New York-Reise als Anreiz für Ausbildung / Handwerksbetriebe haben es zunehmend schwer, Bewerber zu finden

Jochen Weiß mit den Bäcker-Azubis Pascal Pazola (li.) und Yonas Teame Gebreyowhans
  • Jochen Weiß mit den Bäcker-Azubis Pascal Pazola (li.) und Yonas Teame Gebreyowhans
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(bim). Ein neues Smartphone, Tankgutscheine oder Zuschüsse zum Führerschein - Handwerksbetriebe, die Verantwortung übernehmen und selbst Fachkräfte ausbilden, lassen sich allerhand einfallen, um für potenzielle Auszubildende als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Denn in vielen Branchen fehlt es an kompetentem Nachwuchs. Als Anreiz, eine Lehre zum Bäcker erfolgreich zu absolvieren, hat die Tostedter Bäckerei Weiss jetzt eine Reise nach New York ausgelobt. Die Fiesenlegerei Prigge aus Wohnste (Landkreis Rotenburg) stattet Lehrlinge, die „am Ball bleiben“, mit eigener Flex aus und unterstützt sie finanziell beim Erwerb eines Anhängerführerscheins.
Dabei liegen die Vorteile in seinem Handwerk für Bäckermeister Jochen Weiß auf der Hand: „Man sieht sofort, was man gemacht hat. Es ist schön, das Endprodukt zu sehen“, sagt er. Und wenn dann noch von Kunden die Rückmeldung kommt, dass ein Produkt geschmeckt hat, sei es das Größte. Dennoch hat das Unternehmen in diesem Jahr Schwierigkeiten, zwei Bäcker-Azubis und fünf Auszubildende zu Bäckerei-Fachverkäuferinnen zu finden.
„Das Problem der fehlenden Bewerbungen ist das schlechte Image des Bäckerberufs. Man muss früh aufstehen und auch am Wochenende arbeiten. Und es ist keine ganz leichte Arbeit. Ich habe das Gefühl, Banker zu sein ist sexier als Bäcker“, sagt Jochen Weiß. Gerade in Zeiten der Vollbeschäftigung wie derzeit in Hamburg und dem Umland, wenn es mehr Stellen als Bewerber gibt, sei das deutlich spürbar.
Mit der Schwierigkeit, Bewerber zu finden, steht die Bäckerei Weiss aber nicht allein. Laut einer Umfrage des niedersächsischen Industrie- und Handelskammertags in 1.035 Unternehmen konnte jedes dritte Unternehmen nicht alle Lehrstellen zum Ausbildungsstart besetzten. Ein Viertel der Befragten habe sogar gar keine Bewerber für die angebotenen Ausbildungsplätze erhalten.
Ein Weg, dem Fachkräftemangel vorzubeugen, ist die Ausbildung junger Flüchtlinge. Dabei macht die Bäckerei Weiss gerade gute Erfahrungen mit Yonas Teame Gebreyowhans aus Eritrea. „Er ist gut in der Schule und sehr bemüht. Ich bin optimistisch, dass er seine Lehre schafft und später als Bäckergeselle arbeiten wird“, so Jochen Weiß.
„Die Suche nach geeigneten Auszubildenden wird im Handwerk zunehmend schwieriger“, bestätigt Sandra Jutsch von der Pressestellle der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg Stade. Insbesondere in technisch anspruchsvollen Bereichen wie Elektro oder Sanitär, Heizung und Klima gelinge es nicht immer, die angebotenen Ausbildungsplätze mit passenden Bewerbern zu besetzen. Schwierig sei die Situation auch in den Lebensmittelhandwerken Bäcker oder Fleischer.
Die Gründe für fehlende Bewerber sind laut Experten vielfältig. Infolge des demografischen Wandels gibt es mehr offene Stellen als Bewerber. Zum Teil haben junge Menschen überholte Vorstellungen von den Inhalten der Ausbildungsberufe, auch wenn diese inzwischen modernisiert wurden. Und es gibt politisch und gesellschaftlich den Trend zu höheren Schulabschlüssen und zur Akademisierung. Viele Schulabgänger bevorzugen eine hochschulische, eine Berufsschul- oder kaufmännische Ausbildung.

Top Ten der offenen Ausbildungsstellen in den Landkreisen Harburg und Stade

Für den Landkreis Stade wurden laut der Handwerkskammer (HWK) Braunschweig-Lüneburg-Stade in diesem Jahr bisher 247 Lehrverträge neu eingetragen bei einem Gesamtbestand über alle Lehrjahre hinweg von insgesamt 1.120 Azubis. Für den Landkreis Harburg wurden bisher 167 Lehrverträge neu eingetragen bei einem Gesamtbestand von 810. Das entspricht laut Sandra Jutsch von der Hwk-Pressestelle in etwa dem Vorjahresniveau an neu eingetragenen Verträgen.
Die Top 10 der offenen Ausbildungsstellen im Landkreis Harburg:
Kaufmann/-frau im Einzelhandel (87), Verkäufer/-in (54), Handelsfachwirt/-in (41), Fachkraft Lagerlogistik (25), Anlagenmechaniker/-in Sanitär, Heizung, Klimatechnik (23), Koch/Köchin (20), Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk Bäckerei (18), Kfz-Mechatroniker/-in Pkw-Technik (17), Elektroniker/-in Energie- und Gebäudetechnik (15), Restaurantfachmann/-frau (14).
Die Top 10 der offenen Ausbildungsstellen im Landkreis Stade:
Kaufmann/-frau im Einzelhandel (117), Kfz-Mechatroniker/-in Pkw-Technik (69), Bankkaufmann/-frau (62), Verkäufer/-in (59), Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk Bäckerei (48), Kaufmann Groß. und Außenhandel (45), Kaufmann/-frau Büromanagement (35), Friseur/-in (33), Schiffsmechaniker/-in (31), Chemikant/-in (27)

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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