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Beenden Larven den Welthunger?

Lea Bergmann bereitet in Sambia eine Larven-Mahlzeit zu (Foto: Insectus)
 
Haben in Sambia gerade die erste "Insekten-Farm2 gegründet: Alexander Massing (v. li.), Lea Bergmann und Julian Watkinson (Foto: Insectus)

Werner Huber ist sich sicher, dass die Larven der Soldatenfliege den Welthunger lindern können. Der Jesteburger Arzt wirbt für ein Projekt der Leibniz Universität Hannover. Derzeit sind Studenten in Sambia, um dort „Insekten-Farmen“ aufzubauen. Bereits eine Farm - Kosten etwa 1.500 Euro - kann 400 Menschen mit jeweils einem Kilo Larven pro Woche versorgen. Wie die Insekten zubereitet werden, zeigt Studentin Lea Bergmann den Dorfbewohnern.

(mum). „Ich bin überzeugt, dass wir auf diesem Weg viele Menschen vor dem Hungertod bewahren können“, sagt Werner Huber (68). Der Jesteburger Arzt gründete bereits 1993 den Sambia-Förderverein. Eines der wichtigsten Projekte ist die Unterstützung des 2009 eröffneten Kinderdorfs für AIDS-Waisen „Fountain Gate“. Dort wohnen 90 Jungen und Mädchen in familienähnlichen Gemeinschaften. Eine Schule befindet sich auf dem Gelände. Zuletzt hatte Huber auch um Unterstützung für das Projekt „Hunger-Paten“ geworben.
„Gemeinsam mit unserem sambischen Partner Chreso Ministries behandeln wir mehr als 20.000 AIDS-Kranke“, so Huber. „Sie bekommen alle nötigen Medikamente kostenfrei.“ Um wieder zu Kräften zu kommen, müssten sie sich auch ausreichend ernähren. Aber: Das Geld reiche nicht für eine ausgewogene Ernährung. „Die meisten Kranken essen nur einmal täglich und dann auch nur sehr einseitig.“
Das könnte sich dank einer Gruppe von Studenten der Leibniz Universität Hannover bald grundlegend ändern. „Sie haben herausgefunden, dass Larven der Soldatenfliege als Nahrungsmittel eingesetzt werden können“, so Huber, der seit ein paar Monaten im engen Kontakt mit ihnen steht. Erst vor wenigen Tagen waren drei Studenten in Sambia, um dort die erste „Insekten-Farm“ zu eröffnen. An diesem Wochenende reist erneut eine kleine Gruppe nach Afrika - diesmal gleich für einen Monat.
„In afrikanischen Ländern wie Sambia leidet etwa die Hälfte der Bevölkerung an Mangelerscheinungen durch nicht ausreichende, und wenn dann sehr einseitige, maishaltige Nahrung“, sagt Lea Bergmann. Sie ist gerade aus Sambia zurückgekehrt. Das Ziel des Projekts „Insectus“ sei die Bekämpfung von Hunger und Nährstoffmangel im Zusammenspiel mit der Schaffung von Arbeitsplätzen. „Das Projekt basiert hauptsächlich auf der Vermittlung des notwendigen Know-hows über die Zucht der sehr nährstoffreichen Soldatenfliege.“
Ausgangspunkt des Projekts ist ein Dorfbewohner, mit dem die Studenten eine hausgroße „Insekten-Farm“ - die sogenannte Mutterfarm - bauen. Sie befindet sich auf dem „Fountain Gate“-Grundstück. Dank der Schulung könne der Mann die Farm schnell eigenständig und nachhaltig betreiben. „Nach einer gut angelaufenen Start-Phase wird nach jedem Zyklus der Großteil der Maden zum Verzehr verkauft“, so Bergmann. Durch das Sammeln von Bonuspunkten sollen die Kunden zum Kauf motiviert werden. Nach einer gewissen Anzahl von Punkten erhalten auch die Kunden eine kleinere Farm, die „Hausfarm“. „Sie bietet den Dorfbewohnern die Möglichkeit, sich eigenständig zu versorgen.“ Eine Umfrage habe ergeben, dass neun von zehn Sambier keine Problem damit haben, sich von den Maden zu ernähren.
Huber ist vor allem von den Zahlen beeindruckt. Laut den Studenten können bereits nach einer Woche 400 Menschen mit jeweils einem Kilo Larven pro Woche versorgt werden. Die Startkosten für eine Farm liegen bei 1.500 Euro. Er wird Ende Juli selbst nach Sambia reisen, um sich vor Ort ein Bild zu machen.
• Werner Huber bittet nicht um Spenden, um weitere Farmen gründen zu können. „Ich möchte mit den Menschen ins Gespräch kommen und sie von von dem Projekt überzeugen“, sagt der Jesteburger.
Werner Huber ist unter der Rufnummer 04183-5295 oder via E-Mail an m-g-a@t-online.de zu erreichen. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.millennium-goals-achievement.org und unter der Adresse http://unihannover.enactus.de.

Proteinreich und jede Menge Eisen

Laut der Universität in Hannover ist der Proteingehalt der Larven mit 17,5 g/100 g in natürlicher Form sowie 42,1 g/100 g in getrockneter Form besonders hoch. Demzufolge könnten die Larven einen Teil-Ersatz für die nicht ausreichende und teure Versorgung mit tierischen Produkten darstellen. Zusätzlich kann die Soldatenfliege die bei mehr als jedem zweiten Kind auftretende Eisenmangelanämie lindern oder gar ganz beseitigen. Täglich circa 7 g der getrockneten Larven würden bei Kindern ausreichen, um die empfohlene Menge an Eisen zu decken.