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Betrug und Abzocke: Warum die dümmste Masche zieht

Selbst die dümmsten Anweisungen - meist per Mail - werden noch befolgt, wenn ein vermeintlicher Gewinn lockt

(tk). "Glückwunsch, Sie haben gewonnen!" Es winken Geld oder eine Luxuslimousine. Die vermeintliche Gewinner müssen aber vorher eine Bearbeitungsgebühr berappen. Was dann passiert, widerspricht eigentlich jeder Logik: Die "Glückspilze" kaufen eine Prepaid-Karte, wie "Paysafe", fürs Internet-Shoppen und teilen den den Code fürs Freischalten den angeblichen Glücksboten mit. Das Geld ist futsch, einen Gewinn gibt es natürlich nicht. Im Landkreis Stade hat es einige solcher Betrugsfälle gegeben. Warum sind die dümmsten Abzockmaschen wie vermeintliche Gewinnversprechen oder der Enkeltrick so erfolgreich?

Frank Federau ist Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) in Hannover. Er nennt zwei Voraussetzungen, die es es skrupellosen Abzockern auch mit dummdreisten Methoden leicht machen: Einsamkeit von Menschen und eine ausgeprägte Schnäppchenjäger-Mentalität.

"Jetzt ziehe ich endlich mal das große Los und bekomme den Hauptgewinn", schildert Federau Gedankengänge, wenn ein vermeintlicher Volltreffer lockt. Obwohl bei einigen der späteren Opfern durchaus Zweifel wach werden, leisten sie Zahlungen oder teilen, wie im aktuellen Stader Fall, den Code ihrer Prepaid-Karte mit.

Federau nennt ein anderes Beispiel, wo Schnäppchenjäger-Mentalität den gesunden Menschenverstand ausschaltet: Wenn teure Markenprodukte im Internet für 20 Prozent unterhalb ihres Wertes verkauft werden, müsse eigentlich jedem klar sein "das kann es nicht funktionieren", so der LKA-Sprecher. Dass nach der Bezahlung keine Ware kommt, sei nicht überraschend.

Eine anderes Spielfeld, das Kriminelle ausnutzen, ist die Einsamkeit vieler Menschen. Beispiel: der Enkeltrick. "Manche der Opfer sind sogar dankbar, dass sich so genannte Verwandte endlich mal wieder melden", sagt Frank Federau. Außerdem sei es in der älteren Generation noch selbstverständlich, dass sich Familienmitglieder untereinander helfen.

Ein anderer Trick: Frauen, die im Internet einen Partner suchen, werden angeschrieben. Bilder hin- und hergeschickt, Texte ausgetauscht. "Da wird mitunter die ganz große Liebe vorgegaukelt", sagt Federau. Blöd nur, dass der Traumprinz gerade in Afghanistan stationiert ist und 1.000 Euro fürs Flugticket benötigt, damit es endlich zum persönlichen Kennenlernen kommt. Auch diese Masche funktioniert. Der Traumtyp taucht natürlich nie auf.

Die Internet-Kriminalität werde noch weiter zunehmen, sagt der LKA-Sprecher. Für die Täter ein lohnendes Geschäft. Wenn auf 100 Mails nur zwei bis drei anbeißen, etwa bei den Paysafe-Karten, lohnt sich das für die Drahtzieher bereits. Beim Enkeltrick ist die "Erfolgsquote" sogar noch höher, denn es geht meist um sehr hohe Summen. Beim jüngsten Fall in Buxtehude satte 15.000 Euro . "Das sind Fälle, die gehen jedem Ermittler nah", sagt Frank Federau. Ältere Menschen werden mit einem Schlag um alles gebracht, was sie ihr Leben lang gespart hätten.