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In der AfD gescheitert, jetzt setzt er auf Alfa: Bernd Lucke im WOCHENBLATT-Interview

Alfa-Vorsitzender Bernd Lucke (Foto: archiv/kb)
(kb). Nach monatelangen innerparteilichen Querelen über die politische Ausrichtung der von ihm 2013 gegründeten Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) und dem Verlust des Bundesvorsitzes trat Bernd Lucke (53) Anfang Juli aus der AfD aus. Jetzt knüpft der Wirtschaftsprofessor und Europa-Abgeordnete mit seiner "Allianz für Fortschritt und Aufbruch" (Alfa) dort an, wo er einst mit der AfD begonnen hat, bevor diese ins rechtspopulistische Lager abrutschte. Alfa ist eurokritisch, setzt auf Wirtschaftswachstum, qualifizierte Zuwanderung und Familien. Mit dem WOCHENBLATT sprach Lucke, der mit seiner Frau und zwei Töchtern derzeit in Brüssel wohnt, aber für 2017 die Rückkehr nach Winsen plant, über sein Scheitern in der AfD und den politischen Neustart.

WOCHENBLATT: Herr Lucke, nach turbulenten Wochen in denen man Sie häufig in den Medien wahrgenommen hat, ist es nun eher ruhig um Sie und Ihre neue Partei Alfa. Was machen Sie derzeit?
Lucke: Wenn es ruhig wirkte, dann wohl vor allem, weil Urlaubszeit war. Da war ich mit meiner Familie wandern. Und wir waren sehr froh, dass alle Kinder mit dabei sein konnten. Aber jetzt hat die Arbeit wieder begonnen. Und ich bin voller Tatendrang.
WOCHENBLATT: Der Landesverband in Niedersachsen steht kurz vor der Gründung, wie ist Alfa ansonsten aufgestellt?
Lucke: Alfa kommt ausgezeichnet voran. Wir haben Ende August den ersten Landesverband gegründet und in den nächsten drei Monaten folgen weitere. Wenn man eine neue Partei gründet, ist erst einmal sehr viel zu organisieren und da sind wir froh über das große Engagement unserer Mitglieder. Zum Glück haben viele von ihnen bereits Erfahrung mit einer Parteigründung. Anfängerfehler machen wir nicht mehr.
WOCHENBLATT: Wie viele Mitglieder hat die Partei?
Lucke: Wir haben inzwischen über 1.000 Mitglieder aufgenommen und mehr als 1.000 noch in der Bearbeitung befindliche Mitgliedsanträge.
WOCHENBLATT: Mit welchen Inhalten wollen Sie bei den Wählern punkten, welche Chancen rechnen Sie sich aus?
Lucke: Die beiden wichtigsten Themen sind derzeit die Eurokrise und die Asyl- und Zuwanderungsproblematik. Da rechnen wir uns sehr gute Chancen aus, denn in beiden Feldern steht die Bundesregierung völlig ohne Konzept da. Nehmen Sie Griechenland: Dass man jetzt schon wieder Milliardensummen überweist, obwohl das Land pleite ist, ist doch unfassbar. Man hat in Griechenland nichts erreicht, außer dass ein Viertel der Erwerbsfähigen seit Jahren arbeitslos ist. Und dass in Deutschland kein Sparer mehr Zinsen bekommt. In der Flüchtlingskrise steht die Bundesregierung auch ohne jedes Konzept da. Immer nur von Willkommenskultur zu sprechen, greift einfach zu kurz.
WOCHENBLATT: Was muss Ihrer Ansicht nach verbessert werden?
Lucke: Man muss auch mal sagen, wo die Leute wohnen sollen, wo sie Arbeit finden können, und wie ihre Kinder beschult und ausgebildet werden sollen. Alfa steht für eine humane, aber realistische Flüchtlingspolitik: Wir sagen ein klares Ja zum Asyl und zur Hilfe für die wirklich Verfolgten. Aber wir wollen, dass Asylanträge schon außerhalb der EU gestellt werden und dann nur die Berechtigten bei uns aufgenommen werden. Dafür brauchen wir entsprechende Vereinbarungen mit Drittstaaten, strikte Grenzkontrollen und konsequente Abschiebungen. Nur das ist realistisch, aber genau dafür fehlt der Regierung der politische Wille.
WOCHENBLATT: Der Essener Parteitag ist einige Wochen her, wie beurteilen Sie mit etwas Abstand die Entwicklung der AfD und Ihr Ausscheiden aus der Partei?
Lucke: Mir blutete das Herz, als ich aus der AfD austrat. Aber es blieb keine andere Wahl und das sehe ich auch jetzt noch genauso. Schon lange vor Essen gab es in der AfD eine Art Rutschbahneffekt: Je lauter der rechte Flügel wurde, desto mehr gemäßigte Mitglieder traten aus und dadurch wurde der rechte Flügel noch stärker. Bis er schließlich in Essen eine klare Mehrheit hatte. Da wurde die AfD dann zur Pegida-Partei ausgerufen, zu einer reinen Wutbürgerpartei. Schon am Abend des ersten Tages sind die gemäßigten Mitglieder zu Hunderten ausgetreten. Es gab einfach kein Halten mehr. Wenn ein Schiff sinkt, muss man von Bord gehen.
WOCHENBLATT: Die AfD liegt aktuellen Umfragen zufolge derzeit bei etwa vier Prozent. Wo sehen Sie die AfD in Zukunft?
Lucke: Unter vier Prozent. Deutlich.
WOCHENBLATT: Welche Lehre ziehen Sie ganz persönlich aus Ihren politischen Erfahrungen in den vergangenen zwei Jahren?
Lucke: Es reicht nicht, ein wichtiges politisches Anliegen zu haben. Man muss auch die richtigen Leute finden. Das Schöne an Alfa ist, dass wir jetzt die richtigen Leute beisammen haben. In der AfD wurde ständig gestritten. Bei Alfa aber ist alles harmonisch. Da macht die politische Arbeit wieder richtig Spaß!
WOCHENBLATT: Herr Lucke, vielen Dank für das Gespräch.