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Das lukrative Geschäft mit dem weißen Pulver - Deutsche Babyfertigmilch ist der Verkaufsschlager in China

Gutes Geschäft: In Deutschland würden die angebotenen zehn Dosen rund 94 Euro kosten, in China sind es ca. 230 Euro (Foto: Foto: Screenshot/mi)
mi. Landkreis. Wer bei den Filialen der großen Drogerieketten in der Region einkaufen will, macht mitunter eine für unsere Konsumgesellschaft völlig neue Erfahrung. Denn oft sind bestimmte Produkte restlos ausverkauft, außerdem weist die Drogeriekette darauf hin, dass eine Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen erfolge und deshalb auf drei Pakete pro Kunde beschränkt sei. Rationierung in der Überflussgesellschaft, gibt es das wirklich?
Nancy Schulte, Gebietsverantwortliche beim Drogerieunternehmen „dm“, erklärt dazu: „Seit geraumer Zeit verzeichnen wir auf dem Markt eine extrem hohe Nachfrage nach verschiedenen Säuglingsnahrungen, die die Hersteller nicht ausreichend bedienen können. Die dadurch bei den Kunden entstehende Unsicherheit über die eigenen Versorgungsmöglichkeiten führt dazu, dass sich viele Kunden bevorraten möchten, wenn sie die entsprechenden Produkte in den Regalen vorfinden. Um die Bedürfnisse all unserer Kunden befriedigen zu können, haben wir uns bereits vor Längerem dazu entschieden, in unseren Märkten eine mengenmäßig beschränkte Abgabe von Milchnahrungs-Produkten zu empfehlen. So liegt diese auch in Buchholz und Umgebung bei drei Packungen pro Person.“ Auch wenn es die Pressesprecherin nicht sagt: Ein Blick ins Internet zeigt, der Grund der chronischen Babynahrungsknappheit ist im fernen China zu suchen. Wie diverse große Zeitungen übereinstimmend berichten, hatten dort - bis der Skandal im Jahr 2008 aufflog - heimische Anbieter ihre Babynahrung mit der Chemikalie Melamin gepanscht, um einen höheren Eiweißgehalt der Produkte vorzutäuschen. Fast 300.000 Babys erkrankten, mindestens sechs starben. Der Skandal erschütterte das Vertrauen chinesischer Eltern in die heimischen Produkte derart nachhaltig, dass seitdem Babynahrung aus dem Ausland extrem stark nachgefragt wird. Mittlerweile haben die Anbieter in Deutschland zwar auf diese neuen Kunden reagiert und die Produktion massiv gesteigert, zu Engpässen in den Drogerien kommt es aber dennoch von Zeit zu Zeit. Gleichzeitig gibt es im Internet einen regen Handel mit Babynahrung. Auf dem chinesischen eBay-Klon „taobao“ werden die deutschen Produkte teilweise zum doppelten Preis angeboten.
Damit deutsche Kunden nicht in die Röhre gucken, bieten einige Anbieter von Babynahrung mittlerweile in Kooperation mit den Drogerieketten, u.a. „dm“, einen Reservierungsservice an.