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Flüchtlinge sagen zu den Vorkomnissen in Köln: "Wir distanzieren uns"

Finden es schlimm, was sich in Köln zur Neujahrsnacht ereignet hat: sieben Männer aus Syrien, dem Irak und Afghanistan

Sieben Flüchtlinge berichten, was sich seit der Neujahrsnacht in Köln für sie geändert hat


ab. Neu Wulmstorf. Sie finden es furchtbar, was in der Silvesternacht in Köln passiert ist: Zakaria Mustafa, Mustafa Rmo, Farzad Rahimi, Hamma Khder, Alim Alizada, Abdull Majeed Ousay und Sayed Shahzadah, Flüchtlinge aus Neu Wulmstorf, möchten sich unbedingt davon distanzieren. Das Verhalten der Menschen den Flüchtlingen gegenüber habe sich deutlich verändert. Wurden sie bei ihrer Ankunft freundlich empfangen und waren die Menschen hilfsbereit, würde die Stimmung langsam kippen.

„Wenn wir vor der Silvesternacht Bus gefahren sind, wurden wir freundlich angelächelt, haben zurückgelächelt und gegrüßt. Jetzt drehen die Menschen den Kopf weg“, erzählt Sayed Shahzadah. Gingen sie hinter Passanten her, würden die sich immer wieder umdrehen, ihre Taschen und Kinder festhalten. Das sei bedrückend. „Wir sind alle Menschen, es gibt gute und böse in jeder Nation“, sagt Mustafa Rmo aus Syrien. Ein Verhalten wie das der Tausend Männer kenne er weder aus seinem noch aus einem anderen Land. Tatsächlich gebe es aber Menschen, die nach Deutschland kämen, um „schlechte Dinge“ zu tun, aber dazu gehörten nicht sie - und auch keine Flüchtlinge, die sie kennen.

„Das Geschehen lässt sich nicht an ein oder zwei Na+tionen festmachen“, stellt Sayed Shahzadah aus Afghanistan klar. Doch die Freiheit, die man in Deutschland habe, beispielsweise seine Meinung zu sagen, werde von manchem falsch verstanden. „Diese Menschen denken, wenn sie ihre Meinung sagen dürfen, was im eigenen Land nicht erlaubt ist, dürfen sie auch andere verbotene Dinge tun, wie zum Beispiel Drogen verkaufen,“ erklärt Sayed Shahzadah.

„Es ist ungerecht, alle Flüchtlinge in einen Topf zu werfen und zu behaupten, es wären alle gleich. Jeder Mensch hat seinen eigenen ‚Fingerabdruck‘“, fügt Hamma Khder hinzu. Hamma befürwortet eine bessere Überwachung. „Ich bin für mehr Polizeipräsenz und Kameras bei Massenveranstaltungen“, sagt der Iraker. Das schaffe Klarheit und verbessere das Sicherheitsgefühl.

„Ein Stück weit kann ich die momentane Angst sogar nachvollziehen“, sagt Hamma Khder. „Aber wir würden gern etwas unternehmen, um die Menschen vor Ort davon zu überzeugen, dass wir so nicht sind. Wir möchten mit Menschen aus Deutschland reden, uns und unsere Kultur vorstellen.“

Im Gegenzug würden sie gern mehr über die deutsche Kultur und - das ist ihnen besonders wichtig - über Regeln lernen. Einstimmig erklären sie, es sei in ihren Heimatorten an der Tagesordnung, auch Kinder, die man nicht kenne, zu streicheln oder auf den Arm zu nehmen und zu knuddeln. Sie wissen, dass sie hier mit einem solchen Verhalten für Entsetzen sorgen würden. „Diese und weitere Regeln möchten wir einfach lernen, damit wir uns in jeder Situation regelkonform verhalten können“, sagt Hamma Khder. „Denn das möchten wir alle.“