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Neu Wulmstorf: Zu schmal für einen Rettungsweg?

Der Weg zu schmal, der Winkel zu steil: Dominic Prautzsch und seine Schwiegermutter Elin Andresen zeigen, wie schwierig es ist, mit dem Rollstuhl dort entlangzufahren
 
Mit seinen Armen deutet Dominic Prautzsch die Breite des Weges an. Der Pfeil markiert das Stück zu seinem Haus

Anwohner ist besorgt über Zuwegung zu seinem Haus

ab. Neu Wulmstorf.
Dominic Prautzsch ist auf Zinne: Der Weg zu seinem Reihenhaus in Neu Wulms-torf findet er mit 80 Zentimetern Breite eindeutig zu schmal. Vor allem in Notfällen könnte der enge Pfad für Rettungskräfte zum Problem werden, ist Prautzsch sicher. Der Hauseigentümer vermutet: Weil auf dem Gemeinschaftsgrundstück, auf dem sein Reihenhaus steht, 20 Parkplätze angelegt wurden und nur 50 Prozent der Gesamtfläche versiegelt werden dürfen, wurde auf breitere Wege verzichtet.

Im März 2016 war Dominic Prautzsch mit seiner Frau Nina in das Reihenhaus im Neubaugebiet am Gerhard-Bachmann-Ring eingezogen. Kurz nach seinem Einzug stellte er fest: Die Zuwegung vom Bürgersteig bis zu seinem Haus - dem letzten in der Reihe - ist nur 80 Zentimeter breit. "Mir fiel es auf, als ich unsere große blaue Mülltonne an den Straßenrand schieben wollte." Ein weiteres Hindernis: der 90-Grad-Winkel, in dem die Zuwegung kurz vor dem Bürgersteig scharf abknickt. "Für Kinderwagen oder Rollstühle kaum zu bewältigen", stellt Dominic Prautzsch klar. "Wie soll erst die Feuerwehr im Notfall hier durchkommen?", fragt er.

Dominic Prautzsch beginnt, Kontakt zu Behörden aufzunehmen, wird bei der Gemeinde vorstellig und von dieser an den Landkreis verwiesen. Dort erfährt er, dass ein Zugang laut der Niedersächsischen Bauordnung NBauO von einer öffentlichen Verkehrsfläche bis zum Haus eine Mindestbreite von 1,25 Metern haben muss. In diesem Fall sei der Landkreis aber für eine Prüfung nicht verantwortlich, da es sich um eine "genehmigungsfreie Baumaßnahme" handele. Für die Planung sei der Bauherr zuständig.
Das WOCHENBLATT hat beim Landkreis Harburg noch einmal nachgehakt.

"Entscheidend ist in diesem Fall nicht die Pflasterung, die wohl nur 80 Zentimeter beträgt, sondern der gesamte Durchgang", informiert Pressesprecher Bernhard Frosdorfer. Es sei zu prüfen, ob es sich um einen Weg mit "öffentlichem Interesse" handele, beispielsweise um einen Rettungsweg. Der Landkreis werde sich persönlich zeitnah ein Bild vor Ort machen, so Frosdorfer weiter. "Sollten Rettungsdienste dort tatsächlich nicht durchkommen, muss etwas passieren."

Das Neubaugebiet war durch das verantwortliche Bauunternehmen Bonava geprüft und abgenommen worden, sagt Katja Kargert, Leiterin der Bonava-Unternehmenskommunikation. Der verantwortliche Projektleiter, der für die Realisierung des schmalen Weges gesorgt hatte, sei derzeit nicht zu erreichen. Die 20 Parkplätze begründete Kargert damit, dass mehr Fläche zur Verfügung gestanden hätte, als benötigt worden war. Sollten Mängel auffallen, könnten sich die Eigentümer in einem Zeitraum von fünf Jahren an Bonava wenden. Katja Kargert: "Wir sind immer an einer einvernehmlichen Lösung interessiert."

Und was sagt die Feuerwehr zu dem schmalen Rettungsweg? Eine Nachfrage bei Neu Wulmstorfs Gemeindebrandmeister ergab, dass schmale Wege nicht grundsätzlich problematisch seien. "Das Material der Feuerwehr - auch tragbare Leitern - können jederzeit von den Einsatzkräften händisch zur Einsatzstelle transportiert und eingesetzt werden", so Schrader. Unter Umständen könne dies auch auf engstem Raum geschehen, was durchaus vorkäme.