verwaltungsarbeiten - von der Bearbeitung des Schlichtungs-Antrags bis zur Abrechnung der Gebühren mit dem Rathaus. Für den immer größer werdenden Zeitaufwand hat Klaus Joachim Böhn deshalb bei der Samtgemeinde Fredenbeck eine Aufwandsentschädigung für das Ehrenamt beantragt. Der Samtgemeinderat hat dem Antrag stattgegeben. Klaus Joachim Böhn erhält rückwirkend ab dem 1. Januar 2014 pro Monat 75 Euro aus der Samtgemeinde-Kasse.