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Krippenbau in Tostedt und kein Ende

Die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen steigt (Foto: Kita im Stocken)
bim. Tostedt. Die Samtgemeinde Tostedt hat das Kinderbetreuungsangebot in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut und frühzeitig vor Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz mächtig „Gas gegeben“ und Krippen neu oder an Kindertagesstätten angebaut. Doch der Bedarf steigt. Und mit der für August von der Landesregierung versprochenen Kitagebühren-Beitragsfreiheit werden sicherlich mehr Eltern ihre Kinder für Kita und Krippe anmelden und - da es ja nichts kostet - längere Betreuungszeiten buchen. Die Tostedter Verwaltung will nun schnellstmöglich potentielle Standorte für die Planung und Realisierung für zunächst zwei zusätzliche Krippen- und zwei Kindergartengruppen ermitteln und dann politisch beraten lassen.
In der Samtgemeinde leben derzeit 521 Kinder im Alter von ein bis drei Jahren, die Anspruch auf einen Krippenplatz haben. Mit den jetzt zur Verfügung stehenden Krippenplätzen wird eine Versorgungsquote von rund 35 Prozent erreicht.
Seit vergangenem Oktober liegen in den kommunalen Einrichtungen und bei den freien Trägern 65 Krippenanmeldungen für das Kita-Jahr 2017/18 vor, für die es überwiegend wohl keinen entsprechenen Platz zum Wunschzeitpunkt geben wird. Für das Kita-Jahr 2018/19 liegen 67 Krippenanmeldungen vor, berichtete der Erste Samtgemeinderat Stefan Walnsch im Jugend- und Sozialausschuss.
Er verwies zudem auf 350 neue Wohneinheiten, die demnächst in Tostedt und Todtglüsingen geschaffen werden und die sich ebenfalls beim Betreuungsbedarf widerspiegeln werden. Und in Tostedt sind die Geburtenzahlen in den vergangenen beiden Jahren gestiegen - von im Durchschnitt 221 Kindern in den Jahren 2007 bis 2015 auf 261 Kinder.
Ein Problem ist eine echte Bedarfsermittlung. Die Erarbeitung der Kindergartenbedarfspläne des Landkreises dauerte in der Regel eineinhalb Jahre. Dann waren die Zahlen jedoch immer schon längst überholt. Denn im Bereich der Kinderbetreuung ändern sich die Zahlen fast täglich. Außerdem lassen sich der Zuzug von Familien oder die Schwangerschaften der Einwohnerinnen eben schlecht prognostizieren.
Entsprechendes Personal zu finden, sei zwar schwierig, doch hätten in Tostedt bislang noch alle Stellen besetzt werden können, zur Not über Personalagenturen, so Walnsch.
Für großen Missmut sorgt die vom Land ab August in Aussicht gestellte Kitagebühren-Beitragsfreiheit, deren Finanzierung nach wie vor nicht geklärt ist. So wünschenswert diese für Familien natürlich ist, so unbezahlbar könnte sie für die Kommunen werden. Und es ist nicht absehbar, wieviel mehr Raum, Plätze und Personal benötigt werden.
„Aus der Vergangenheit wissen wir, dass die meisten Kosten an den Kommunen hängen bleiben“, erklärte Burkhard Allwardt (fraktionslos). Auch Anette Randt (CDU) und Uwe Baden (WG) finden die derzeitige Planung der Landesregierung nicht ausreichend.
„Nicht einmal das, was uns an Gebühren wegfällt, wird uns ersetzt“,  sagte Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam zu den bisherigen Plänen der Landesregierung. Seine Antworten auf eine Anfrage der Gruppe Allwardt/Thielsen/FDP machen deutlich, auf welche zusätzlichen finanziellen Belastungen sich die Samtgemeinde unter Umständen einstellen muss:
Derzeit plante das Land eine Erstattung von 126 Euro für einen Halbtagsplatz und 167 Euro für einen Ganztagesplatz. Das würde für Tostedt bei den Betreuungsplätzen in kommunalen Einrichtungen und denen in freier Trägerschaft ein zusätzliches jährliches Defizit von ca. 600.000 Euro bedeuten. „Darin enthalten ist noch nicht, dass wahrscheinlich mehr Plätze und längere Betreuungszeiten nachgefragt werden“, so Dörsam.
Wenn das Land künftig - wie jetzt geplant - 52 Prozent der Personalkosten erstattet, habe dies immer noch ein zusätzliches jährliches Defizit von ca. 387.000 Euro zur Folge. „Unsere Forderung ist, die Erstattung auf 66 Prozent zu erhöhen“, so Dörsam.
Eine Verschiebung und dadurch länger benötigte Betreuungsplätze könnte zudem die Veränderung des Einschulungsstichtages zur Folge haben, von der zum Schuljahr 2018/19 in Tostedt rund 60 Kinder betroffen sein können.
Positiv sei zumindest, dass der Landkreis das Geld, das er bislang an Kita-Gebühren für sozial schwache Familien übernimmt, an die Kommunen weitergeben will.