Häuser statt Acker
Neues Baugebiet in Welle verärgert Anwohner
- hochgeladen von Bianca Marquardt
Ein in der kleinen Gemeinde Welle geplantes Neubaugebiet spaltet die Gemüter. Während die Gemeinde im Zuge des demografischen Wandels fürchtet, künftig nicht mehr genügend Einwohnerinnen und Einwohner für die bestehende Infrastruktur, zum Beispiel den Kindergarten, zu haben, befürchten Anwohner des geplanten Baugebietes jahrelange Lärmbelästigung durch Baufahrzeuge und gefährlichen Begegnungsverkehr in den schmalen Anliegerstraßen. Darum geht es u.a. in der Sitzung des Gemeinderates am Dienstag, 16. Juni 2026, um 19.30 Uhr im Schützenhaus Kampen, Am Schützenplatz 10.
Die Fläche des geplanten Neubaugebietes "Dreyers Feld" umfasst ca. 3,22 Hektar und befindet sich westlich der Bundesstraße B3 - südlich der Gemeindestraße Am Kamp und östlich des Lerchenweges. Mit geplanten 33 Wohneinheiten soll die bestehende Siedlung in Richtung Südosten erweitert werden. Das Neubaugebiet wird von der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) aus Lüneburg entwickelt und vom Büro Patt beplant. Vorgesehen sind laut dem Entwurf des städtebaulichen Konzeptes ca. 21 Einfamilienhäuser auf Grundstücken mit 610 bis 1.220 Quadratmetern Größe sowie zwei Mehrfamilienhäuser auf knapp 1.830 Quadratmetern. Erschlossen werden soll das Gebiet über den Lerchenweg.
Die Gemeinde Welle hat das geplante Baugebiet "zur Stabilisierung der Einwohnerentwicklung der Gemeinde Welle" in einer Informationsveranstaltung im Sommer 2025 den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt. Der Rat der Gemeinde beschloss die Aufstellung des Bebauungsplanes in einer öffentlichen Sitzung Ende August 2025. Ebenso den Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplanes, da die Fläche bislang als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen war und als Acker genutzt wurde.
Hintergrund für die Ausweisung des Baugebietes: Gemäß dem Demografie-Gutachten 2019 des Landkreises Harburg (CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH) wird sich die Gemeinde Welle auf eine rückläufige Bevölkerungsentwicklung von minus 7,5 Prozent bis zum Jahr 2035 einstellen müssen.
Mit Stand vom 31. August 2025 hatte die Gemeinde Welle 1.229 Einwohner mit Hauptwohnsitz und 29 Personen mit Nebenwohnsitz.
Aus Sicht der Verwaltung verfügt die Gemeinde Welle nur über eine sehr geringe Anzahl von Baulücken. Für die Entwicklung größerer Baugebiete stünden lediglich zwei Bereiche planerisch zur Verfügung. Die derzeit genutzte Ackerfläche zwischen der Straße Estetal und den Sportanlagen (bzw. der Turnhalle) sei eine hofnahe Fläche eines Landwirtes aus Welle und stehe aktuell nicht zur Verfügung. Die jetzt für die Bebauung vorgesehene Fläche im Bereich Am Kamp und Lerchenweg sei ebenfalls eine Potentialfläche.
Zwei Bürgerinitiativen gegen die Bebauung
Gegen das Projekt haben sich inzwischen zwei Bürgerinitiativen (BI), insbesondere aus der Anwohnerschaft, formiert. Aus ihrer Sicht gibt es Alternativen für die Wohnraumentwicklung in Baulücken in Welle und vor allem in Kampen.
Die BI kritisieren unter anderem, dass die Planungen ohne Rücksicht auf "Kollateralschäden" "durchgedrückt" werden sollen. Rat und Verwaltung würden in Kauf nehmen, "dass die langjährigen Anwohner der Wohnstraßen Am Kamp und Lerchenweg vor ihren Haustüren dem Lärm und den Emissionen der Baufahrzeuge jahrelang ausgesetzt werden." Später gebe es durch die Neubürger zusätzlichen Verkehr.
Zudem seien die beiden Wohnstraßen mit 4,90 Metern (Am Kamp) und 4,40 Metern (Lerchenweg) viel zu schmal. "Damit die Lkw dort überhaupt fahren können, müssten die Straßen Am Kamp und Lerchenweg nahezu bis an die Zäune der Grundstücke asphaltiert werden", so die BI.
Deren Mitglieder bezweifeln, dass diese Fahrbahnbreiten für die Begegnung von zwei schweren Baulastwagen ausreichen. "Laut Straßenverkehrsordnung darf ein Lkw 2,55 Meter breit sein", so die Argumentation. Und weiter: "Laut Niedersächsischer Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr soll die Breite einer Gemeindestraße bei geringer Begegnungshäufigkeit mit Lkw-Verkehr 5,50 Meter breit sein, bei hoher Begegnungshäufigkeit sieben Meter."
In der Ratssitzung werden die eingegangenen Stellungnahmen beraten. Vorgesehen sind die "Billigung des Entwurfs des Bebauungsplans" und ein Beschluss über die zweite Runde der Öffentlichkeitsbeteiligung.
Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
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