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Famila: Fluch oder Segen für Neu Wulmstorf?

Gerhard Peters (li.), Gegner einer Famila-Ansiedlung außerhalb des Ortskerns, und Famila-Geschäftsführer Christian Lahrtz (re.) tauschten fleißig Argumente aus. SPD-Mann Tobias Handtke fungierte als Moderator
bc. Neu Wulmstorf. Einst war das weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannte Möbelhaus Meyn glanzvolles Zugpferd für Neu Wulmstorf. Seit vielen Jahren, seit der Insolvenz des Familien-Unternehmens, verfallen die gelben Häuser an der B73 zusehends. Die Kieler Warenhauskette "Famila" will das ändern und anstelle der Meyn-Ruinen einen 3.500 Quadratmeter großen Markt hinstellen (das WOCHENBLATT berichtete). Die Meinungen im Ort sind geteilt. Fluch oder Segen?

Am Mittwoch duellierten sich im Rathaus Famila-Geschäftsführer Christian Lahrtz und Ex-Bürgermeister Gerhard Peters, Sprecher der "Initiative Ortszentrum Neu Wulmstorf" (IONW) und entschiedener Gegner einer Ansiedlung. Die SPD hatte beide zu einer öffentlichen Fraktionssitzung eingeladen. Mehr als 70 Bürger kamen. Per Akklamation und in vielen Wortbeiträgen wurde deutlich: Der überwiegende Teil der Anwesenden wünscht sich einen neuen Vollsortimenter im Ort.

Das sagt Lahrtz: Famila verhindere einen weiteren Kaufkraftabfluss, ziehe neue Kunden aus dem Umland an, wovon auch die Einzelhändler im Ortskern an der Bahnhofstraße profitieren würden. 500.000 Kunden pro Jahr brauche Famila (3.500 Euro Umsatz pro Quadratmeter Ladenfläche).

Lahrtz: "Die Bahnhofstraße braucht keine Angst vor uns zu haben. Wir werden gemeinsame Aktionen mit den Gewerbetreibenden starten." Famila baue schöne Läden, verfüge über ein gutes Sortiment (30 bis 40 Prozent Non-Food), schaffe 60 bis 70 neue Arbeitsplätze, zahle Gewerbesteuer vor Ort. "Bleibt in Neu Wulmstorf alles beim Alten, wird der Leerstand in fünf bis zehn Jahren noch viel schlimmer. Mir will es nicht in den Kopf, warum die geplante Ansiedlung eines Verbrauchermarktes im benachbarten Fischbek gelassen gesehen wird, und man sich gleichzeitig in Neu Wulmstorf den Luxus leisten möchte, auf einen neuen Markt Ort zu verzichten", so Lahrtz.

Das sagt Peters: Der Standort außerhalb des Ortszentrums auf der grünen Wiese sei eine klare Fehlplanung. Es entstehe ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb zulasten der kleinen Fachgeschäfte an der Bahnhofstraße. Laufkundschaft werde abgezogen. Peters: "Diese 30 Prozent Umsatz fehlen den kleinen Geschäften, sie könnten dann abschließen." Nicht umsonst hätten 1.414 Bürger bei einer Unterschriften-Aktion gegen Famila votiert.

Eine rückläufige Entwicklung des in den 80er Jahren geschaffenen Ortszentrums an der Bahnhofstraße sei eine schlimme Vorstellung. Beispiele in der Nachbarschaft sollten Warnung genug sein: siehe Süderelbe Einkaufszentrum in Neugraben oder die Leerstände an der Lüneburger Straße in Harburg, verursacht durch das Phoenix-Center.

Wie berichtet, hat der Neu Wulmstorfer Gemeinderat bereits beschlossen, das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans auf dem Meyn-Areal einzuleiten. Nur wenn dort der B-Plan angepasst wird, könnte Famila an der B 73 einen Markt errichten. Voraussichtlich im Frühjahr 2015 könnte es zu einem Satzungsbeschluss kommen.

Bürgermeister Wolf Rosenzweig verwies auf den aktuellen Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP). Darin befinde sich das Meyn-Grundstück - also dort, wo Famila bauen will - sehr wohl im Ortszentrum. "Und keineswegs auf der grünen Wiese", so Rosenzweig.

Gewerbevereins-Vorsitzender Frank Kockmann bemerkte: "Ich kenne keinen Ort, der unter einer Famila-Ansiedlung gelitten hätte."

Und trotzdem scheint Famila einen schweren Stand in der Region zu haben. Auch in Jesteburg will das Kieler Unternehmen ein Kaufhaus bauen, was in der Nachbargemeinde Hanstedt gar nicht gut ankommt. Die Kommune will den geplanten Bau juristisch prüfen lassen.