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B73: Historisches unter dem Aushub

Die Arbeiten an der Bundesstraße lassen altes Kopfsteinpflaster hervorblitzen
bc. Neu Wulmstorf. Sie hat einen hohen Nerv-Faktor, fördert aber auch erstaunliche Dinge zutage. Wer die B73-Sanierung in Neu Wulmstorf (das WOCHENBLATT berichtete) mal nicht aus der Autofahrer- oder Anlieger-Perspektive betrachtet, macht interessante Entdeckungen. So blitzt unter dem abgefrästen Aushub historisches Kopfsteinpflaster hervor. Baggerfahrer als Archäologen! Das WOCHENBLATT auf Spurensuche:

Die heutige B73 ist die wichtigste Straße der Region, eine der meist befahrenen Bundesstraßen Deutschlands. Anno 1835 als Handelsweg angelegt, um Waren über Harburg bis in die Hansestadt Stade zu transportieren, wurde das damals noch schmale Asphaltband „Harburger Chaussee“ über die Jahrzehnte sukzessive ausgebaut - alles nachzulesen in dem Buch „Von Voßhusen nach Neu Wulmstorf“. Autorin ist die frühere Gemeinde-Archivarin Dr. Dagmar Müller-Staats.

Anfangs bestand das Pflaster aus wenig behauenen Findlingssteinen, die sich noch heute metertief unter dem aktuellen Straßenniveau befinden. Mit jeder Sanierung wuchs Neu Wulmstorfs Ortsdurchfahrt Stück für Stück in die Höhe, weil neue Teer- und Asphaltschichten einfach auf alten geschüttet wurden.

Die Schienen, die 1905 auf einer Teilstrecke verlegt wurden, um die schwer beladenen Fuhrwerke in der Spur zu halten, erwiesen sich im Laufe der Zeit als Hindernis für die wachsende Zahl der Automobile. 1928 verschwanden die Schienen wieder.

Erst mit stetig zunehmendem Verkehr wurde aus der Hauptstraße, wie sie inzwischen hieß, die B73. Das über die Jahre erneuerte Kopfsteinpflaster - die kleinen „Katzenköpfe“ - musste weichen. 1967 erhielt die Trasse im Bereich der Ortsdurchfahrt eine feste Asphaltdecke und wurde vierspurig verbreitert. Die vier Spuren sind bis heute geblieben, die Fahrbahn musste jedoch immer wieder aufgrund der hohen Abnutzung erneuert werden.

Durch die Breite der Straße wirkt die B73 längst nicht nur verbindend, sondern sie teilt den Ort in eine Nord- und eine Südhälfte.

Die aktuellen Bauarbeiten liegen laut Dirk Möller, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, (noch) im Zeitplan. Allerdings habe sich herausgestellt, dass der Untergrund in Richtung Buxtehude nicht so tragfähig sei, wie es Probebohrungen vor dem Baustart vermuten ließen. Ob sich dadurch die geplante Fertigstellung Mitte September verzögern wird, sollen jetzt weitere Untersuchungen ergeben.

Falls die Baustelle noch länger bleibt, dürften Anwohner und Geschäftsleute wieder mal hochgradig genervt sein.