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Razzia bei Rockern: Spezialkräfte der Polizei finden Waffen

Polizei und Staatsanwaltschaft wollen ein Zeichen der Stärke senden (Foto: Polizei)

tk. Oederquart/Stade. Die Aktion war supergeheim und generalstabsmäßig geplant: Im Morgengrauen am Mittwoch stürmten Spezialkräfte der Polizei fünf Wohnungen. Im Visier: Mitglieder von Rockergruppen, sogenannte Outlaw Motorcylce Clubs (OMC). Nach unbestätigten Angaben sollen es vor allem Mitglieder oder Anhänger der Rockergruppe "Mongols MC" sein, die ins Visier der Ermittler gerieten

Sehr konkret waren Hintergrund und Anlass der Polizeiaktion: Am 28. September überfielen mehrere mutmaßliche "Mongols"-Mitglieder die Rocker des Stader Ablegers (Chapter) von "Gremium MC" während einer Bikerparty in Freiburg/Elbe (das WOCHENBLATT berichtete). Dabei wurden vier Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt. Die Täter waren bewaffnet und gingen äußerst brutal vor, griffen unter anderem zum Messer.
Am Mittwoch wurden Wohnungen in Bremen, Cuxhaven und Oederquart durchsucht. In allen fünf Fällen wurden auch Diensthunde eingesetzt, die Drogen erschnüffeln sollten. Die Aktion dauert von sechs bis zehn Uhr. Weil es bei ähnlichen Durchsuchungen bereits Schüsse auf Polizeibeamte gab, verschafften sich die Spezialkräfte auch mit dem Eintreten von Türen ohne zu klingeln Zugang zu den Wohnungen. Gefunden wurde Schlagwerkzeuge und Waffen, so Staatsanwalt Kai Thomas Breas. "Aus ermittlungstaktischen Gründen halten wir uns mit weiteren Angaben aber zurück", sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade.
So kann derzeit nur gemutmaßt werden, ob Polizei und Staatsanwaltschaft einen konkreten Tatverdacht haben oder ob diese Maßnahme vor allem ein Zeichen setzen sollte. "Wir werden den OMCs auch in Zukunft koordiniert und länderübergreifend mit aller Entschlossenheit entgegentreten", schreibt Staatsanwalt Breas in einer Presseerklärung zu den Durchsuchungen.
Eine Tatsache ist: "Gremium MC" hat sich in Stade fest angesiedelt, verfügt über ein Clubhaus bei Hollern-Twielenfleth. Welche Rolle die "Mongols" in der Region spielen, bleibt dagegen eher Spekulationen überlassen. In Bremen wurde der Rockerclub verboten. Diese Entscheidung hat das Oberverwaltungsgericht Bremen gerade bestätigt. Insider gehen davon aus, dass sich Bremer Mongols im Elbe-Weser-Dreieck ansiedeln und hier versuchen werden, neue Clubstrukturen aufzubauen.
Für die Ermittler nach der Attacke in Freiburg schwierig: Selbst die Opfer von Überfällen reden, wenn sie Mitglied eines Rockerclubs sind, nicht mit der Staatsgewalt.
Die Erfahrungen der Polizei in Bremen, dort haben sich "Mongols" und "Hells Angel" teils heftige Auseinandersetzungen geliefert, dürften ein Grund dafür sein, in Cuxhaven und Stade mit den Durchsuchungen ein Zeichen gegen Rocker-Kriminalität zu setzen.