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"Asylbewerber ja, aber nicht so viele"

Der frühere Hausmeister Erhard Engelken vor dem ehemaligen Seniorenheim in Appel
 
Erhard Engelken zeigt den Schimmel, der sich nach einem Rohrbruch im Erdgeschoss ausgebreitet hat

In einem 250-Seelen-Dorf sollen 50 Flüchtlinge in einem ehemaligen Altenheim untergebracht werden

bim. Appel. „Die Asylbewerber sollen ruhig kommen, aber nicht in der Masse. Da hat der Landkreis seine Hausaufgaben nicht gemacht“, schimpfte ein anonymer Anrufer am Telefon. Er meint damit die geplante Unterbringung von 50 Asylbewerbern in einem ehemaligen Altenheim in Appel. Knapp 250 Menschen leben in dem Ort. Auch mit den zur Gemeinde Appel gehörenden Dörfern sind es gerade einmal 415 Einwohner. Der Ort hat keine Infrastruktur und keine Geschäfte, nur ein Gasthaus. „Aus Sicht der Asylbewerber wäre eine Unterbringung hier eine Katastrophe“, sagt Appels Bürgermeister Reinhard Kolkmann (Bündnis für Appel).
Die Gemeinde sträubt sich nicht, Asylbewerber aufzunehmen, aber die Relation zwischen Einwohnerzahl und der Zahl der Zugewiesenen müsse sozial verträglich gestaltet werden, fordert der Bürgermeister, denn: In Berlin-Hellersdorf mit rund 250.000 Einwohnern sollen in einer Schule 200 Flüchtlinge unterkommen. Und selbst dort häuften sich schon die Proteste, meint er.
Nach Kolkmanns Kenntnisstand soll es sich bei den Asylbewerbern um alleinstehende Männer aus Afghanistan, Äthiopien, dem Iran und Irak sowie aus Syrien handeln. Eine offizielle Nachricht des Landkreises über die Anzahl der Asylsuchenden habe die Gemeinde aber noch nicht. Bereits Mitte August habe er im Gespräch mit Kreis-Dezernent Reiner Kaminski deutlich gemacht, wie sich die Situation darstellt, so Kolkmann. Bisher gebe es keine Reaktion.
Zudem stellt sich die Frage, wieviel Geld der Landkreis in die Hand nehmen müsste, um das ehemalige Altenheim wohntauglich zu machen. Der frühere Hausmeister Erhard Engelken, der immer noch nach dem Rechten schaut, gewährte dem WOCHENBLATT eine Führung. Er schätzt, dass einige 100.000 Euro für eine Instandsetzung nötig wären.
Alte Kalender an den Wänden, zurückgelassene Namensschilder der Pflegekräfte und hochwertige, seniorengerechte Ausstattung vermitteln einen Eindruck, als ob der Betrieb nur vorübergehend ausgesetzt wurde. Aber im Erdgeschoss hat sich Schimmel ausgebreitet.
„Es ist ein Jammer“, sagt Erhard Engelken, wenn er die Einrichtung besucht, in der er elf Jahre lang als Hausmeister arbeitete, bis das Heim im September 2009 seine Türen schloss. Dennoch war er seitdem regelmäßig vor Ort, machte sauber, lüftete und heizte, um die Gebäudesubstanz zu erhalten.
Im Mai vergangenen Jahres sei das Gas abgestellt worden, seit Juli 2012 gebe es keinen Strom mehr, so Engelken. Dafür hat ein Rohrbruch im Winter für reichlich feuchte und verschimmelte Wände im Erdgeschoss gesorgt. Teilweise sind die Decken heruntergekommen oder haben sich gewellt. Im Keller, so berichtet Engelken, regne es bereits seit dem Jahr 2008 rein. Sogar ein Frosch hat sich beim Ortstermin dorthin verirrt. „Das tut einem in der Seele weh“, sagt Engelken zum langsamen Verfall.
25 Senioren wurden früher in dem Altenheim betreut. Eine Doppelbelegung der Zimmer habe die Heimaufsicht aufgrund der Zimmergröße untersagt, berichtet Engelken. Umso erstaunlicher ist nun, dass dort 50 Asylbewerber ein neues Zuhause finden sollen.
Ob das Altenheim für die Flüchtlings-Unterbringung überhaupt geeignet ist, kann der Landkreis noch nicht sagen. „Alle denkbaren Unterkünfte werden derzeit geprüft“, so Kreissprecher Bernhard Frosdorfer.
Auch Hollenstedts Samtgemeinde-Bürgermeister Uwe Rennwald erkennt die Notwendigkeit an, in der Samtgemeinde Asylbewerber aufzunehmen, die Frage sei, in welchem Umfang. Im Bezug auf Appel sieht er das Ansinnen des Landkreises ebenfalls kritisch. „Wichtig für diese Menschen ist es, Kontakte zu haben, und nicht isoliert zu sein.“ Er wünsche sich, die Asylbewerber anders zu verteilen. „Aber eine Lösung habe ich auch nicht“, so Rennwald.